Für Bradley Coopers ehrgeiziges Porträt über den Komponisten, Musiker und Dirigenten Leonard Bernstein hat er sich gleich in ebenfalls mehrere Rollen gesteckt. Produzent, am Skript mitgeschrieben, die Regie und gleich auch noch die Hauptrolle übernommen. Und so deckt „Maestro“ knapp dreißig Jahre des Lebens seiner Hauptfigur ab, setzt für meinen Geschmack aber nicht immer die richtigen Schwerpunkte.
Das mag eine persönliche Präferenz sein, interessiert mich das musikalische Schaffen eben nicht gerade wenig. Coopers Ansatz ist derweil ein anderer, er legt den Fokus mehr auf die spannungsreiche Beziehung zwischen Bernstein und dessen Frau Felicia Montealegre. Als zentrales Duo bieten somit Cooper und Carey Mulligan eine gute (Cooper) bis sehr gute (Mulligan) Leistung, wobei Bernstein manchmal hinter Cooper zu verschwinden scheint. Und das sollte dich eigentlich andersherum sein. So ist es letztlich auch Mulligan, welche die stärkeren Szenen im Film hat, während draußen aufgeblasene Figuren am Fenster vorbeiziehen oder die Kamera auf ihr an der Seite der Bühne verweilt.
Irgendwo bei einem Interview in der Mitte des Films fällt die Bemerkung, wie faszinierend Bernstein ist. Dass sein Wirken Millionen erreicht hat. Und es ist klar, dass „Maestro“ dies transportieren will. Allerdings ist das zu diesem Zeitpunkt nicht so recht nachvollziehbar. Weil Cooper lieber darüber spricht. Anstatt es zu zeigen. Denn weder widmet er sich ausreichend intensiv dem musikalischen Schaffen Bernsteins, noch seinem Innenleben. Das bessert sich bis zum Ende hin, aber so wirklich tief schürft der Film dann nie.
Das mag an dem erwähnten anderen Ansatz liegen, den Cooper gewählt hat und die künstlerische Freiheit gibt ihm auch jedes Recht dazu. Gefallen muss dies mir aber nicht. Dazu gehört auch die fragmentierte Erzählweise. Es scheint nicht ein vordergründiges Interesse von „Maestro“ zu sein, die zeitliche Einordnung für das Publikum vorzunehmen, ob mancher Einspielung mag man sich die Zeitsprünge zusammenreimen. Daran ist der Film nicht arm, pflegt seinen episodenhaften Stil, der dazu lose die wenigsten Abschnitte abschließend behandelt. Muss man mögen.
Visuell ist das meist überzeugend, die Farb(oder auch nicht)wahl, das Format, die Blickwinkel. Auf dieser Ebene passt das und auch über die Musik, wenn sie mir bei der Thematik eben auch zu wenig präsent inszeniert wird, braucht man nicht streiten.
„Maestro“ ist ein ambitioniertes Projekt, das für mich oft nicht in die richtigen Punkte investiert. Vieles wird in Gesprächen angerissen, anstatt es zu zeigen. In gravierender Weise betrifft dies das Thema Musik, die man doch einfach hätte erlebbar machen können. Sei's drum, hier steht die Beziehung zwischen Lenny und Felicia im Mittelpunkt, an dieser arbeitet sich Cooper ab, weniger an dem Musiker Bernstein. Schade, denn die zwischenmenschlichen Reigen sind nun auch nicht derart zwingend geschrieben oder inszeniert, als dass sie als mitreißendes Herzstück taugen. Bleiben immerhin hier und da das Aufblitzen von Leidenschaft für die Musik, eine tolle Carey Mulligan und verdammt viel Qualm.