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Staffel 1

Schon zum dritten Mal tauscht der koreanischstämmige Danny Cho (Steven Yeun) einige Gasgrills im Supermarkt um, doch diesmal hat er die Rechnung vergessen und muß mit den Geräten unverrichteter Dinge wieder abziehen. Mißmutig will er gerade ausparken, als ihm ein anderer Fahrer die Vorfahrt nimmt - er kann gerade noch bremsen. Ein Hupkonzert beider Fahrer endet damit, daß sein Gegner ihm den Mittelfinger zeigt, was Danny noch wütender macht - er nimmt die Verfolgung des weißen SUV auf. Dessen Besitzer jedoch fährt ihm zunächst davon, doch Danny gibt Gas und bei einer Kreuzung hat er den Gegner eingeholt: bei einem wilden Ausweichmanöver demolieren beide einen Garten, bevor sie sich wieder trennen - doch Danny hat sich das Kennzeichen notiert.
Es stellt sich schnell heraus, daß am Steuer des weißen SUV eine Frau saß: Amy Lau (Ali Wong), die einen kleinen Kunstgewerbeladen leitet und sich genauso im Recht glaubt wie Danny. Letzterer besucht sie daraufhin, gibt sich wahrheitsgetreu als Handwerker aus und - da Amy nicht weiß, wer in dem sie verfolgenden Pickup saß - erhält sogar Zutritt in ihr Haus. Dort pinkelt er ihr gut sichtbar das ganze Badezimmer voll, bevor er schnell wieder abhaut. Für Danny ist die Sache damit vorerst erledigt, doch damit unterschätzt er die temperamentvolle Amy: die nämlich findet den Webauftritt seines Kleinunternehmens heraus und schickt haufenweise gefälschte schlechte Bewertungen. Mehr noch, nachts bepinselt sie Dannys Auto mit großen Parolen: Ich bin ein Loser, Ich kann nicht fahren, etc.
Das kann Danny wiederum nicht auf sich sitzen lassen, und so beginnt ein Kleinkrieg, der immer größere Dimensionen annimmt...

Unter einem Beef stellt man sich gemeinhin eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Rappern vor, doch die Protagonisten dieses US-Comedy-Dramas sind keineswegs dicke goldene Halsketten tragende Musiker, sondern verhältnismäßig normale Leute, die man sich in seiner Nachbarschaft vorstellen kann: ein alleinstehender Handwerker, der chronisch knapp bei Kasse ist und tagtäglich mehr schlecht als recht um seinen Lebensunterhalt kämpfen muß sowie eine todunglückliche Kleinunternehmerin, die zwar reich geheiratet hat, aber mit ihren Lebensumständen keineswegs zufrieden ist. Diese beiden Personen offenbaren im Lauf der Serie ihren durchaus ambivalenten Charakter und geraten in die verrücktesten Situationen, während der zunächst als Nebensache begonnene Zwist immer mehr von ihrem Leben Besitz ergreift.

Während der ersten drei Episoden kann man dem buchstäblich aus dem Nichts entstandenen Streit noch einigermaßen gut folgen, wobei eine gewisse Spannung immer daraus resultiert, was sich die beiden Kontrahenten einfallen lassen, um den jeweils anderen noch zu übertreffen; danach jedoch flaut die Geschichte immer weiter ab, da das soziale Umfeld der beiden langsam aber sicher mitbekommt, daß da etwas im Busch ist - schließlich kursiert ein Video über die beiden randalierenden Autofahrer im Netz, während sie Blumenbeete niedermähen, doch deren Identität kann daraus (zum Glück für Danny und Amy)
nicht abgeleitet werden.

Leider bietet die Entourage der beiden zwar durchwegs aus dem Leben gegriffene, dafür jedoch kaum spannende Charaktäre: Danny hat einen kleinen Bruder Ende Zwanzig, Paul (Young Mazino), den er zeitlebens klein hält, um sein eigenes berufliches Versagen zu kaschieren, gleichzeitig träumt er von einem Haus, das er seinen Eltern bauen und schenken will, nachdem diese einige Jahre zuvor aus den USA ausgewiesen derzeit wieder in Korea wohnen. Sein frisch aus dem Knast entlassener Cousin ist ihm dabei jedoch keine große Hilfe und weil Danny tatsächlich ein Loser ist, geht auch kaum etwas weiter in dieser Richtung.
Amy dagegen hat sich ihren Traum erfüllt: die zielstrebige kleine Asiatin hat den Sohn eines steinreichen Japaners geheiratet, der ihr als Mustergatte zwar ein Wunschkind geschenkt hat, ansonsten jedoch herrscht Tristesse in ihrem Leben:  sie will ihren kleinen Laden, in dem sie vor allem ausgefallene Vasen verkauft, an eine reiche Investorin veräußern, um damit Zutritt zu höheren Gesellschaftsschichten zu erhalten. Ihr Eheleben ist so langweilig geworden, daß sie sich manchmal im Badezimmer einschließt und mit einer aus dem Safe im Haus geholten Pistole an sich selbst herumspielt.

Diese beiden doch so unterschiedlichen Charaktäre geraten, hauptsächlich durch eigenes Zutun, aber noch viel mehr durch dumme Zufälle immer weiter aneinander und erleben groteske Situationen, in denen sie meist anders reagieren als man dies erwarten würde. Dabei spürt man leider im Laufe der insgesamt 10 Folgen zu je etwa 35 Minuten, daß hier so ziemlich jedes Klischee ausgereizt wurde, um die ganze Geschichte aufzublasen - die Hälfte der Episoden oder noch besser ein zweistündiger Film hätte vollkommen ausgereicht. So aber quält man sich spätestens ab dem 4. Teil durch diverse Längen, und die vermeintlichen Gags zünden auch nicht immer. Dazu kommt, daß Amys Verhalten zwar meist für ein Schmunzeln gut ist, Danny jedoch durch und durch ein Versager ist, mit dem man immer weniger Sympathien haben kann. Ein ebenso spektakuläres wie unglaubwürdiges Finale beendet dann diese Serie, die sich am Ende vorbehält, eine weitere Staffel folgen zu lassen.
Fazit: nach vielversprechendem Beginn starkes Nachlassen und schlußendliches Versanden ohne finalen Höhepunkt. 5 Punkte.

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