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Eigentlich wollte sie nur ihren Mann abholen, der nach einigen Jahren Knast heute entlassen werden sollte - doch als Zenzi Mwale (Gail Mabalane) nach mehreren Stunden vergeblichen Wartens vor dem Gefängnistor noch einmal nachfragt, erfährt sie, daß er schon morgens rausgekommen ist. Aber wo ist Max abgeblieben?
Zenzi fragt überall nach, wo Max zuvor gearbeitet hatte, sie erkundigt sich bei Nachbarn und in Geschäften, doch Max bleibt verschwunden, niemand scheint ihn gesehen zu haben. Zuletzt hatte er sich mit üblen Leuten aus dem Rotlichtmilieu von Kapstadt abgegeben, die auch der Grund waren, warum er ins Gefängnis mußte: auf Geheiß des Oberboss sollte er einen Mord auf sich nehmen, den er gar nicht begangen hatte - im Gegenzug sollte dafür seine Familie während der Haft unterstützt werden. Doch anders als Max hielten sich die Gangster nicht an die Zusage, und da das Geld hinten und vorn nicht reichte, nahm Zenzi mehrere Stellen als Putzfrau an, um über die Runden zu kommen. Als Max im Knast damit drohte, auszupacken, wollten die Verbrecher Druck auf ihn ausüben und erschossen bei einem Drohbesuch bei Zenzi im Handgemenge deren 10-jährigen Sohn Esulu.
All dies geht Zenzi durch den Kopf, als sie nach Max sucht und dabei im Büro eines Kapos landet, dem die Fragerei lästig wird: als er sie zum Schweigen bringen will, erschießt sie ihn mit einer zuvor in einem Safe gefundenen Pistole in Notwehr. Wieder zuhause hört sie von der schnippischen Nachbarin und Vermieterin, daß diese das Haus verkaufen wollen und sie sich eine neue Bleibe suchen muß. Vergeblich versucht sie, das Besitzer-Ehepaar umzustimmen, bis ihr der Vermieter ein Treffen auf einer Baustelle anbietet: doch der ältere Mann will nur Sex. Als er sie zu vergewaltigen versucht, stößt sie ihn über eine Absperrung in die Tiefe - der zweite Tote, der auf das Konto von Zenzi geht. Und es soll nicht der letzte bleiben...

Immer wieder bietet Netflix Werke aus dem Filmland Südafrika an, von denen einige auch durchaus interessant erscheinen - Unseen gehört leider nicht dazu. Das liegt weniger daran, daß der Streifen ein schlichtes Remake der türkischen Netflix-Serie Fatma von 2021 ist, sondern an einem weitgehend drögen und überraschungsarm verlaufenden Plot um eine mordende Putzfrau. Doch die im ersten Moment ungewöhnliche Kombination von einfacher Putzfrau (so bezeichnet sich Zenzi oftmals selbst) und mehreren Morden an zwielichtigen Unterwelt-Gestalten hält das, was sie zu versprechen scheint, nicht einmal eine einzige der insgesamt 6 Folgen: denn Zenzi ist mitnichten eine rächende Killerin, sondern die Morde geschehen fast sämlichst aus Notwehr. Die unerschrockene, aber nicht sonderlich clevere Zenzi erregt durch ihr nonchalantes und hartnäckiges Nachfragen den Argwohn der Mafiosi (die selbst nach Max suchen) und gerät dadurch in gefährliche Situationen, aus denen sie aber stets wieder heil herauskommt.

Was einem als Erstes an Unseen auffällt, ist die gediegene Umgebung der einzelnen Drehorte in Kapstadt. Die Wohnungen, in denen Zenzi putzt, sind sehr sauber und splendid eingerichtet, ihre (später in einer Nebenrolle auftauchende) Schwester fährt ein Luxus-Cabrio und selbst Zenzis Wohnung, im Laufe der Serie öfters als "dreckige Bruchbude" bezeichnet, ist keineswegs heruntergekommen, die Büros der Stripclubs und die Polizeiwache sowieso nicht. Es fällt schwer zu glauben, daß die im Film dargestellte Location das gegenwärtige Kapstadt sein soll, ohne Slums, ohne ausufernde Straßenkriminalität und ohne Korruption. Besonders auch deswegen, weil sich der Titel Unseen auf den geplanten Roman eines Zenzi wohlgesonnenen Schriftstellers und Journalisten bezieht (bei dem sie putzt), in dem dieser ihre Rolle als fleißiges Rädchen im großen Getriebe thematisiert, das trotz der Wichtigkeit ihrer Arbeit (als Putzfrau) nie beachtet wird und somit quasi unbemerkt - Unseen - bleibt. Als besonderen Gag(?) läßt er seine Roman-Putzfrau Morde begehen ohne zu ahnen, daß Zenzi diese auch in der Realität verübt.

Mit zunehmender Filmdauer schaltet sich dann - neben der toughen Putzfrau und den Mobstern - auch die Polizei als dritte Partei ein, die allerdings aus den vorgefundenen Toten (die analog zu diversen US-Serien alle sehr schnell mit modernen Methoden obduziert und die Ergebnisse sogleich verwendet werden, hm, in Kapstadt?) nicht schlau wird und ihrerseits Zenzi, Max und die Gangster sucht. Und so dreht sich das Rad noch eine ganze Weile, bis sie Zenzi gegen Ende des 5. Teils dann doch erwischen und diese mit den Ermordeten konfrontieren, während die Unterweltler zu schwitzen beginnen, da sie nicht wissen, was Zenzi eventuell weiß und preisgibt - gähn!

Um wenigstens etwas Positives anzusprechen: die Kameraführung und die Produktionswerte sind in Ordnung, auch der Umstand, daß es bei einer Besetzung von 90% schwarzer und 10% weißer Darsteller an keiner Stelle zu Rassenkonflikten kommt (die Schurken sind beiderseits gleich verteilt) darf als gelungen bezeichnet werden - doch dies nützt alles nichts, wenn sich die Handung spätestens ab der dritten Episode in Wiederholungen erschöpft, sich die Serie ohne die geringste Überraschung immer nur gleichförmig-monoton dahinschleppt und somit schlichtweg Langeweile produziert.
Da mag sich das mehrköpfige Autoren- und Regisseursteam auf die Vorlage berufen, doch hätte es ihnen wohl niemand verboten, sofern vorhanden ein paar eigene, kreative Ideen zu verwerten. An den solide agierenden Darstellern, von denen jedoch keiner herausragt, liegt es jedenfalls nicht, daß Unseen so vorhersehbar geraten ist. Mit viel gutem Willen inklusive Exoten-Bonus sind das gerade noch 4 Punkte.

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