Die junge Cyberspezialistin Rose Larkin (Luciane Buchanan) ist gerade mit ihrer ersten eigenen Firma pleite gegangen, weswegen sie sich ein paar Tage Ruhe bei ihrem Onkel und ihrer Tante gönnt. Doch in der Nacht erwacht sie durch merkwürdige Geräusche im Haus, und als sie nachsieht, hört sie die beiden kryptische Sätze über "eine Gefahr im weißen Haus" sagen. Offenbar sind Einbrecher im Garten, und die Verwandten schreiben ihr hastig eine Nummer und ein Codewort auf einen Zettel, mit dem sie ein paar Häuser weiter Hilfe rufen soll. Rose rennt in der Dunkelheit los, kann in besagtem Haus auch die Nummer wählen, wird jedoch verfolgt und muß sich verstecken.
Am anderen Ende der Leitung gibt ihr der titelgebende Night Agent Peter Sutherland (Gabriel Basso) Ratschläge, wie sie sich am besten schützen kann, bis Verstärkung eintrifft. Das gelingt der verängstigt-verwirrten Rose auch, doch für ihre Tante und ihren Onkel kommt jede Hilfe zu spät: die Einbrecher, ein Killer-Pärchen, haben beide ermordet.
Sutherland, der nachts eine Art rotes Telefon für Notrufe von US-Agenten bedient, wird vorerst für den Schutz der jungen Rose abkommandiert, bis die Sache geklärt ist. Obgleich für das weiße Haus tätig, ist der zurückhaltende Endzwanziger dort nur eine kleine Nummer, als Sohn eines überführten Doppelagenten eher gnadenhalber von Stabschefin Diane Farr (Hong Chau) dafür eingeteilt, nachdem er ein Jahr zuvor einen Sprengstoffanschlag auf eine U-Bahn vereitelt hatte.
Rose, die sich nicht verstecken, sondern stattdessen die Mörder ihrer Verwandten verhaftet sehen will, hat noch deren kryptische Sätze im Kopf, deretwegen sie den vernehmenden FBI-Agenten mißtraut, ihnen das Gehörte nicht mitteilt und auch nicht erwähnt, daß sie einen der beiden Killer gesehen hat. Diese sind jedoch nicht untätig und nehmen Roses Spur wieder auf, was den Night Agent langsam aber sicher in eine Zwickmühle bringt: einerseits soll er Roses Leben schützen, andererseits sind manche Dienstanweisungen diesbezüglich kontraproduktiv. Überhaupt verhalten sich einige wichtige Leute im weißen Haus suspekt, oder sollte an der weit hergeholt scheinenden Verschwörungstheorie von Rose tatsächlich etwas dran sein?
Eine weitere Agentenserie aus dem Hause Netflix stellt die 10-teilige Serie The Night Agent dar, in deren Mittelpunkt ein um seine Reputation kämpfender FBI-Agent und eine unerschrockende Zivilistin stehen. Im Laufe der einzelnen, jeweils etwa 45 Minuten langen Episoden wachsen die beiden jungen Leute, die sich zunehmend sinnvoll zu ergänzen wissen, zu einem Duo heran, das sich gegen Intrigen, Killer-Kommandos und am Schluß die halbe Führungsetage des weißen Hauses behaupten muß.
Zwar ist der Plot um eine Verschwörung auf höchster Ebene keineswegs neu, weiß jedoch durch zahlreiche Wendungen und ein flottes Erzähltempo den anfänglichen Spannungsbogen bis zum Schluß hochzuhalten.
Dass man die zum binge-watchen einladende Serie problemlos bis zum fulminanten Ende verfolgen kann, liegt vor allem an deren Hauptdarstellern: sowohl Gabriel Basso wie auch Luciane Buchanan können die Sympathien schnell auf ihre Seite ziehen und verkörpern ihre Rollen als einerseits stets loyaler Mitarbeiter (der sichtlich mit Gewissensbissen kämpft, wenn er etwas heimlich tun soll bzw. muß) und andererseits angriffslustige Computer-Spezialistin (die keine Angst vor hohen Tieren hat) durchwegs authentisch. Zugute kommt den beiden, daß ihre Gegenspieler meist aus undurchsichtigen Geheimnisträgern (wie Sutherlands Chefin Farr) oder schmierigen Krawattenfuzzies (wie Vizepräsident Redfield) bestehen bzw. das grob überzeichnete, grottenunsympathische Killerpärchen (Eve Harlow und Phoenix Raei) vom ersten Moment ihres Auftretens an auf baldigstes Abtreten hoffen lassen - ein Wunsch, der (wie so oft) vorerst nicht in Erfüllung geht.
Die lange Zeit im Dunklen liegenden Hintergründe des intriganten Treibens im weißen Haus wirken im Nachhinein dann eher an den Haaren herbeigezogen, doch fallen diese (genauso wie einige überflüssige Subplots) anhand des rasanten Geschehens nicht weiter auf - The Night Agent, der einige Elemente aus Serien wie Bodyguard oder 24 bzw. dem 1975er Die drei Tage des Condor enthält, weiß trotz einiger Unglaubwürdigkeiten bezüglich Hierarchien, Befehlsstrukturen und Sicherheitsmaßnahmen dennoch über die volle Distanz gut zu unterhalten. Wenn der lädierte, aber wenigstens rehabilitierte Titelheld am Ende ein neues Jobangebot erhält, besteht damit sogar die Option auf eine 2. Staffel - die erste zumindest hat sich 8 Punkte verdient.