Es scheint ein angemessen zweideutiger Titel für das Spielfilmdebüt der Co-Autorin und Regisseurin Berkley Brady. Da ist zum einen die Natur, Flora und Fauna, zum anderen die Natur des Menschen. In beiden Fällen gibt es düstere Ecken, ja sogar Abgründe und entsprechend folgt die Geschichte zwei Kernthemen.
Vor sechs Monaten gelang Joy endlich der Ausbruch aus dem Teufelskreis der häuslichen Gewalt. Doch seitdem ist sie traumatisiert und schließt sich eher widerwillig ihrer Freundin Carmen und zwei weiteren Frauen an, eine heilende Wanderung durch die kanadischen Rocky Mountains unter Anleitung einer Therapeutin zu unternehmen. Schon nach kurzer Zeit wähnt sich Joy beobachtet und verfolgt und auch die anderen fühlen sich zunehmend unwohl…
Die erste Phase erinnert entfernt ein wenig an „Picknick am Valentinstag“. Es liegt ein latentes Unbehagen in der Luft. Hin und wieder, fast schon zu häufig wird eine Beobachtungsperspektive aus dem Dickicht eingebunden, welches mit kaum menschlichen Tönen einhergeht. Nicht zuletzt der bedrohlich anmutende Score sorgt dafür, dass die eigentlich malerische Szenerie etwas Beunruhigendes ausstrahlt.
Mal abgesehen von der Exposition mit dem schlimmen Freund von Joy stehen hier vier Frauen im Vordergrund, die alle ein gewisses Päckchen mit sich herumtragen, was bei einigen fast schon Tendenzen in Richtung Paranoia aufweist. Oder zumindest Verfolgungswahn, sofern nicht doch jemand oder etwas im sprichwörtlichen Busch sein sollte. Zwar gehen die Figurenzeichnungen nicht allzu sehr in die Tiefe, doch sie erlauben ein gewisses Maß an Empathie, was sich für den finalen Akt als durchaus vorteilhaft erweist.
Denn in dieser tritt letztlich noch ein Antagonist zutage und der Verlauf gerät recht konventionell, einschließlich irrationaler Verhaltensweisen. Das dazugehörige Blutvergießen hält sich hinsichtlich der FSK16 in Grenzen, wobei sich der Verzicht auf CGI positiv auswirkt.
Leider mangelt es der Bedrohung an Originalität, einem markanten Alleinstellungsmerkmal, wodurch sich das letzte Drittel, trotz einiger Spannungsmomente eher austauschbar gestaltet.
Während über weite Teile die bedrückende Atmosphäre punktet und die Darstellerinnen weitgehend solide Leistungen liefern, kann sich das Debüt auf handwerklicher Ebene sehen lassen und auch das Timing stimmt meistens. Für ungeduldige Betrachter dürften sich die ersten 50 Minuten etwas zu sehr hinziehen, wonach es deutlich temporeicher, doch gleichermaßen überraschungsfrei zugeht. So bleibt unterm Strich ein okayer Survival-Horror, der das Mystische leider nicht konsequent bis zum Schluss beibehalten kann.
6 von 10