„Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" von 1921 ist heute ein Klassiker des deutschen Expressionismus. Auch setzte er Maßstäbe für den Vampirfilm und wäre dennoch aufgrund offensichtlicher Parallelen zu Bram Stokers „Dracula" - der die Filmrechte für seinen Roman nicht hergeben wollte - beinahe vernichtet wurden. „Shadow of the Vampire" spürt nun der Tatsache nach, warum der Darsteller des Vampirs Graf Orlock, Max Schreck ebenso bizarr wie glaubwürdig bis heute als beste Verkörperung eines Vampirs gilt: Schlicht aus dem Grund, weil er - laut Film - selbst einer war.
„Shadow of the Vampire" zeichnet den Entstehungsprozess von „Nosferatu" nach. Der von Realismus besessene, perfektionistische Regisseur F.W. Murnau (John Malkovich, „In the Line of Fire") besetzt bei seinem Dreh an Originalschauplätzen mit Max Schreck (diabolisch: Willem Dafoe, „Platoon") einen echten Vampir und verspricht ihm als Gage das Blut der Hauptdarstellerin. Doch zusehends regen sich bei der restlichen Filmcrew, die nichts von der wahren Identität Max Schrecks wissen, Zweifel, ob dieser wirklich nur „Method Acting" betreibt...
Was Regisseur E. Elias Merhige hier präsentiert, ist eine liebevolle Hommage und Referenz gleichermaßen an den wohl bekanntesten Vampirfilm der Stummfilmzeit. Einige Szenen von „Nosferatu" werden nachgestellt und bis ins Detail kopiert. Wovon der Film indes lebt, sind die bitter-ironischen Seitenhiebe auf den Filmbetrieb, der selbst schon in der Stummfilmzeit stark vom Stab und den Finanziers abhängig war und die grandiose Performance vom wahrhaft schaurigen Willem Dafoe (für diese Rolle zu Recht für den Oscar nominiert), der eine köstliche Szene mit dem Drehbuchautor und Produzenten - dargestellt von Udo Kier („Blade") - am Lagerfeuer hat. Dabei wird nicht nur an dieser Stelle die Frage gestellt, wie viel Realismus, wie viel „Method Acting" notwendig ist und sein darf, um der Wahrheit am nächsten zu kommen. Doch auf der zweiten Ebene hinter dem vor Anspielungen und Referenzen strotzenden Drehbuch von Steven Katz bleibt der Film leider zu eindimensional. Die Charaktere bleiben flach und Merhige versteift sich bis hin zum überkonstruierten, absurden Finale, dass entfernt an jenes von „The Blair Witch Project" erinnert, zu sehr auf seinen primäres Anliegen: Mit der Kunstform Film von der Kunstform Film zu erzählen. Und das lässt Nicht-Cineasten letztendlich leider kalt.
Fazit: Ambitioniertes, aber etwas zu steifes und behäbiges Arthouse-Kino mit beeindruckender Ausstattung. „Shadow of the Vampire" gelingt es anspruchsvoll und originell, sich einem filmischen Phänomen zu nähern und es reich an Referenzen zu durchdringen, was besonders Cineasten ein breites Grinsen auf die Gesichter zaubern dürfte. Allen anderen Zuschauern, die jedoch nur auf Unterhaltung denn auf eine Fingerübung der Filmkunst aus sind, dürfte „Shadow of the Vampire" aufgrund seiner emotionalen Oberflächlichkeit so kalt lassen wie ein Opfer von Graf Orlock.