Review

Zwei zum Preis von einem

„Unseen“ erzählt die sich treffenden Geschichten zweier Frauen: die eine Arbeit niedergemacht in der Tankstelle, die andere wird im Wald von ihrem psychopathischen Ex-Freund verfolgt. Dass letztere Dame auch noch ihre Brille verliert und dadurch mieser sieht als ein Maulwurf, kommt ihr bei der Flucht eher negativ in den eh schon steinigen Weg. Gut, dass unsere Loserin hinter'm Tankstellentresen sich genau im richtigen Moment verwählt und ihr per Videochat den Weg weisen kann…

Wie macht man sich als neue Regisseurin einen Namen? Man startet mit Kurzfilmen. Oder man verbindet direkt zwei solide Kurzfilmideen zu einem Ganzen - und dann kann dabei im guten Fall sowas wie „Unseen“ dabei herumkommen. Mit zwei ungewöhnlichen, starken Leading Ladies, flottem Tempo, null Stillstand, comichaften Bildkompositionen, knalligen Farben, einer immer wieder brillant-hassenswerten Missi Pyle als versnobbt-aggressive Tankstellenkundin - fertig ist eine fixe Achterbahnfahrt in Richtung Emanzipation und Selbstfindung. Nie zu überdreht, dennoch ein Kind der 2020er und aktuellen Technologien. Nie nervig, nie aufgesetzt feministisch. Manchmal reicht das um knapp über eine Stunde richtig gut zu unterhalten. Spannend und zügig. In seinen Komponenten und einzelnen Rädchen alles andere als neu. Wie diese ineinander greifen aber extrem effektiv. Macht Freude. Okumura halte ich weiter im Auge. Alles gut.

Fazit: schöne, schnelle Nummer mit gleich zwei parallelen Geschichten und sehr ordentlichem Pacing, Cutting und Spannungsaufbau. Lohnt sich. Zwischensnacks kommen selten zackiger.

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