Review

"Das Experiment" hat zwar eine interessante Story mit viel Potential, doch allzu viel wurde daraus nicht gemacht. Woran es gehapert hat, werde ich weiter unten erklären.

4000 DM in zwei Wochen! Das ist locker verdientes Geld, denkt sich der Taxifahrer und ehemalige Journalist Tarek Fahd (Moritz Bleibtreu) und wittert eine heiße Story. Zusammen mit 19 Freiwilligen soll er an einem Experiment teilnehmen. Professor Thon (Edgar Selge) steckt die Gruppe in den Knast, um zu testen, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten. Die Regeln sind einfach: In einem Zellentrakt, der hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen ist, werden die Teilnehmer in zwei Teams aufgeteilt - Knastis und Wärter. Was zunächst als harmloses Rollenspiel beginnt, kippt im Lauf der Wochen gänzlich um. Demütigungen und Folter sind an der Tagesordnung. Das Experiment wird zum Kampf auf Leben und Tod...

Moritz Bleibtreu (Lola rennt) ist hier in einer passablen Rolle als sensationsgeiler Ex-Reporter zu sehen. Das macht er recht gut und man kann auch nicht meckern. Leider ist Bleibtreus Charakter noch einer der wenigen plausiblen Charaktere in dem Film. Christian Berkel (Lautlos) mimt den Soldaten Steinhoff, der Fahd bei der Flucht praktischerweise tatkräftig zur Seite steht. Völlig unlogisch ist allerdings die von Maren Eggert (Marseille) verkörperte Ficke Dora. Die brauchte man in dem Film doch wirklich nicht. Zufällig findet Fahds One-Night-Stand seinen Wohnungsschlüssel, macht es sich gleich auch noch in seiner Bude gemütlich und kommt (natürlich) dem Experiment auf die Spur, weshalb sie auch (natürlich) pünktlich zum Finale dort aufkreuzt. Schon allein deswegen kann man den Film nicht mehr völlig ernst nehmen, weil Doras Auftauchen dermaßen unlogisch und konstruiert wirkt. Als Wissenschaftler haben wir dann noch Edgar Selge (Suck My Dick) und Andrea Sawatzki (Harte Jungs). Und die verhalten sich auch nicht gerade realistisch. Denn denen fällt es nicht einmal auf, als die Wärter zum ersten Mal sadistische Züge annehmen, da nachts nur eine einzige Person arbeitet, die im entscheidenden Moment (natürlich) die Bänder wechseln musste. Und Edgar Selge darf dann auch noch gleich ein paar Sprüche aus der Klischeekiste klopfen: "Mag sein, daß die Testpersonen in ernster Gefahr sind, aber wenn wir das Experiment jetzt abbrechen, dann verspielen wir die Chance unseres Lebens! Vergleichbare Daten gibt es nicht. Wir müssen weiter machen, koste es was es wolle!" Is klar, du!

Regisseur Oliver Hirschbiegel (Der Untergang) sollte ursprünglich mit "Blade: Trinity" sein US-Debüt geben, musste aber absagen, weil ihm der Eichinger den Untergang angedreht hat. Mit "Das Experiment" hat er einen soliden Psycho-Thriller mit mehreren Logikfehlern abgeliefert. Ein paar dieser Fehler wurden bereits in der Darstellerbesprechung bezüglich Dora und den beknackten Wissenschaftlern angesprochen. Dann können die Wärter Fahd mal eben so in den Keller zerren und ihn dort misshandeln, weil es dort (natürlich) keine Kameras gibt. So wird es den dummen Wissenschaftlern nicht wirklich klar, dass den Wärtern auch unbewachte Räume zur Verfügung stehen. Das Finale wurde dann noch recht unspektakulär gestaltet: Der Elvis-Wärter ballert dem Professor mal kurz mit 'ner Gas-Wumme in die Visage und bekommt dafür kurz darauf einen mit dem Feuerlöscher übergebraten. Unser Quoten-Soldat Steinhoff macht ein paar leichte Martial Arts-Mätzchen und Dora taucht pünktlich auf, um ihren geliebten One-Night-Stand Fahd zu retten. Selbstverständlich hat auch sie eine Knarre dabei; und diesmal sogar eine echte Wumme! Zugegeben... der Film an sich wurde durchweg spannend inszeniert, doch rettet auch das kaum vor den Logikfehlern und einigen klischeehaften Charakteren.

Aus dem Film hätte was werden können, wann man ihn nur besser inszeniert hätte. Die Story besitzt dafür nämlich genug Potential. Doch unsere Medien haben großzügig über die erwähnten Fehler hinweggesehen, um mal wieder eine deutsche Produktion zu hypen. Aber was solls. Auch mit diesem Film kann man gut leben.

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