War die erste Fortsetzung des, unter Genrefans beliebten, Kakerlakenhorrors „Mimic“ noch ein recht ansehbares Werk, weil es sich nicht zu ernst nahm, versinkt der nunmehr dritte Teil „Mimic: Sentinel“ endgültig im Sumpf überflüssiger Fortsetzungen und reitet, so hoffe ich jedenfalls, die Serie endgültig zu Tode.
Figuren aus den beiden vorangegangenen Filmen sind keine mehr vorhanden. Stattdessen dient Marvin (Karl Geary), einst Überlebender der Strikler-Epidemie, als Kernfigur. Hyperallergisch auf kleinste Mengen von Koffein oder Nikotin reagierend, fristet er ein elendes Dasein in seinem Zimmer und beschäftigt sich mit Fotographie und Beobachtung seiner Umgebung. In dem deutlich von „Das Fenster zum Hof“ abgekupferten Plot, der die erste Dreiviertelstunde fast ausschließlich in Marvins Zimmer spielt, kommt es (natürlich) schon bald zu den ersten mysteriösen Vorkommnissen: Nachbarn verschwinden und mysteriöse, nur schemenhaft erkennbare, Wesen bevölkern nachts die Straße.
„Mimic Sentinel“ ist fast schon mehr dramatisches, auf sehr wenige Locations beschränktes, Kammerspiel als Horrorfilm und beschäftigt sich in aller Ausführlichkeit mit Marvins tristem Leben. Seinem Hang zur Fotographie und seiner heimlichen Liebe. Drei, blutige, aber detaillose Morde der Judas-Züchtung ist auch schon alles, was man in der ersten Hälfte geboten bekommt. Ansonsten darf seine Schwester nebst Freundin, ebenfalls frei nach „Das Fenster zum Hof“ in fremden Wohnungen herumschnüffeln und Marvin ein paar unheimliche Beobachtungen machen, während nebenbei die kaputte Familienkonstellation (Vater ist tot, Mutter Amanda Plummer („Pulp Fiction“) poppt den nächst besten Polizisten) analysiert wird und Marvins Entdeckungen (natürlich) niemand Glauben schenkt.
Insbesondere, wenn Kenntnis der vorherigen Teile nicht vorhanden ist, wird es schwer den Plot um die eigenartigen Wesen zu folgen, denn viel wird über sie und ihren Ursprung nicht vermittelt. Überhaupt hat „Sentinel“ nicht mehr viel mit den beiden Vorgängern gemeinsam. Die düstere Atmosphäre, die weitestgehendes Gruseln zuließ, ist nicht mehr vorhanden und bierernst nimmt Regisseurnoob J.T. Petty seine Angelegenheit noch dazu. Gerade zu steril, einfach, zahm und actionlos kommt sein Machwerk daher, ohne das auch nur eine Szene als gelungen zu betrachten ist.
Da die Charaktere so lieblos hingerotzt worden sind, darf Petty immerhin wahllos jede Figur, die wohl in anderen Produktionen gerade so davon gekommen wäre, besonders im Finale munter abschlachten und aufspießen, dass die Bugs aus „Starship Troopers“ ihre wahre Freude hätten.
Wer bei diesem inspirationslose Aufguss auf Lance Henriksen, der neben Amanda Plummer immerhin schon der zweite prominente Schauspieler ist, hofft, dem sei gesagt, dass er nur wenig Screentime inne hat und das seine Rolle, die immerhin etwas Licht ins Dunkel bringt, auch jeder andere Statist übernehmen hätte können, so wichtigtuerisch schwingt er seine Pumpgun.
Vor der totalen Katastrophe retten den Film dann nur noch die letzten zehn Minuten, in denen die Killerkakerlaken dem asthmagepeinigten Antihelden zu Leibe rücken, der dabei (natürlich) über sich selbst hinauswächst und der Brut zumindest dieses Mal den Garaus macht. Die CGI-Effekte fallen, für eine Videoproduktion, überraschend gut aus und die gebotene Action ist durchaus ansehbar, auch wenn sie, vergleichen mit dem Rest des Films, sehr plötzlich und deplaziert ist. Dennoch: Wäre der Rest des Films genau so, könnte das Unterhaltungspotential wesentlich höher sein.
Fazit:
„Mimic: Sentinel“ ist eine der überflüssigen Fortsetzungen, die sich im unteren Mittelmaß des B-Movie-Dschungels einreiht und einfach nicht in Fahrt kommt. Die Darsteller bleiben schwach und Lance Henriksen ist verschenkt. Der Plot ist langweilig, spannungslos und vermag trotz der vielen „Das Fenster zum Hof“ Komponenten keine Akzente zu setzen. So bleibt ein fades Drama, mit Horrorelementen, das, abgesehen von der Schlussviertelstunde keine sehenswerten Szenen zu bieten hat und nur dank des plötzlichen, actiongeladenen Endes nicht in einer totalen Katastrophe endet. Nur was für beinharte Genrefans und Komplettisten!