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Horror-Anthologien bleiben besonders dann positiv in Erinnerung, wenn sie ein roter Faden durchzieht und die Rahmenhandlung bestenfalls mit einem Knalleffekt endet. Bei vorliegender Sammlung gibt es zwar eine Rahmenhandlung, doch die fünf Kurzfilme, die zwischen 2017 und 2020 entstanden, scheinen eher wahllos ausgewählt.

Die Rahmenhandlung besteht aus drei jungen Menschen, die in einem vermeintlichen Hexenhaus ein Ritual mit einem alten Buch vollziehen. Ähnlich wie beim Ouija-Brett liefern entsprechende Textpassagen Antworten auf gestellte Fragen, wobei man auf eben jene Geschichten stößt.

In „Stray“ geht es um einen Kriegsheimkehrer, der sein Heim genauso verwahrlost vorfindet wie seine Frau, welche offenbar im Bann einer Katze steht.
Man startet direkt mit nackten Tatsachen, da die Dame lediglich eine Armbrust trägt, welche sich immerhin zum Bedecken expliziter Stellen eignet. Die Story selbst ist arg durchschaubar, die wenigen Effekte gestalten sich eher mittelmäßig, doch die Pointe geht okay.

Stichwort Pointe: Unter einer ausbleibenden leidet der Beitrag „Little One“. Hier ist ein gestresstes Paar auf dem abendlichen Land unterwegs und stößt plötzlich auf einen halbnackten Jungen und kurz darauf auf einen bewaffneten Farmer.
Das Vorspiel an einer Tankstelle hätte man sich sparen können, wogegen die Begegnung kurzfristig Spannung aufkommen lässt. Nur folgt darauf eben gar nichts und es gibt auch keine Erklärungsansätze, was den Kurzfilm zur Enttäuschung macht.

Etwas grimmiger gestaltet sich der koreanische „Nose Nose Nose Eyes!“ in dem ein Kind das Geheimnis um den Verbleib seines Vaters entdeckt. Hier wird einige Male mit stichhaltigen Argumenten gespielt und obgleich die Auflösung eine reine Formsache darstellt, punktet die boshafte Grundstimmung.

Wie Spuk und Emotionalität in Einklang zu bringen sind, untermauert „Release“. Eine Ärztin kämpft um das Leben ihres im Koma liegenden Bruders, der dem Tode geweiht ist. Um sein Leben zu verlängern, muss sie im verwaisten Trakt des Hospitals ein Medikament beschaffen und wird mit paranormalen Begebenheiten konfrontiert.
Die Chose lebt vom „Lost Place“ - Charakter und simplen, jedoch effektiven Spukeinlagen und einer schlichten, als auch starken Aussage.

Der finale Kurzfilm „The Sermon“ handelt von einer kleinen Kirchengemeinde auf dem englischen Land, welche sich vom Priester zu Untaten hinreißen lässt. Doch ein Mitglied der Gemeinde weiß dem entgegen zu steuern.
Zwar ahnt man mit der ersten Einstellung, wie die Angelegenheit enden dürfte, doch die Pointe dürfte einigen bigotten Individuen die Magenwände zusammenziehen.

Obgleich die Rahmenhandlung final eine effektive Kreatur aus dem Ärmel zaubert, wirken einige Handlungselemente eher lieblos dahin geklatscht und auch darstellerisch wird nur unzureichend geliefert. Unter den Kurzfilmen stechen besonders die beiden letzten positiv hervor, der Rest ist allenfalls Durchschnitt. Mittelmaß ist auch der Gesamteindruck der Horrorkurzfilmsammlung, die kaum Gewalteinlagen beinhaltet, mit nur 83 Minuten Laufzeit jedoch angenehm kurz bleibt.
5,5 von 10



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