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1944: Gegen Ende des zweiten Weltkrieges verhindert der Archäologie-Professor Henry "Indiana" Jones Jr. zusammen mit seinem Freund Basil Shaw, dass dem Nazi-Wissenschaftler Voller ein Teil einer einst von Archimedes konstruierten, antiken Maschine in die Hände fällt. 1969 steht Shaws Tochter Helena bei ihrem Paten-Onkel Indy auf der Matte, um das besagte Gerät in die Finger zu kriegen und es in einer illegalen Auktion in Marokko an den Meistbietenden zu verscherbeln. Doch auch Alt-Nazi Voller hat es auf "Das Rad des Schicksals" abgesehen, welches es einem offenbar ermöglicht, in der Zeit zurückzureisen und den Lauf der Geschichte zu ändern. Um zu verhindern, dass nachträglich am Ausgang des zweiten Weltkriegs manipuliert wird und die Nazis nicht doch als Sieger hervorgehen, muss Indiana Jones, der sich eigentlich just erst in den Ruhestand verabschiedet hatte, nochmal zu Hut und Peitsche greifen und sich auf ein letztes Abenteuer begeben... Mich deucht, dass der bislang nicht allzu wohlgelittene "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" in naher Zukunft einer Reevaluierung unterzogen und auf breiter Ebene neu bewertet werden könnte, denn wem Harrison Ford vor 15 Jahren als Action-Archäologe bereits zu alt gewesen ist und Spielbergs vierten Teil mitsamt Kühlschrank und Aliens als unpassend und überzogen empfunden haben mag (was bei mir übrigens nicht der Fall war, ich mochte den Streifen damals und mag ihn heute immer noch!), der dürfte angesichts von "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" erst recht mit den Ohren schlackern. Fairerweise muss man dabei anmerken, dass, obwohl der Hauptdarsteller die 80 mittlerweile überschritten hat, die Figur des Indiana Jones selbst laut Lore ja Jahrgang 1899 ist und damit im Spieljahr der Handlung 1969 gerade mal 70 Jahre alt wäre... das ist eventuell die eine Dekade, auf die es ankommt und die man auch glaubwürdig mit Doubeln, CGI-Replacements und anderen filmischen Kniffen rausholen kann. Das Highlight schlechthin ist in der Beziehung auch ganz klar der Prolog, in dem Harrison Ford einem De-Aging unterzogen wurde und nochmal den Mittvierziger geben darf... der tricktechnische Prozess mag da noch nicht 100%ig perfekt sein, aber akzeptabel ist er auf jeden Fall und tatsächlich zerstören da nur einige kurze Momente, in denen man Fords wahres Alter am Gang und seiner Körpersprache erkennt, die Illusion. Der Streifen beginnt also (wie schon "Das Königreich des Kristallschädels") ziemlich stark, präsentiert nach dem plötzlichen Zeitsprung von einem Viertel-Jahrhundert Indiana Jones aber kurioserweise als fast schon gebrochenen Charakter, der auf dem persönlichen Tiefstpunkt rumdümpelt... ein Artefakt, an dem der Zahn der Zeit in jeder Beziehung genagt hat. "It's not the years, honey. It's the mileage." Dankenswerterweise ergeht sich die anschließende Handlung aber nicht in einer Luke Skywalker-liken Demontage à la "Die letzet Jedi", auch wenn Indiana Jones nach dem Auftritt von Phoebe Waller-Bridge ab und an doch Gefahr läuft, in seinem eigenen Film zur Neben-Figur zu verkommen... stattdessen wird das Ganze halt zu 'nem 08/15-Abenteuer-Filmchen mit Action-Opa und sachtem Fantasy-Touch. Regisseur James Mangold bemüht sich redlich, in den Action-Einlagen Steven Spielbergs Inszenierungs-Stil zu emulieren, kriegt das allgemeine Pacing aber nicht ganz so gut auf die Reihe, weswegen "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" mit zweieinhalb Stunden Laufzeit auch längst nicht so fettfrei daherkommt wie die Vorgänger, obwohl er sich ebenso wie diese weitestgehend doch nur von Set-Piece zu Set-Piece hangelt. Die Stimmung und Atmosphäre der alten Filme können übrigens nicht nur aufgrund der allzeit deutlich zu erkennenden CGI-Politur, die kaum eine Szene mehr wirklich "real" wirken lässt (was gerade in Bezug auf Stunts und Action ja fast schon fatal ist), zu keinem Zeitpunkt reproduziert werden... auch von dem "Rad des Schicksals" an sich, hinter dem hier MacGuffin-mäßig alle her sind, geht - anders als eben bei der Bundeslade, den Sankara-Steinen, dem heiligen Gral und sogar 'nem Kristallschädel - halt einfach keinerlei mythologisches Flair aus, zumal sich das Ding zum Schluss ja noch nicht mal als Zeitmaschine entpuppt, sondern einem halt nur zeigt, WO sich so'n Raum-Zeit-Riss halt als nächstes auftut (hab' ich das richtig verstanden... die gibt's einfach? Echt jetzt?). Das, was der Film einem zum Schluss hin als Finale anbietet, ist dann auch nur eine absolute Katastrophe, nicht nur was die unbefriedigende Konzeption an sich anbelangt, sondern auch, weil das Ende deutlich den Eindruck macht, nach vielen negativen Test-Screenings mittels anbeorderten Nachdrehs kaputt-repariert worden zu sein. Nun ja. Es hätte aber auch beileibe schlimmer kommen können: Das im Vorfeld von den üblichen Quellen kolportierte woke Debakel ist "Indiana Jones und das Rad des Schicksals" nämlich zum Glück nicht geworden, auch wenn die Chemie zwischen Harrison Ford und Phoebe Waller-Bridge (die halt einfach 'ne bizarr-unsympathische Schauspielerin ist) als aufoktroyiertem weiblichen Sidekick die bislang schlechteste aller bisherigen Indiana Jones-Streifen ist. Der einzige, der hier wirklich (wieder mal) abliefert wie bestellt ist Mads Mikkelsen als Bösewicht der Chose, der seinem Standard-Villain Voller noch hier und da ein paar Nuancen und nette kleine Momente abringen kann, die sicherlich gänzlich auf seinem eigenen Mist gewachsen sind und nicht im Drehbuch standen... vieles funktioniert hier nicht ganz optimal, Mikkelsens Performance gehört aber nicht dazu. Schade, dass der Streifen ihn am Ende so in der Luft hängen lässt. Um abschließend ein faires Urteil zu bilden: War's toll? Nicht wirklich... für mich war's sogar mit Abstand der schwächste Indiana Jones-Film von allen. War's furchtbar? Nee, auch nicht wirklich. War's nötig? Garantiert nicht. War's dennoch schön, Indy noch ein allerletztes Mal auf der großen Leinwand zu sehen? Irgendwie schon. So was nennt man dann wohl "bittersüß".

5/10

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