Was bei manchen Menschen fast beneidenswerterweise abprallt, löst bei anderen mindestens ein nervöses Zucken aus: Bestimmte Geräusche. Das muss nicht zwangsläufig der Klassiker der Fingernägel an der Kreidetafel sein, - ein brummender Kühlschrank oder die hohe Frequenz eines Elektrogerätes kann ebenso stören wie das offensichtliche Babygeschrei. Vom Letztgenannten hält der belgische Thriller relativ viel parat.
Influencer Matt zieht mit seiner Frau Liv und dem Neugeborenen Julius ins abgelegene Landhaus seines Vaters Pol, der inzwischen im Seniorenheim unweit des Hauses lebt. Als Matt sich über die verwaiste Chemiefabrik seines Vaters informiert, erfährt er von einem Unfall, der indirekt mit dem Tod seiner Mutter zu tun haben könnte. Matts Nachforschungen führen ihn in eine Obsession…
Im Grunde nimmt die Exposition bereits einiges vorweg, als sich eine Dame geradewegs zum Teich des Landhauses bewegt, während ihr ein Typ hinterher eilt. Matt wirkt von Beginn an ein wenig egozentrisch und scheint sich mehr um die Follower als um seinen Nachwuchs zu kümmern, was ihn im Gegensatz zu seiner warmherzig erscheinenden Frau unsympathisch erscheinen lässt. Im Zuge seiner Nachforschungen und damit einhergehenden, psychischen Unzulänglichkeiten wird er im Verlauf noch unsympathischer.
Leider kann sich Regiedebütant Steffen Geypens nicht klar für ein Genre entscheiden und schwankt ein wenig unentschlossen zwischen Mystery, Psychodrama und Ökothriller, was die uninspiriert wirkenden Jump Scares ohne Kontext erklärt. Viel mehr Unbehagen erzeugen indes die Versuche von Liv, bei einheimischen Ladenbesitzern Kontakt zu knüpfen, die jedoch allesamt mindestens reserviert reagieren. Auch die Visite besagter Fabrik, einem regelrechten Lost Place liefert Ansätze einer angemessen düsteren Stimmung, doch auch hier wird kaum etwas vertieft.
Vielmehr konzentriert sich der Stoff auf eine veränderte akustische Wahrnehmung, die durch eine soundtechnische Verfremdung zumindest einigermaßen zur Geltung kommt. Oftmals stehen Wassergeräusche im Fokus, das unausweichliche Babygeschrei ebenfalls und bei einem besonders erwähnenswerten Szenenübergang wechseln Schritte passgenau zum Rhythmus des Scores.
Doch solche Momente bleiben absolut rar gesät, denn das Unterfangen schleppt sich zäh durch Nachforschungen, die im Grunde unpointiert bleiben und mehr Fragen denn Antworten liefern: Was seinerzeit in der Chemiefabrik ablief und teils Einfluss aufs Dorf nahm, bleibt nebulös, gleiches gilt für den Verbleib einer Nebenfigur. Ein Tierkadaver, ein ausgestopfter Widderkopf und das zerfließende Auge eines Stofftieres bleiben gleichermaßen ungeklärte Bestandteile des Genremixes, bei dem vieles ganz offensichtlich nicht zu Ende gedacht wurde.
Entsprechend wirkt der wenig mitreißende Showdown arg konstruiert und birgt eine halbseidene Pointe und obgleich die Mimen glaubhaft unterwegs sind und die schnörkellose Inszenierung keine Mankos mit sich bringt, macht sich im Laufe der 90 Minuten mehr Langeweile denn Spannung breit.
3,5 von 10