Maler weisen nicht selten exzentrische Züge auf, man denke da nur an Dali oder van Gogh.
Und auch der französische Künstler Delacroix hat anno 1852 folgende These aufgestellt: „Ein Maler hat nur dann Talent, wenn er im Stande ist, einen Menschen zu skizzieren, der aus dem dritten Stock fällt, bevor dieser auf dem Boden aufschlägt.“ Gibt ja auch viele Möglichkeiten, in so einer alltäglichen Situation mal eben seine Utensilien aufzustellen und den Stift oder Pinsel zu schwingen.
Deshalb macht es sich ein Maler (Ralf Bauer) ein wenig einfacher, denn dieser Behauptung will er nachgehen. Er nimmt sich ein Zimmer in einem dritten Stock und lädt unter einem Vorwand ein Model zu sich ein…
Der in Schwarzweiß gehaltene Kurzfilm von Autor und Regisseur Lancelot von Naso kommt ohne Umschweife auf den Punkt, etabliert die drei Hauptfiguren, den Maler, seine hübsche hilfsbereite Nachbarin und eine griesgrämige Alte mit nur wenigen Worten und legt mit dem makaberen Spiel los:„Nehmen sie doch auf der Fensterbank Platz, da ist das bessere Licht…“.
Gelungen ist bei alledem das recht zeitlose Ambiente, denn die Handlung könnte in nahezu jedem Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts spielen. Bauer benötigt nicht viele Mittel, um den ehrgeizigen Künstler mit Hang zu unorthodoxen Arbeitsweisen rasch auf den Punkt zu bringen, auch die übrigen Mimen performen mindestens solide.
Was dem „Fenstersturz“ gewissermaßen das Sahnehäubchen aufsetzt ist nicht etwa die vordergründige Pointe, sondern die allerletzte Einstellung, die auf wunderbar ironisch bissige Art auf den Ursprung des Unterfangens zurückgeht und tatsächlich ein kleines Kunstwerk hervorbringt.
Wer es kurz, knackig und makaber mag, sollte ruhig eine knappe Viertelstunde für eine Sichtung investieren, denn wenn ein Beitrag final ein schwarzhumoriges Schmunzeln auslöst, hat er bereits gewonnen.
7,5 von 10