Review

Abenteurer kennen keine Rente? - Sollten sie aber…

Egal wie sehr die meisten von uns die originale Trilogie noch immer verehren, gerne gucken und feiern - nahezu jeder, den ich kenne, hatte vor „Indy 5“ Angst. Warum? Weil sie es mit Teil vier Ende der 00er eben dermaßen verkackt hatten. Okay, mittlerweile finde ich ihn in seiner artifiziell-comichaften Art stellenweise zumindest in Ansätzen genießbar. Aber das war und ist eben nicht der Anspruch. Sollte er zumindest nicht sein. Erst recht nicht nun bei „Dial of Destiny“, bei dem man unbedingt aus vergangenen Fehlern hätte lernen müssen und unserem liebsten Archäologen zumindest einen versöhnlichen, finalen Gruß spendieren hätte können. Aber ihr merkt es schon an meinen Konjunktiven - diese Hoffnung ist für mich leider nicht aufgegangen. Unfassbar. „Dial of Destiny“ ist auf dem Niveau seines direkten Vorgängers - was mich ungläubig, verdutzt und wütend aus dem Kinosessel entließ. Man macht doch nicht zweimal einen solchen Fehler, eine solch kreative Abschreibung, eine Verunglimpfung und Bloßstellung eines unserer größten Kinohelden? Doch, macht man leider. Selbst wenn man zumindest etwas andere Fehltritte begeht als „Königreich des Kristallschädels“. Aber Fails bleiben eben Fails - egal ob Shia mit Affen per Lianen schwingt oder hier im Finale in den schlimmsten Momenten Gedanken an „Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit“ aufkommen… In Teil 5 wird Indiana Jones ein letztes Mal in ein Abenteuer und eine Schatzsuche, den Kampf gegen Nazis und ein Wiedersehen mit alten Bekannten gezogen, auf der Suche nach einem Artefakt, dass einen durch die Zeit reisen lassen können soll…

Hut auf, Lack ab

Nicht falsch verstehen - auch „Indiana Jones und der Ruf des Schicksals“ hat seine Momente. Ich werde hier nicht hundert Zeilen nur rumjammern und haten. Als Phoebe Waller-Bridge-Fan kommt man auf seine Kosten - ihr Genie und ihre Chemie schimmern selbst durch eine recht toxisch bis unsympathisch angelegte Rolle. Außerdem bekommt man bei diesem Score im Kino eben Gänsehaut, da kann man nichts machen, selbst wenn er vielleicht inflationärerer denn je hier benutzt wird. Außerdem sind Bösewichte wie Mikkelsen oder Kretschmann immer eine Bereicherung. Es wird meist endlich mal kein Kauderwelchdeutsch der Nazis gesprochen. Und Ford bedeutet die Figur spürbar etwas und er befindet sich die meiste Zeit zum Glück nicht auf Autopilot. Aber das war es dann auch schon mit dem Schöngerede. Beim Rest klappt das beim besten Willen und trotz rosaroter Brille bei mir einfach nicht mehr. Die Möglichkeiten einen uralten, kaputten Helden zu zeichnen, werden kläglich vergeben. Kein „Logan“ mit Peitsche hier. Die CGI-Verjüngung reißt mich extrem aus einem ansonsten soliden Prolog. Das sieht immer noch nicht gut genug aus, tut mir leid Hollywood. Lasst es. Es gibt zu viele plumpe Andenken, Abklatsche und Anspielungen auf alte Zeiten, ohne halbwegs neuen, guten Stoff zu liefern. Von einem Wannabe-Shortround bis zu unnötigsten Wiedersehen, die dem Film absolut nichts geben. Selbst „Kristallschädel“ hat sich da mehr getraut als diese meist extrem lahme Chose. Ein Wiederkau in älter und grauer, faltiger und feiger. Den Film auf über 2,5 Stunden (!) zu strecken tut ihm so gut wie Leuten mit Sonnenallergie ein Tag im Freibad. Unglaublich langweilig und zäh wirkt alles. Passend zum Alter Indys vielleicht. Aber das ist kein Kompliment und kein Augenzwinkern. Das ist einfach nur öde und uninteressant. Und das muss man bei fucking Indiana Jones erstmal schaffen. Mangold schafft es nicht eine eigene Handschrift zu entwickeln, die letzten Minuten sind dermaßen dahingerotzt und gehetzt, gecheatet und sich herausgewurstelt, dass ich meinen Augen nicht trauen konnte. Und all das nach einem vierten Part, über dessen Peinlichkeiten und Unwürdigkeiten über die Jahre gefühlt ganze Bücher geschrieben wurden… Frech und faul. Nichts gelernt. Endlich Ende. Man kann getrost den Mantel des Schweigens über alles nach „The Last Crusade“ legen. Man verpasst nix. 

Fazit: für mich war ehrlich gesagt selbst „Kristallschädel“ auf seine bescheuerte Art unterhaltsamer. Und das ist dann doch ein Schock. „Indy 5“ ist eine große Enttäuschung, stellenweise eine Farce und ein zähes Abziehbild seiner DNA, in den schlimmsten Momenten als hätte eine künstliche Intelligenz wie ChatGPT geschrieben, inszeniert und zusammengeremixt. Schwer hinzunehmen - selbst wenn immerhin Waller-Bridge Schärfe, Frische und Augenzwinkern reinbringt.

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