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Wenn gelernte Kameramänner plötzlich auf den Regiestuhl wechseln, artet dies nicht selten mit einer Demonstration ihrer vielfältigen Handwerkskunst aus. Ach der Mongole Baatar Batsukh, der hier erstmals Regie führte und das Drehbuch verfasste, tobt sich in einigen Momenten merklich aus und vergisst im ersten Drittel, seiner Geschichte eine interessante Rahmenhandlung zu verpassen.

Das entfremdete Paar Selenge und Erkhme will einige Zeit in einer abgelegenen Hütte im verschneiten Wald verbringen, damit sie sich vom psychischen Stress erholen kann. Rasch wird der neugierige Nachbar von Erkhme zurecht gewiesen, doch Selenge offenbart zusehends psychotische Züge…

Psycho-Thriller aus der Mongolei kommen dem geneigten Filmfan wahrlich nicht häufig vor die Röhre und vorliegender versucht es in einem eher kleineren Rahmen, welcher phasenweise an ein Kammerspiel erinnert. Zunächst verwirrt die Konstellation des Paares, denn aufgrund des auffälligen Altersunterschieds könnte er auch ihr Vater sein, zumal er sich anfangs auch so verhält, indem er sie zum Essen drängt und noch viel mehr zur weiteren Einnahme ihrer Pillen. Geredet wird indes nicht viel und ergo kann man mit der Situation im ersten Drittel nicht allzu viel anfangen.

Erst als kurzfristig zwei Freundinnen vorbeischauen, der ominöse Nachbar merkwürdige Verhaltensweisen an den Tag legt und Selenges Befindlichkeiten konkretisiert werden, nimmt die Angelegenheit insgesamt Gestalt an. So kommt es im weiteren Verlauf doch noch zu zwei überraschenden Wendungen und auch eine Axt wird (mehrheitlich im Off) geschwungen. Eine während der Exposition angedeutete Hatz findet ihre Fortsetzung und so kaschiert die zweite Hälfte doch noch etwas vom merkwürdigen Vorlauf.

Handwerklich sticht tatsächlich die weitgehend versierte Kamera ins Auge, allerdings nicht immer positiv. Ein nettes Gimmick ist die Perspektive wie von einer Handkamera am Stock nahe der handelnden Figur, wogegen das Pendeln beim Wechseln von Erzählenden bei Tisch eher nervig anmutet. Immerhin arbeitet der abwechslungsreiche Score mindestens zweckdienlich und auch die wenigen Mimen performen tauglich.

Mit einer Laufzeit von nur 76 Minuten vergeht insbesondere der finale Akt recht flott und etwaige Twists wissen durchaus zu überraschen, zumal die Pointe angemessen bitter rüberkommt. Die zähe und distanziert anmutende erste Hälfte könnte allerdings den einen oder anderen Betrachter abschrecken.
5 von 10

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