Ein ruhig gelegenes Haus auf dem Land in Flandern ist das Domizil, das sich das junge Paar Liv (Sallie Harmsen) und Matthias (Ward Kerremans) ausgesucht haben, um hier mit ihrem neugeborenen Baby Julius zu leben. Dass das Anwesen gleichzeitig der Ort ist, an dem Mathias, von Beruf Influencer, aufwuchs, tut zunächst nichts zur Sache - allerdings ist da noch sein alter Vater Pol (Johan Leysen), der in einer Seniorenresidenz ganz in der Nähe lebt und entgegen den Bestimmungen dort ab und zu Spaziergänge in Richtung seines früheren Lebensmittelpunkts unternimmt. Als ihn Matthias wieder zurückbegleitet, kommen sie an einer verlassenen Fabrik vorbei, von der Pol behauptet, daß diese noch einige ungeklärte Geheimnisse verbirgt.
Matthias, seinen abertausenden Followern verpflichtet, die ihm u.a. die Einrichtung des Kinderzimmers finanziert hatten, wird neugierig, was sein zeitweilig dementer Vater da wohl gemeint haben könnte und vertieft sich, nachdem er seiner Internet-Gemeinde darüber berichtet hatte, mittels Online-Recherche in die Geschichte der Chemiefabrik. Diese war seinerzeit von seinem Vater gegründet und geleitet worden, doch nachdem deren ungeklärte Abwässer das Grundwasser verpestet hatten und 5 Arbeiter bei einem Unfall zu Tode kamen, war Pol entlassen und die Fabrik geschlossen worden.
Matthias steigert sich immer mehr in seine Recherchen hinein und stellt, auch gegenüber seinen Followern im Internet, die Theorie auf, daß es bei dem Unglück in der Fabrik noch viel mehr Tote gegeben habe, dies vertuscht wurde und er nun bereit sei, dieses große Geheimnis zu lüften. Dabei bemerkt er nicht, wie sehr er sich in der kurzen Zeit verändert hat: er ist gereizt, angespannt und nervös, reagiert besonders auf bestimmte Geräusche und vernachlässigt sein Familienleben...
Lange Zeit weiß man nicht, worauf die als Mystery-Thriller vermarktete belgische Produktion Noise hinauswill, denn das Geheimnis der alten Fabrik, auf die sich der Film zu fokussieren scheint, will und will sich einfach nicht zeigen. Dafür verwandelt sich der stets mit dem Handy hantierende Matthias langsam aber sicher zum Stinkstiefel, schnauzt seine Frau an und interessiert sich für nichts anderes mehr als seine vermeintlich große Story. Die sich eher langsam dahinschleppende Story wird untermalt mit einer ganzen Reihe stark in den Vordergrund gemischter Geräusche (was wohl den Titel erklärt), von denen besonders das häufig eingesetzte Babygeschrei das Trommelfell des Zuschauers über Gebühr belastet. Optisch durchaus ansprechend abgefilmt ist es jedoch vor allem die Ereignislosigkeit, die spätestens ab Filmmitte in Langeweile umschlägt.
Größtes Manko neben dem zeitweilig nervtötendem Lärm sind fehlende Hintergrundinfos zu den Akteuren und diverse Logiklöcher, von denen das größte der Umstand ist, daß ein ca. 35-Jähriger erst durch eine Internet-Recherche erfährt, was sein Vater früher beruflich gemacht hat, obwohl er mit diesem im selben Haus gelebt hat - boing! Auch der Umstand, daß Matthias (zunächst) unbegreiflicherweise immer mehr zum unausstehlichen Nervenbündel mutiert, trägt nicht dazu bei, mit seiner Filmfigur mitzufiebern. Liv dagegen, seine empathische Ehefrau, versucht vergeblich, im Dorf Kontakte zu knüpfen, wird dabei aber unerklärlicherweise ignoriert bzw. abgewiesen. Wieso, bleibt bis zum Schluß unklar. Unklar bleibt übrigens auch, wie das Schicksal eines der wenigen anderen Akteure des Films verläuft, der zwischenzeitlich schwer verletzt wird. Aber darum und auch um einige andere Dinge kümmert sich Regisseur Steffen Geypens nicht mehr, das bedeutungsschwanger dargestellte Summen einer Tiefkühltruhe oder das Geräusch eines Mixers bleiben schlußendlich genauso belanglos wie ein vermutetes Geheimnis in der Fabrik und der Film endet letztlich als eine Art Familiendrama ohne wirklichen Höhepunkt.
Fazit: Die anfänglich geweckten Erwartungen an einen Thriller kann Noise keineswegs erfüllen, über lange Strecken herrscht mehr oder weniger gähnende Langeweile und die Auflösung kann keineswegs überzeugen - einzig die ordentlichen Produktionswerte, ab und zu allerdings durch ein paar sinnlose Jump Scares unterbrochen, verdienen eine positive Erwähnung: 3,51 Punkte.