Die Zeit hinterlässt tiefe Spuren...
Wollte man mit dem "Rad des Schicksals" wirklich einen Schlussstrich ziehen, oder plant man ein weiteres Abenteuer mit dem ziemlich angeknacksten und alternden Harrison Ford? Das bleibt hier die Frage. Inzwischen schon am fünften! Teil angelangt, wollte es der Senior nochmal wissen, griff sich Peitsche und Schlapphut und ab geht die Post; wirklich? Regie führte diesmal kein geringerer als James Mangold (Cop Land, Walk the Line) und löste somit unkonventionell Stammregisseur und Indy Erfinder Steven Spielberg ab. Das Ergebnis war eher ernüchternd und löste beim Publikum gemischte Reaktionen aus.
Das neue Abenteuer setzt wieder in Deutschland während des zweiten Weltkrieges an; Indiana Jones sitzt mal wieder im Schlamassel und will den Nazis die heilige Lanze von Longinus abklauen. Zusammen mit seinem Archälogenfreund Basil Shaw können sie glücklicherweise entkommen und stellen fest, das dieser Schatz eine Fälschung ist, geraten aber an einen richtigen Schatz des deutschen Physikers Jürgen Vollers, nämlich dem Mechanismus von Antikythera, erbaut von Archimedes, mit der man, sobald komplettiert, ein Portal öffnen kann und Zeitreisen begünstigt. Zusammen mit seiner Patentochter Helena Shaw suchen sie quer über den Kontinent nach dem zweiten Teil des Artefakts; im Nacken stets der alte Widersacher Jürgen Voller mit seinen Männern, die auch sehr grosses Interesse an dem Schatz beurkunden und ihre eigenen Ziele verfolgen.
Klingt nach typischen Indy Abenteuer, oder? Klingt leider nur so, ist es aber nicht. Einige stilprägende Elemente mit Wiedererkennungswert blieben erhalten; so die Reisekarte mit Routenlinie. Alte Bekannte durften auch kurz ins Bild huschen, um den wohl letzten Part attraktiver abzurunden. Nur das alleine reicht nicht aus, um an die alten Erfolge anzuknüpfen.
Die Vorgeschichte kann sich sehen lassen, auch wenn man den digital verjüngten Harrison Ford heraussieht. Actionreich,wie gewohnt, mit den hollywoodbekannten situationslösenden Zufällen, die im ganzen Film auffallen dürften. Es knallt, es rumst, Nostalgieerwachen! Doch damit hat es sich leider dann auch schon. In den Ende 60ern angekommen und mit der traurigen Realität des Alterns konfrontiert, funktioniert der uns bekannte Abenteuerheld nicht mehr richtig. Diesen Part übernimmt jetzt Phoebe Waller-Bridge als Helena Shaw, der weibliche Gegenpart unseres Jugendhelden, eiskalt kalkulierend, hochnäsig, zu selbstbewusst, die keinerlei Emotionen zeigt, will Ford den Rang abkaufen, stellt ihn in den Schatten, wirkt leider deplaziert und fehl am Platze, ebenso wie der diebische Junge Teddy, der nervt und ein unnützes wie funktionsloses Dasein fristet, somit keinen Vergleich zu einem Shorty darstellt, bzw diesen in keinster Weise ersetzen könnte. Beide Figuren tragen nicht gerade zu einem harmonischen Gesamtgefüge bei.
Die Story im allgemeinen ist in sich schwer bemüht, wirkt zu arg überkonstruiert, läuft nicht rund. Ein mangelndes Zeugnis von "Stets Bemüht Drehbuch", um irgendwas daraus zustande zu werkeln. Irgendwann müssen Filmreihen enden, spätestens, wenn die Ideen brach liegen, oder die Phantasie der Autoren durchbrennt, was bereits "Jurassic World: Ein neues Zeitalter" einen derben Nackenschlag mangels gutem Skript eingebracht hatte. Selbst die hilflos hingepfuschten Rätsel, locken keinen Abenteuerfan mehr hinterm Ofen vor. Der Plot flaut schnell ab, wirkt zu redselig,viel zu lang und zu ruhig, verbucht kaum maßgebende Höhepunkte,wie man es aus vergangenen Abenteuern gewohnt ist.
Da schwelgt der Seniorenindy lieber in seinen Abenteuern längst gezählter Tage, wird sentimental und nicht mehr draufgängerisch, erforscht nun lieber seine gefühlvolle Seite, klagt des Alterns wegen. Und so bleibt dieser Teil eine übrig gebliebene rudimentäre Erinnerung vergangener glorreicher Zeiten, die blass bleibt, wie der titelgebende Held, der nun Platz in der zweiten Reihe nehmen darf,da nun die weibliche Indyne das Ruder übernommen hat. Traurig mitanzusehen; da nutzen all die herbeigebastelten Kurzauftritte von John Rhys-Davies als Sallah aus früheren Teilen, nun auch grau und deplaziert, sowie Antonio Banderas als Renaldo nichts, wenn das Grundgerüst nicht funzt. Mads Mikkelsen als Indys Widersacher gibt zwar auch den ruhigeren Part ab, wirkt wie gewohnt, passabel. Selbst die Wortwitze waren schon besser.
Aber es gibt Lichtblicke,auch wenn sie selten erscheinen mögen: Die musikalische Untermalung mit dem Score von John Williams passt, wirkt angemessen und selbst die Effekte können sich sehen lassen.Ein kurzes Wiedersehen mit den knackigen Popcorn Krabbeltierchen gibt es auch wieder zu bestaunen. Und so schlendert der ermüdende Abenteuerstreifen mit den hanebüchenen Leitmotiven seinem makabren Finale entgegen. James Mangold lieferte schon besser ab, was wohl daran gelegen haben dürfte, das dies Abenteuergenre neues Terrain war, auf dem er sich begab.
Harrison Ford sollte nun wirklich seinen Hut nehmen, was er auch in der Endeinstellung tut (deutet dies auf ein weiteres Filmchen hin?) Wir hoffen nicht, es sollte sein letzter Kreuzzug sein, auf dem er sich begibt. Ganz netter Versuch eines Generationswechsels, der das "Rad" allerdings nicht neu erfindet, dafür seine Längen aufweist und mit der Zeit ringt.Dies beibt sein "Schicksal". Der längste Indiana Jones und allerdings auch der schlechteste.Zeit,den Hut an den Nagel zu hängen und sich an alte Zeiten zu laben.Touche!
Bewertung: 5,5 der alten Zeiten willen.
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