Mit diesem Teil wurde die nur vier Fälle umfassende kanadische Sherlock-Holmes-Reihe mit Matt Frewer endgültig zu Grabe getragen. Ich war schon von dem mäßigen „Ein Skandal in Böhmen" nicht sonderlich angetan, doch der Titel hier lässt ja erst mal das Herz derer höher schlagen, die insbesondere von den Mystery-Fällen des Meisterdetektivs fasziniert waren. Hier haben wir es zudem mit einer Geschichte ohne literarische Vorlage zu tun, auch nicht mit der Short-Story „Der Vampir von Sussex", wie man vielleicht glauben könnte. Und sagte ich eingangs zu Grabe tragen, dann kann man das auch getrost auf die filmische Umsetzung beziehen.
Dabei ist die Geschichte um merkwürdige Ritualmorde in einem Kloster, bei denen offenbar Vampire ihre tödlichen Spuren an den Hälsen der bedauernswerten Mönche hinterlassen, auf den ersten Blick durchaus vielversprechend. Gerade bei solchen Fällen, wo die Holmesche Konzentration auf die rationale Lösung eines Falls mit der überzeugten Ansicht seiner Mitmenschen vom Eingriff überirdischer Mächte kollidiert, ergeben sich zumeist interessante Reibungspunkte. Doch glaubt Ordensbruder Marstoke überhaupt an seine Theorie, wenn er höchstselbst Holmes um Hilfe bittet statt gen Himmel zu beten, dass dieser totbringende Spuk endlich aufhört? Aber das sei nur am Rande bemerkt.
Was am Anfang besonders unangenehm auffällt, ist die äußerst langatmige Ausbreitung der bisherigen Geschehnisse und die damit einhergehende Dialoglastigkeit. Durch den nur sparsamen Einsatz von Rückblenden driftet die Schilderung alsbald ins Zähe ab und die Geschichte um tollwütige Vampirfledermäuse und einer damit verbundenen alten Geschichte, die sich in einer in Südamerika gelegenen Mission zugetragen hat, vermag nur schwerlich zu fesseln. Die dabei erfolgte Vermischung mit religiösen Symbolismen wie das einer Überfledermaus in Menschengestalt names Desmodos wirkt dabei derart hanebüchen und bereits zu diesem Zeitpunkt lächerlich, dass man förmlich das Ende schon jetzt erahnen konnte. War eigentlich nur noch die Frage, wer von den Mönchen stakst durch die dunklen Gänge und mimt den Chef aller Vampire?
Auch die weiteren Ermittlungen des bekannten Duos sind seltsam eintönig ausgefallen. Die verschiedenen Locations sind fast allesamt im Kloster zu finden und zumeist auch in ein fahles Licht getaucht, doch wäre ein wenig Abwechslung hier ganz nett gewesen. Zuwenig wird an den Tatorten mal nach Spuren gesucht und zuviel dabei über Vampirmythen gestritten, und wenn Holmes in einer Krypta vor einer aufgescheuchten Fledermaus kurz zusammenzuckt, dann ist es kaum des Gruselns wert. Auch die Befragung der weiteren Ordensbrüder kann kaum zünden, zumal man sich kaum die Mühe machte, die immer gleich aussehenden Kuttenträger mit markanten Attributen auszustatten. So konnte man einerseits dieselben kaum auseinander halten (wenn man mal das Sammelsurium aus „Der Name der Rose" als Vergleich dagegenstellt, wird's noch ärmer), andererseits war's einem irgendwann wurscht, wer hier als Täter entlarvt wird, weil man mit der weiteren Geschichte kaum noch emotional verbunden blieb.
So ist es nur verständlich, wenn man mit dieser Verfilmung einen Schlusspunkt unter die Serie setzte, wenngleich ich die wirklichen Gründe natürlich nicht kenne. So bleibt dem „Vampir von Whitechapel" lediglich die zweifelhafte Ehre, der letzte Sargnagel im Deckel zu sein, den man auf diese uninspirierte TV-Serie stülpte. Wird langsam wieder mal Zeit, sich für die wichtigen Sachen im Leben zu interessieren. Wo verdammt steht eigentlich meine Basil-Rathbone-Box?