Wenn Filmemacher mit erzieherischem Anspruch auftreten, dann führt das - je nach gerade herrschendem Zeitgeist - mitunter zu recht skurrilen Ergebnissen. Ein halbes Jahrhundert später erschließen sich dem Zuschauer Im Vergleich manchmal sogar verblüffende Erkenntnisse über den eigenen, aktuellen Zeitgeist.
Dass Kiffen schon nach wenigen Tagen unrettbar süchtig mache und ein brutales Entzugssyndrom wie nach jahrelangem Heroinkonsum verursache, würden wir heute als "Fake-News" bezeichnen. 1965 gehörte dieser eigentlich auch damals schon offensichtliche Unsinn noch zum Kanon des "politisch Korrekten", den u. a. Regisseur Rudolf Zehetgruber mit "Mädchen hinter Gittern" verbreitete - wohl weniger aus eigener Überzeugung, sondern um seinem ziemlich unverhohlen auf "niedere Instinkte" spekulierenden Film mit einem moralisierenden Mäntelchen durch die FSK zu helfen.
In einem geschlossenen Internat für schwer erziehbare Mädchen sitzen ein rundes Dutzend ausnahmslos ausgesucht hübsche, junge Mädchen ein. Vorgestellt werden sie uns gleich zu Beginn des Films anhand ihrer zum Trocknen aufgehängten Reizwäsche und einer voyeuristischen Bade- und Duschszene. Nur Karin (Heidelinde Weis) ist da nicht dabei: ein besonders schwerer Fall in Einzelarrest, weshalb sie auch den neuen, jungen Anstaltspfarrer Johannes (Harald Leipnitz) nicht mit begrüßen kann, der sich mit der Gitarre in der Hand prompt gleich in die Herzen der unbotmäßigen, "leichten Mädchen" singt.
Pfarrer Johannes kümmert sich in der Folge intensiv um Karin; er entdeckt, dass sie "süchtig" nach Marihuana sei und hilft ihr heldenhaft und uneigennützig über den über alle Maßen brutalen, kalten Entzug hinweg - unter anderem, indem er ihr (als angeblich einzig wirksames Mittel gegen die Entzugsschmerzen) ausgerechnet Unmengen an Schnaps einflößt. Ähem...
In der Rückblende wird unterdessen aufgedröselt, wie Karin völlig unschuldig in ihre fatale Lage gebracht wurde: durch einen Erzbösewicht von Modefotografen (Harry Riebauer), der vorher schon Karins Mutter mithilfe des "Rauschgifts" zu zwielichtigen Aufnahmen verführte, sie damit dann erpresste und Karins Vater in den Selbstmord trieb. Bei dem vergeblichen Versuch, dem Fotografen die Fotos abzuluchsen, geriet Karin selber in dessen Fänge.
Wie sehr sich die Auffassungen von "Schuld" seit den 60er Jahren gewandelt haben, wird u. a. am Morgen nach der "ersten Nacht" zwischen Karin und dem Modefotografen deutlich; die verzweifelte Karin spricht sich selbst die Schuld zu, mit der Begründung: "Ich war betrunken". Für ihre im Suff begangenen Handlungen galten damals noch beide Geschlechter gleichermaßen selbst verantwortlich. Heute wäre der Mann in derselben Szene ein Vergewaltiger und die Frau das arme, unschuldige Opfer - selbst wenn beide dabei denselben Blutalkoholspiegel gehabt hätten...
Die anderen Mädchen sorgen derweil für ein Happy End, indem sie in einer nächtlichen Exkursion die Wohnung des Fotografen aufmischen und ihn selber der Polizei in die Hände treiben.
Eigentlich ist diese ganze Story übelster Trash, nur mühsam überdeckt von einem Mäntelchen aus zeitgenössischem Moralin der 60er Jahre. Um so erstaunlicher, dass die wirklich hervorragende, schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarsteller und eine schmissige Regie daraus doch noch einen richtig guten Film gemacht haben: spannend, amüsant und hoch erotisch von der ersten bis zur letzten Minute. Kein Bildungsereignis, auch keine moralische Ertüchtigung - aber allerbeste Unterhaltung, mit ein paar erhellenden Schlaglichtern auf Moralvorstellungen im Wandel der Zeiten.