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Was wäre, wenn Nosferatu-Darsteller Max Schreck in Murnaus gleichnamigem Gruselklassiker ein echter Vampir gewesen wäre und kein Schauspieler? „Shadow Of The Vampire” beschäftigt sich mit dieser einfachen, wie interessanten fiktiven Frage. So schildert der Film die Dreharbeiten zu dieser Horrormär und was einem so passieren kann, wenn der Hauptdarsteller Blut trinkt.

Schreck wird eindrucksvoll dargestellt von Willem Dafoe, den man fast gar nicht erkennt. So ist es komisch anzusehen, dass er immer wie Nosferatu herumläuft, selbst wenn nicht gedreht wird. John Malkovich spielt den Nosferatu-Regisseur Murnau so, wie man sich einen großen Regisseur aus den zwanziger Jahren vorstellt: Sehr engagiert, beinahe manisch und immer dem Wahnsinn nah. In weiteren Rollen können Udo Kier und Cary Elwes überzeugen. Die Besetzung für solch einen kleinen Film ist also durchaus gelungen. An dieser liegt es nicht, dass der Funke nicht so recht überspringen will.

Vielmehr liegt es daran, dass „Shadow Of The Vampire“ viele Chancen auslässt. Er hat durchaus witziges Potenzial, nutzt es aber kaum. Zudem ist er auch manchmal unheimlich, doch für einen Grusler ist das einfach zu wenig. An dieser Indifferenz krankt der Film eindeutig. Eine Entscheidung für ein Genre, das dann stärker ausgelotet wird, hätte dem Film gut getan. So ist z.B. die Diskussion mit Schreck, welches Crew-Mitglied entbehrlich genug sei, damit er es trinken kann, überaus witzig, doch dies ist leider nur ein lichter Moment.

Das ist schade, denn neben der Besetzung kann auch die Optik des Films überzeugen. Die Sets sind überaus stimmungsvoll und hauchen dem Film eine düstere und romantisch verklärte Atmosphäre dieser Zeit ein. Die immer wieder eingebauten schwarz/weiß-Momente, die durch die Optik dieser alten Kamera festgehalten werden, verstärken diesen Effekt noch. Dabei besonders schön sind die Übergänge gelungen: So ist zunächst die Szene in Farbe zu sehen, doch sobald die Crew mit dem Dreh beginnt, verkleinert sich das Bild auf eine runde Optik. Zudem verschwinden die Farben daraus und das Material wird grobkörniger. Gerade in diesen Szenen vergißt man leicht, dass man Willem Defoe vor sich hat. Statt dessen wähnt man sich eine Stelle aus dem Original „Nosferatu“ zu sehen.

Fans des klassischen phantastischen Films sollten sich „Shadow Of The Vampire“ ansehen, denn man erfährt auch viel Wissenswertes über das Original. So z.B. die Tatsache, dass „Nosferatu“ eigentlich die Verfilmung des klassischen Bram Stoker-Romans „Dracula“ ist, für den Murnau sich aber nicht die Rechte sichern konnte. So wurden flugs die Namen und Orte verändert, wobei die Handlung fast identisch bliebt. Auf diese Art wurde „Nosferatu“ geboren. Dennoch hätte es „Shadow Of The Vampire“ gutgetan, wenn er sich stärker auf ein Genre fixiert hätte. Außerdem hat der Film trotz der kurzen Laufzeit die eine oder andere Länge, was schade ist, denn es zeigt nur, dass er bei der genialen Ausgangsfrage durchaus Potenzial nach oben gehabt hätte. Ein Regisseur wie Tim Burton hätte die beschriebenen skurrilen Momente wohl besser herausgearbeitet. Die Optik des Films wäre dem bekanntesten Goth-Regisseur wohl auch leicht von der Hand gegangen, aber dann hätte wohl Johnny Depp den Max Schreck gegeben...

Fazit:

6/10

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