Der schwächste Film, den Guillermo Del Toro nie gemacht hat?
Nachdem ihr Anführer, Lehrer und Mentor verschwindet, sind drei in die Jahre gekommene Geisterexpertinnen bei einem besonders düsteren Fall auf sich alleine gestellt… Ein spanischer Spuk mit Reife, Stil und Anlaufschwierigkeiten? Keine total müde Geistergeschichte. Aber irgendwie auch nicht ganz frisch, frech, flott und frei genug um ein Spaß im gelb-grünen Farbfilter zu sein. Selbst wenn es toll und lobenswert ist, dass Spanien auch seine älteren Schauspielladies Bühnen und Chancen gibt.
„Golden Girls“ trifft „Innkeepers“?
„Phänomena“ sieht hübsch aus, die Damen sind charismatische Diven und wenn dann mal Geister auftauchen, dann hat der entspannte Grusler durchaus seine Momente. Doch diese sind rar gesät und die meiste Zeit nutzt er für zahmen Humor untereinander und Charakterisierungen ohne echte Tiefe, Gruppenchemie ohne echten Pfeffer und Vorausdeutungen ohne echtes Ziel. Das „basierend auf wahren Ereignissen bzw. einer echten Gruppe“ hätte man sich sparen können. Die Geschichte hat wenig Zug und kommt nur schwer in Gang, schert meiner Meinung nach auch immer wieder unnötig aus und bremst ab. Das wirkt ein wenig wie „The Conjuring“ in Frührente. Haare gefärbt, Geister erblickt, Zigaretten weggezogen, zu seinen Falten stehend. Alles andere als ein Desaster. Doch die eingeschlafenen Füße und müden Knochen merkt man schon. Die Handbremse wird nie ganz gelöst, weder in Sachen Grusel geschweige denn in Härte und Garstigkeit. Ein wenig Seniorenspuk für das spanische Pendant der Öffis ist das schon. Von den Sets zu den Schocks - hier ist sehr viel zwar hochwertig, aber noch eher austauschbar und schnell vergessen. Da gucke ich lieber nochmal den ähnlich betitelten Argento. Der verhält sich zu „Phänomena“ wie Jennifer Connelly zu diesen drei Mit-Fünfzigerinnen…
Fazit: Ü50-Geisterjägerinnen mit Spleens, Charme und gut geföhnten Dauerwellen… „Phänomena“ ist sicher kein spanisches Genrephänomen und ehrlich gesagt viel trockener und zäher als er meint zu sein. Trotz viel Regen vor Ort. Aber immerhin liebenswerter als der weibliche „Ghostbusters“ von 2016 - was jetzt aber keine allzu beeindruckende Hürde ist…