Obgleich hin und wieder vom sprichwörtlichen Matratzensport die Rede ist und sich durchaus Parallelen zwischen Sex und Sport ziehen lassen, sind beide Komponenten im Film eher schwer kombinierbar. Dass es aufgrund dieser scheinbar widersprüchlichen Aspekte doch hin und wieder heißblütig zur Sache geht, ist in erster Linie der Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern zu verdanken.
Ramón (Leonardo Sbaraglia) ist als erfolgreicher Boxer in die Jahre gekommen und wollte seine Handschuhe bereits an den Nagel hängen. Als er im Gym ein wenig trainiert, fällt ihm die junge Boxerin Débora (Eva Di Dominici) auf und aus einem Seitensprung wird ein Verhältnis. Im Zuge dessen reift in dem Familienvater das Ziel, es auch im Ring noch einmal allen zu zeigen…
Mit seinen Endvierzigern ist Ramón einer jener so genannten Best Ager, - allerdings nicht als Boxer und als Liebhaber wohl nur bedingt, wie eine auffallend kurze Liebesszene mit seiner Ehefrau bebildert. Débora könnte vom Alter her beinahe seine Tochter sein, sie gibt sich ehrgeizig und selbstbewusst, ihr scheint jedoch ein kleiner psychischer Knacks innezuwohnen, was sich spätestens bei einer Szene im Restaurant offenbart.
Aufgrund sexueller Anziehungskraft (weswegen auch sonst) landen die beiden etwas übereilt in der Kiste, was eventuell einige Szenen Vorlauf mehr bedurft hätte. Ansonsten verhalten sich die Protagonisten durchaus glaubwürdig und das Körperliche beim teils durchaus harten Boxtraining geht zuweilen fließend in den sexuellen Akt über, egal ob die Lippe noch blutet.
Die Erotikszenen fallen nicht zu dominant aus, sie sind dezent gefilmt, jedoch nicht übermäßig prickelnd in Szene gesetzt, zumal die Lokalitäten die Atmosphäre nicht gerade unterstützen. Das Dönern verkommt zumindest nicht zum Störfaktor.
Dennoch treten dadurch die rein sportlichen Aspekte mitunter etwas zu sehr in den Hintergrund. Der Streifen steigt mit einem Ringkampf ein, der einige Takes in Nahausnahme zuviel bemüht, wogegen ein Fight im letzten Drittel solide choreographiert ist auch die Darsteller eine glaubhafte Physis mitbringen. Diverse Trainingseinheiten dazwischen bieten hingegen nichts, was den Spannungsfaktor erhöht.
Für einen reinen Sportfilm fehlt es an Herzblut, doch als Drama mit erotischen Anleihen geht der Streifen insgesamt in Ordnung. Als Fremdgeher und Egoist hat Ramón zwar keinen leichten Stand Sympathien zu gewinnen, doch mit seiner Figur als Parabel aufs Älterwerden lassen sich gewisse Entwicklungen durchaus nachvollziehen.
6 von 10