Review

Saban Films mittlerweile mit als Vorreiter in Sachen kleinpreisigen, nicht zu geizigem Actiongenre; Auswertung entweder im Limited Release doch im Kino (wenn man den ganzen Abspann mitnimmt, kommt am Ende verblüffenderweise das Paramount Logo), zumeist und vermehrt aber natürlich im digitalen Bereich, abrufbar im Onlinedienst gegen ebenso digitales Geld. Hier als weiterer Vertreter der Produktionsfirma (im Verbund der auch allgegenwärtigen Finanziers von BondIt Media) eine im Grund todsichere Masche, wird doch das Die Hard - Szenario geboten, während einer Hochzeit, in einem Urlaubsressort. Als Darsteller sind mindestens drei, vier Namen anwesend, die für Aufmerksamkeit sorgen sollten, Lundgren natürlich (der zwischenzeitlich nicht richtig aus den Augen gucken kann), der in solchen Filmen etwas heruntergestuft wirkende Luke Wilson, welcher kürzlich auch den Gasoline Alley mit seiner Anwesenheit beehrt hat, die Whelan, wie Scout Taylor-Compton für etwas Dekolleté und Damsel in Distress, und für die Viel- und Allesseher auch (der übrigens erstgenannte) Brandon Fehr:

Als der reiche Geschäftsmann Chuck [ Heulsuse: Chris Mullinax ] in einem abgeschieden gelegenen, extra für die Heirat gebuchten Hotel seine Tochter Brooke [ Nicky Whelan ] zum Altar mit Cal [ Luke Wilson ] führen will, ahnt er noch nicht, dass der eigentlich schönste Tag im Leben zum blutigen Überfall wird. Eine schwer bewaffnete Gruppierung nimmt die Hochzeitsgäste entweder als Geiseln oder erschießt sie noch an Ort und Stelle, Braut und Bräutigam können zwar getrennt voneinander fliehen, sind aber schwer in Bedrängnis, außerdem ist die eigene Sicherheitstruppe und auch die Hotel-Security ausgeschaltet. Cals Cousin Bradley [ Brandon Fehr ], der als Trauzeuge fungieren sollte, und Brookes Schwester Hailey [ Scout Taylor-Compton ] befinden sich ebenfalls zusammen auf der Flucht, während ihr Kriegskumpan A.D. Anders [ Dolph Lundgren ] fleißig dem Alkohol frönt. Einzeln und zusammen stellt man sich den bald gar nicht mehr so mysteriösen Angreifern in den Weg.

Eine Geiselbefreiung in einem Heizungskeller in Mexiko eröffnet stilecht die Erzählung, man bekommt seine geliebten Lüftungsschächte schon zu sehen, den offensichtlich schmerzgeplagten Schweden als Hünen im Hintergrund, vorne rattern die Maschinengewehre. Es gibt weiterführend die Schießerei im Parkhaus, die Bewegungen sind langsam und steif, entsprechend macht das Einsatzteam auch Verluste, da spritzt etwas Blut. Eine Eröffnung nach Maß, das Niveau wird nicht höher, die Qualität nicht besser, das ist mittlerweile der Standard, so Hüfthöhe etwa. Der Casting Director hat seinen Job gemacht, der Location Scout auch, die beiden haben wahrscheinlich auch das Budget verprasst; der Regisseur bemüht sich eher, ein wenig so wie früher Albert Pyun: redlich, aber vergeblich.

Genannt wird übrigens Shane Dax Taylor als Mann für das Verantwortliche, das wundert etwas angesichts anderer beteiligter, sind bspw. Daniel Zirilli als Produzent und Ideengeber anwesend, und Corey Large (von 308 Entertainment) wird als Executive Producer erwähnt; dessen Kompagnon Edward Drake war aber möglicherweise mit der Detective Knight - Trilogie ausgelastet und mit den anderen Dutzend Werken vom scheidenden Willis. Taylor selber produziert auch mit, und schreibt am Drehbuch, welches nach dem Vorfall in Mexiko schnell ein Jahr voran und mit dem Zusatz von Zeit- und Ortssprung und einem ersten klärenden Dialog zwischen den Cousins zu der eigentlichen Prämisse, kausal aber zum Appetizer des Filmes, dem Massaker im Dunkeln in Mexiko springt.

Dabei sind die vorhandenen Darsteller hier schon eine Hilfe, wurde die Plotte vom Die Hard zuletzt des Öfteren benutzt und oftmals mit Ergebnissen (wie Black Site, Blackout, Money Plane, Assault on VA-33, Rogue Hostage oder The Gardener), die nun wirklich Niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlocken und selbst für Genügsame ein Gräuel sind. Zumindest Fehr und Wilson als Familienmitlgieder können auch etwas spielen und darstellen, Gestik und Mimik sparsam, die Dialoge trocken, jeder Satz mit Pausen, da raschelt das Papier. Die auserwählte Stätte für die Belagerungssituation (das 'Inn of the Mountain Gods Resort', bei Ruidoso, New Mexiko) ist auch angenehm gewählt, mit Aussicht auf das Grüne, mit Lage am See, der Ort ist offensichtlich (und absichtlich) leer, "The rest of the hotel guests are checking out, which means you and your wedding party will have the entire resort to yourselves for the remainder of the weekend."; da hat man kein Geld für Statisten über und/oder in der Corona-Pandemie, mit Sicherheitsabstand und vorgeschrieben begrenzter Personenzahl gedreht. Zuschauer mit Agoraphobie oder Sozialphobie freut das, anderen fällt diese Distanz und/oder Sparsamkeit sichtlich auf, stören tut dies im Grunde für die eigentliche Umsetzung aber nicht. (Dass diese Ferienanlage im Funkloch steckt, wird auch verbal geklärt, beste Voraussetzungen für ein isoliertes Gefecht.)

Da der Film auch seine anderthalb Stunden läuft, muss man die Zeit bis zur eigentlichen Bedrängnis etwas strecken, es wird viel über die Vergangenheit gesprochen ("Remember that time in Afghanistan?"), es wird schon früh am Tag gebechert und geschunkelt und geschaukelt ("taking the tour of bourbon country"), es wird ein wenig umhergewandert zwischen Casino und Restaurant und Spa und Bar, es wird etwas hinausgezögert, sich gegenseitig umarmt oder angestoßen oder auf die Schulter geklopft und die Verhältnisse von früher und heute und damals und jetzt geklärt. Nach einem Drittel Geplänkel kommt es dann zur großen Stunde, werden nicht nur die Ringe ausgetauscht, sondern auch (von einer Handvoll Männlein) in das Areal eingedrungen und erst die Küchencrew und dann später die anwesenden Gäste von den Schergen in Sturmkleidung als Zielscheibe benutzt. Wedding Crasher einmal anders als gedacht und geplant, es gibt ein C4-'Explosion', wie auch Mündungsfeuer etc. natürlich aus dem Rechner kommend, dann wird es brenzlig, dann muss der Trauzeuge ran.

Wahrhaftig spannend oder temporeich ist das folgende Herumgeschleiche und Versteckspielchen in den Eingeweiden des großangelegten Gebäudes (Wellnessbereich, Kühlraum, Hotelflure, Treppengänge usw.) nicht, es hat keinerlei eigenen Ideen oder sonstwie Besonderheiten, es ist stabil gefilmt, aber tatsächlichem Engagement oder Kreativität ist man fern. Der Antagonist ist blass und uninteressant, die Auseinandersetzungen sind überschaubar, das Eliteteam von einst ist eher auf passiver Flucht als in aktiver Gegenwehr und hat im (sparsamen) Nahkampf reichlich Mühe. Zudem möchte man die Bedrohten unbedingt am Leben erhalten, also gefangen nehmen statt töten, und man vermeidet tunlichst Schäden am Interieur. Und es wird zuweilen unfreiwillig lächerlich; kurz bevor es langweilig wird. Am besten macht man es wie der Vater der Braut: Man ist die halbe Zeit ordentlich betrunken, man fängt früh an damit und begießt auch den Rest.

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