Review
von Leimbacher-Mario
Hobo with a lot fun
Ich weiß gar nicht ob der überhaupt im Kino lief Anfang der 90er oder nur fürs Fernsehen gedacht war, aber eigentlich ist das auch egal, denn „The Vagrant“ ist so oder so sträflich missachtet und verkannt, ich kann nur hoffen, dass davon in den kommenden Jahren irgendwann noch eine ordentliche Veröffentlichung erscheint! Wie kann es von dem nur eine kaputt geschnittene VHS geben?! Handlung und Atmosphäre sind irgendwo zwischen Romero, Lynch und Hooper angesetzt, erzählt wird von einem Mann, der gerade ein schönes neues Haus kauft und der eigentlich auf der Sonnenseite des Lebens steht. Doch als ein mysteriöser, creepy Obdachloser immer wieder in und um seinem Anwesen auftaucht, Morde geschehen, weiß er schnell nicht mehr, ob er langsam verrückt wird oder seine Angst vor dem monströsen Landstreicher begründet ist...
„The Vagrant“ ist gruselig, vor allem wenn man ihm vielleicht in frühen Jahren über den Weg läuft, der veranstaltete Obdachlose hat definitiv Alptraumpotenzial. Aber die Hauptstärken des Films liegen woanders. Nämlich in seinem abgefuckten Humor, seiner bizarren, leicht surrealen Aura und der bissigen, psychologisch-wertvollen Sozialkritik. Der Angst vor „dem da draußen“, der Urangst dem Wahnsinn zu verfallen, der Skepsis gegenüber der „schäbigen Strassenbevölkerung“, dem Dreck, der Armut, der Arbeitslosigkeit, dem Pech und der Obdachlosigkeit. All das bringt „The Vagrant“ fein unter einen sehr unterhaltsamen, kurzweiligen Hut. Spaßig, nachdenklich stimmend, fies. Weitaus tiefgründiger als man meint. Mit einem immer coolen, liebenswerten Bill Paxton und obendrauf noch Michael Ironside, die beide genau wissen, in was für einen Film es sie verschlagen hat. Ein klasse Gesamtpaket und ein relevanter Alptraum, der nur im letzten Drittel etwas abbaut und vielleicht etwas zu „drüber“ schießt. Score passt auch. Nix zu meckern.
Fazit: wie unterschätzt ist der denn bitte?! Eine fantastische, böse Satire auf die Angst vor dem „Anderen“, dem Obdachlosen, der verlorenen Privatsphäre, dem Wahnsinn. Und obendrauf ein genialer Paxton in Höchstform. Sehr gerne gesehen und toll unterhalten worden!