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Insgeheim könnte der spanische Regisseur Carlos Therón Mit „Phänomena“ den Einstieg zu einer Serie geplant haben, denn der Stoff ist auffallend auf die drei Hauptfiguren zugeschnitten, während der Fall eher zur austauschbaren Nummernrevue des Paranormalen verkommt.

1999 im Großraum Madrid: Seit Jahren setzt sich das Trio Sagrario, Gloria und Paz mit übersinnlichen Fällen auseinander. Eigentlich mit Unterstützung eines Priesters, der jedoch aufgrund eines riskanten Alleingangs im Hospital landete. Ergo sucht das Trio den Schauplatz jenes Ereignisses in Form eines Antiquariats in einem Wohnkomplex auf und erlebt dabei mehr als nur eine böse Überraschung…

Vogelige alte Leute sind in Komödien immer wieder ein probates Mittel, um Situationskomik und Slapstick zu erzeugen. Die drei Damen jenseits der 50 rauchen im Kollektiv dermaßen, dass die Nebelmaschine überflüssig wird. Immerhin wird jeder ein wenig Hintergrund spendiert und nach einer Weile erscheint das Trio weitgehend sympathisch, einschließlich eines Running Gags mit verlegter Glaskugel des Mediums.

Der eigentliche Fall bleibt hingegen austauschbar, zumal er nie konkret wird und lediglich bekannte Muster paranormaler Ereignisse unterbringt. Stattdessen werden Unterthemen wie Missbrauch, Vergangenheitsbewältigung, Hexenjagd und Loyalität eingebaut, denen es jedoch jeweils an Tiefe mangelt. Das Set des Antiquariats ist hingegen hübsch altmodisch gestaltet, mit robusten Möbeln, allerlei Gimmicks und einem Hang zu hässlichen Puppen.
Zudem regnet und donnert es permanent, was im weiteren Verlauf zu merklichen Wasserschäden am Tatort führt.

Das erste Drittel ist mit einigem Humor angereichert, der zwar überwiegend harmlos, aber zuweilen charmant altbacken anmutet. Auch hier ist viel auf die Figuren zugeschnitten, während Sidekicks nach einer Weile verschwinden, um die Konzentration für den finalen Akt erneut auf die drei zu richten. Die dazugehörigen Spezialeffekte fallen nicht allzu spektakulär aus und auch kleine Rückblenden erhellen kaum. Manipulative Dämonen mit sehr tiefen Stimmen überraschen da genauso wenig wie fliegende Ouija Bretter.

Schauspielerisch ist alles im grünen Bereich und die Musik als auch die Sounduntermalung sind sauber abgestimmt, während handwerklich ebenfalls kaum etwas zu beanstanden ist. Zwar punktet zuweilen die Atmosphäre und die wenigen Kulissen sind liebevoll ausgearbeitet, doch in Sachen Spannung kommt letztlich nicht viel herum. Trotz eines sympathischen Damentrios mangelt es an kreativen Ideen, um sich deutlicher über die breite Masse hinwegzusetzen, womit die Basis einer zukünftigen Serie eher fraglich ausfällt.
5,5 von 10

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