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Paranormale Phänomene gehören zum Alltag des spanischen Paters Pilón (Emilio Gutiérrez Caba), und so ist der erfahrene Gottesmann auch nicht weiter verwundert, als ihm zugetragen wird, daß es in einem Antiquitätenladen angeblich spuken soll: seltsame Geräusche, sich selbst ein- und ausschaltendes Licht und dergleichen erschrecken die Besitzer, die sich nun hilfesuchend an Pilón wenden.
Auf solche Fälle vorbereitet, trommelt dieser ein eingespieltes Team aus drei Damen zusammen, deren Séancen-Erfahrenheit schon so manchen Poltergeist vertrieben hat: Sagrario (Belén Rueda), Paz (Gracia Olayo) und Gloria (Toni Acosta) bilden ein als Hepta Group bekanntes Trio. Zum angegebenen Termin erscheint dann jedoch nur Sagrario, was den Pater veranlasst, alleine den verwünschten Ort aufzusuchen - keine gute Entscheidung, denn das Zusammentreffen mit den dort anwesenden Geistern befördert ihn geradewegs ins Koma.
Durch diesen Vorfall aufgeschreckt, beschließen die drei Ghostbuster-Damen nun, vor Ort selbst nach dem Rechten zu sehen. Begleitet von Pablo, einem jungen Parapsychologen, der Geistererscheinungen ebenso wissbegierig wie kritisch gegenübersteht und mit einer Kamera ausgerüstet ist, veranstaltet das Trio zusammen mit den Antiquaren nun eine Séance - und die hat es in sich: herumfliegende Dolche, herabsausende Fensterläden, Zugluft, ein wackelnder Kerzenleuchter und diverse andere Begleiterscheinungen bringen die Anwesenden in ernste Schwierigkeiten...

Mal wieder "basierend auf einer wahren Begebenheit" (die spanische Hepta Group wurde tatsächlich 1998 gegründet) läßt Regisseur Carlos Therón in seiner Horror-Komödie Phänomena hier ein Trio aus reiferen Damen agieren, das den Geistern mit reichlich launischen Sprüchen zu Leibe rückt und sich dabei auch selbst nicht immer ganz ernst nimmt. Immerhin sorgen zwischen den sarkastischen Dialogen auch einige ordentlich choreographierte Spukerscheinungen für Aufsehen, und als es drauf ankommt, steht jede der Ghostbusterinnen mit vollem Einsatz für die jeweils anderen ein.

Sonderlich spannend oder gruselig ist der Stoff demzufolge dann auch nicht geraten, obwohl das Ambiente, eine Wohnung bzw. ein Kellerraum, meist in geheimnisvolles Dunkel getaucht und nur ab und zu durch grelle Lichterscheinungen oder die Taschenlampen der Protagonistinnen erhellt, durchaus passend gewählt wurde. Geister in Kutten mit verzerrten Stimmen, Sturzfluten bläulichen Wassers in feuchten Räumen oder auch ein puppensammelnder Teenager in Knochenkutte mit einer besessenen Mutter sind einige der Versatzstücke, die man in beliebiger Zusammensetzung auch aus anderen Horrorstreifen kennt.

Dem eigentlichen Plot muß man daher gar nicht unbedingt folgen (er ist auch nicht sonderlich logisch aufgebaut), sofern man nur den Dialogen des sich zunächst gegeneinander abgrenzenden, später umsomehr aufeinander angewiesenen und zusammenarbeitenden Trios zu lauschen vermag und zwischendurch einige visuelle Effekte registriert.

Wer sich von dem - durchaus vorhandenen - Charme dreier Damen Mitte Fünfzig, die entfernt an die Sitcom Golden Girls erinnern, vereinnahmen lassen will, wird an dieser  deutlich mehr der Komödie als dem Horror-Genre zuzurechnenden Ghostbuster-Story (die mittels eines kurzen "Ausblicks" auf eine mögliche Fortsetzung hinweist) Gefallen finden, wer nach Gänsehaut-Feeling oder gar Schock-Momenten sucht, sollte besser die Finger von Phänomena lassen. 5 Punkte.

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