Review
von Leimbacher-Mario
Fantasyfiesta Mexicana
Mit „Chupa“ liefert der Sohn eines legendären mexikanischen Regisseurs seinen Erstling auf dem alles entscheidenden Stuhl ab - was kann die Netflixproduktion über die legendäre mittelamerikanische Sagenfigur? Nur ein Abklatsch von Hollywoods alten Ideen oder besser, authentischer und emotionaler als momentaner Familienfantasystoff aus der Traumfabrik? In jedem Fall wird die Geschichte eines kleinen Jungen in den 90ern erzählt, der einen Sommer bei seinem (leicht dementen!) Opa in Mexiko verbringt - und dabei die Wurzeln seiner Familie, einiges über die Kultur dort und einen ganz besonderen neuen Freund kennenlernt…
Alfonso Cuarons Sohn Jonàs liefert mit seinem Debüt für den Stresminggiganten meiner Meinung nach einen waschechten, internationalen Kinder-/Familienhit ab, der es vor 30 Jahren ohne Zweifel noch ins Kino geschafft hätte. Und dort auch Wellen hätte schlagen können. Der Chupa sieht zwar deutlich computeranimiert aus, dafür aber hochwertig und super süß. Die mexikanische Kultur wird ungeniert und stolz zur Schau getragen, vom Wrestling bis zum Essen. Die Kinderdarsteller sind nicht eine Minute nervig, was eine echte Kunst bei sowas ist. Sicher, ein Spielberg in Topform hätte das damals (und heute womöglich auch noch) vielleicht sogar insgesamt mit noch mehr Kinomagie versehen. Aber dem „kleinen“ Cuaron fehlen weder Vorbilder noch Können, das wird hier schnell klar. Die Laufzeit wird nicht überreizt, das Fabelwesen schließt man schnell ins Herz, die Mischung aus Kinderunterhaltung und Monstermovie ist gelungen. Es gibt Herz, Drama und ganz besondere Haustiere. Slater als „Jäger“ ist brauchbar, macht zumindest nichts falsch. Sticht aber jetzt auch nicht allzu sehr heraus. Die 90er-Vibes sind zumindest weniger ausgelutscht als die 80er. Vom Haarschnitt des Hauptdarstellers über das Turtles-T-Shirt bis zum Gameboy - bei Epoche und Coming-of-Age-Gefühl kommt ein dicker Haken dran, das kann ich aus erster Hand und eigener Erfahrung bestätigen. Nur dass Videospiele als reine, verzichtbare Realitätsflucht dargestellt werden, kann ich natürlich wenig gutheißen.
Fazit: wie eine Mischung aus „E.T.“, „Pete's Dragon“ und einem mexikanischen Mythos. Ein ganz toller Kinderfilm, der sich vielleicht etwas zu sehr an Gewohntem und Bewährtem orientiert. Safe Bet. Dennoch: könnte eine schöne Kindheitserinnerung von mir sein, sollte irgendwann eine schöne Kindheitserinnerung von vielen jetzt 8-Jährigen sein. Chupa ist Zucker! Und die mexikanische Kultur wurde selten süßer gefeiert.