Der Mann mit der Peitsche und dem Schlapphut ist zurück - und auch wenn die Kritiken sehr gemischt ausfallen, waren wir uns in unserer Familie einig: Wir begrüßen die Rückkkehr Indiana Jones' auf unseren heimischen Bildschirm. Wenngleich der letzte Teil der Filmreihe vielleicht sich nicht mit den ersten drei Filmen messen kann, so ist er zumindest deutlich besser als der vierte Film und bildet insgesamt einen würdigen Abschluss dieser genreprägenden Filme.
Der Film beginnt in der "Vergangenheit", in den letzten Tagen des Dritten Reichs, als die Wehrmacht versucht, Kunstgegenstände dem Zugriff der Alliierten zu entziehen. Wie kann es anders sein, Indiana Jones ist mit von der Partie und kann hier zu Beginn des Films nicht nur die Lanze, mit der Jesus durchstoßen worden sein soll, als Fälschung entlarven, sondern stolpert eher zufällig über die so genannte Antikythera, eine Art mechanische Uhr, die vom altgriechischen Mathematiker Archimedes gebaut wurde und mit der man natürlich auftretende Raum-Zeit-Übergänge aufspüren soll. Es gibt in der Folge einen Sprung in die "Gegenwart" (1969) von Dr. Henry Jones Jr.. Hier erlebt der Zuschauer die Pensonierung von Dr. Jones und die Probleme, die er mit dem Altwerden hat. In Gestalt der Tochter seines ehemaligen Kollegen Basil Shaw, mit dem er damals die Antikythera gerettet hat, tritt seine Verganganheit auf den Plan. Helena Shaw möchte das Werk ihres Vaters vollenden und den fehlenden Teil des "Rads des Schicksals", nichts anderes ist die Uhr, finden. Für Indiana Jones, der unzufrieden mit seinem Leben ist, bietet sich dadurch die Gelegenheit gegebenenfalls das Schicksals, das ihm mit dem Tod seines Sohnes in den letzten Jahren arg zugesetzt hat, eventuell zu beeinflussen. Und noch ein anderer versucht mithilfe der Antikythera die Zeit zu beeinflussen, der mit den Nazis damals kollaborierende Wissenschaftler Jürgen Voller, begibt sich ebenfalls auf die Suche nach den fehlenden Teilen, um selber die Weltherrschaft zu erlangen. Eine wilde Jagd rund um den Globus beginnt...
Der Film ist an vielen Stellen so rasant und actionbetont wie seine Vorgänger. Er beinhaltet aber auch eine Vielzahl von erzählenden Momenten, in denen das Tempo verlangsamt wird und die Hintergründe, die Vorgeschichte der Ereignisse näher geschildert werden. Dies betrifft vor allem den "Lebensunmut" des gealterten Dr. Jones. Vielleicht haben diese Passagen viele der negativ eingestellten Kritiker beeinflusst. Wir fanden diese Momente passend und dem Gang der Handlung entsprechend angemessen. Trotzdem erschien auch uns der Film am Ende vielleicht doch etwas zu lang (2 1/2 Stunden) - es hätte ihm sicherlich nicht geschadet, wenn er unter Umständen eine halbe Stunde kürzer gewesen wäre. Da hätte man wahrscheinlich auf die ein oder andere Actionsequenz verzichten müssen, das Ergebnis wäre aber straffer und am Ende noch packender gewesen.
Das Schauspielensemble ist glänzend aufgelegt. Allen voran überzeugt Harrison Ford in seiner Paraderolle als gealterter Indiana Jones. Er darf in den Szenen, die in der Gegenwart spielen, denn auch sein wirkliches Alter darstellen und macht dieses auch mit einer gehörigen Prise Humor. Insbesondere das Minenspiel Fords kann dabei immer wieder begeistern. Mit zwei Akteuren aus den vorherigen Indiana-Jones-Filmen gibt es hier im letzten Teil ebenfalls ein Wiedersehen. Da ist zum einen John Rhys-Davies als Indys ägyptischer Freund Sallah und Karen Allen als Marion Ravenwood (Indys Flamme und Mutter seines Sohnes). Unterstützt werden sie durch Phoebe Waller-Bridge, die eine "toughe" Helena Shaw spielt und dem gealterten Jones immer wieder Paroli bietet. Nicht vergessen sollten wir den grandiosen Antagonisten Jürgen Voller, gut verkörpert und meist diabolisch gespielt von Mads Mikkelson. Die Identifikationsfigur für die jüngeren Zuschauer wird von Etzhann Isidore gespielt und das ohne die oft zu bemängelnden Defizite eines Kinderstars (man darf hoffen, dass er noch mehr Rollen bekommt). Antonio Banderas, um ihn nicht zu vergessen, bekommt einen kurzen, aber gar nicht so schlechten Auftritt im Film zugestanden. In der Rolle eines alten Freundes von Indy verkörpert er eine Figur, die man sich durchaus schon in den Vorgängerfilmen hätte vorstellen können.
Statt Steven Spielberg sitzt dieses Mal James Mangold auf dem Regiestuhl und er macht - trotz der großen Fußstapfen - seine Sache ganz gut, wenn man von der einen oder anderen Länge mal absieht. Er kann dabei aber auch auf ein weitgehend gelungenes Drehbuch von Jez Butterworth, John-Henry Butterworth und David Koepp zurückgreifen, das eine Vielzahl von Verweisen und Reminesenzen auf die ersten vier Filme enthält. Es lohnt sich also im Vorfeld die vier ersten Teile noch einmal zu schauen, um die Fülle von Anspielungen zu entdecken und zu genießen. Die Tricktechnik ist an vielen Stellen atemberaubend (vor allem die "Verjüngung Harrison Fords zu Beginn des Films). Hier empfiehlt es sich das Making Of zu schauen, wo viele der Tricks erklärt werden.
Uns hat der Film viel Spaß gemacht. Es ist in gewisser Weise schade, dass es keine weiteren Filme mehr geben wird, aber vielleicht ist dies auch besser so, kennt man doch eine Vielzahl von Filmreihen, wo sich die Idee am Ende "totläuft" (prominentestes Beispiel sind sicherlich die Star-Wars-Filme).