Review

Es gibt so Filme, auf die würde ich gerne ein Lobeshymen anstimmen oder so ähnlich: der heikel betitelte "Babystrich im Sperrbezirk" ist einer dieser Fälle, der mir letztes Jahr in einem Retro - Doppelfeature eines öfters von mir genannten Düsseldorfer Kinos begegnete. Zusammen mit einem eher trocken - nüchternen UFO - Dokumentarfilm auf Von Däniken - Basis verramscht ist Otto Retzers Pseudodokumentation ein Fest für jene, die einen journalistischen Überwurf brauchen, um sich einen Sexfilm anzusehen und Leute, die mit dicken Wollhandschuhen unter der Bettdecke masturbieren. Und offen und ehrliche Lustmolche wie mich, die es lieben, über so viel geballtes sexuelles Unvermögen  vor der Kamera abzugeiern.

Und ja, gegeiert habe ich: Binnen Sekunden musste ich mich der traurigen Wahrheit stellen, dass männlicher Nackttanz dank herumschlackernder Dödel eher lustig als erotisch wirkt, wurde Zeuge arger Verständigungsprobleme zwischen einer bayrischen Nutte und einem Berliner Freier, bezeugte grandiosen Schaumsex im Massagebad und hörte Romy Haag und Domenica Niehoff aus dem Nähkästchen plaudern, dem mit der roten Samtfüllung und dem lustig wackelnden Spielzeug drin. Und das Ganze dann noch moderiert von Retzer himself: ich fühle mich immer noch geehrt, auch wenn ich den Mann nicht kenne. Aber diese stocknüchterne Art, mit der der Mann dieses Panoptikum feuchfröhlicher Lüsternheiten präsentiert ist Gold wert.

Und das oben genannte war nur der harmlose Teil: ein Ehepaar, dass gemeinsam eine Peepshow samt Bordell betreibt (sowohl im Management als auch als SexarbeiterInnen) darf sich mit Ärgerlichkeiten wie Kundinnen, die beide Weltkriege erlebt haben, rumärgern, gelangweilte Manager werden im Saunaclub beim Fernsehen beblowjobt und schließlich spendiert uns der Film eine formvollendete Klischeeparade nach Manier der "Lass jucken, Kumpel!" - Filme, von denen eine Szene lang schamlos geklaut wird, ein vor Bildgewalt und Mumpitz strotzendes Rip off in Miniatur: ein Haufen deprimiert dreinschauender Bergarbeiter schlurft bis zum Scheintod ermüdet in ein Bordell, wo der Rädelsführer der Steiger explizit nach einer Französin verlangt, eine Dame, die alle Fragen mit "Oui!" beantwortet. Bei der Frage, was Schnee auf französisch heiße und der unbedacht im Ruhrslang dargegebenen Antwort der Dame ("Keine Ahnung, im WInter war isch noch net da.") erkennt der Freier die vermeidliche Französin als Putzkraft aus Sterkrade, schlägt Alarm und verlässt mit den angepissten Kumpels fluchtartig den Lustbetrieb: eine köstlich doofe Szene!

Wie man sich denken kann bewegt sich der Film dabei ausschließlich im Softcorebereich, um auch ja an der normalen Kinokasse das Publikum anziehen zu dürfen. Das Gezeigte ist dreckig genug abgefilmt, um eine leichte Schamesröte zu rechtfertigen und der Hohlraum zwischen den gezeigten Paarungen wird mit einer ordentlichen Portion Flaps aufgefüllt, wie es sich für Softsexer damaliger Zeiten gehört. Selbst Onkel Gustav von den grauen Panthern wird nicht vom Drehbuch verschont und verzweifelt schon beim Bestaunen der Schaubilder vor dem Stripschuppen am nackten Überangebot.

Ich kann an der Stelle weder behaupten, einen besonders cleveren Film gesehen zu haben noch, schlecht unterhalten worden zu sein. Hollah die Waldfee ihre Schwester hätte die reinste Freude an dem Film, der mittlerweile nur noch auf DVD und VHS sein Dasein fristet. Bei all den Pornoseiten im Netz und der Popularität der Streamingdienste kann sich doch mal irgendeine Produktionsfirma erbarmen, ein Netflix des Softcore aufzuziehen, in dem Filme wie der, "Melody in Love" und andere vom Verschollensein bedrohte Sanftsexler einem ironischen Hipsterpubikum für'n schmalen Taler im Abo verkauft werden. Um das zu bewirken würde ich persönlich ja glatt beide Hände aus der Hose nehmen und mit der entsprechenden Petition sämtliche Studiotüren abklappern und wäre mit meinem Ansinnen erfahrungsgemäß nicht mal der Einzige. Um in diesem Sinne mal Lilo Wanders zu zitieren: Öffnet die Herzen und herzt die Öffnungen!

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