Review

Eine direkte Fortsetzung von Joe D’Amatos „Man-Eater – Der Menschenfresser“ würde natürlich wenig Sinn ergeben, denn einem mindestens 80jährigen Kannibalen lässt sich kaum genügend Vitalität attestieren, um munter und regelmäßig neue Opfer zu erhaschen. Entsprechend musste ein neuer Kannibale herhalten, von dem man nicht sicher sein kann, ob der nicht unter der Hand aus der Reihe „Wrong Turn“ entliehen wurde.

Sieben Studentinnen um Dozentin Nora begeben sich in einen Atombunker, um für 24 Stunden die Örtlichkeiten zu erkunden. Doch bereits kurz nach ihrer Ankunft verschwinden zwei spurlos…

Regisseur Dario Germani benötigt weniger als zwei Minuten, um einerseits volle Kanone loszusplattern und andererseits eine Reminiszenz zu liefern, durch die das Original erst seinen zweifelhaften Kultstatus errang. Einen kleinen Einblick in den Folterkeller erhält man ebenfalls und so ist zumindest in Ansätzen eine angemessen dreckige Atmosphäre etabliert.

Mit der Vorstellung der vermeintlichen Uni-Trusen geht es hingegen sogleich steil bergab, obgleich die Landschaft, durch die sie anfangs cruisen recht malerisch anmutet. Schließlich öffnet ein mehr als fragwürdiger Hausmeister die Eisentore, womit das Foltern und Verspeisen binnen kurzer Zeit starten kann, - mit Charakteren, die aufgrund ihrer lauen Personality wohl eher am unteren Teil der Speisekarte landen dürften. Denn allein, sich ohne Absicherung oder klar definierte Intention in einen Bunker einschließen zu lassen, gehört fraglos sanktioniert.

Immerhin schürt der Schauplatz einer solche Originalanlage einigermaßen Atmosphäre, der mit einem Bass voranwummernde Score gewinnt mit der Zeit und die Kamera arbeitet durchweg sauber, da dies Germanis Fachgebiet ist. Aber auch in Sachen Splatter lässt er sich nicht lumpen und arbeitet sich frei von CGI durch verschiedene Möglichkeiten, von menschlichen Körpern Frischfleisch zu entnehmen. Auge, Nase, Hals, Zunge und Gekröse vertilgt der Tunichtgut immer an Ort und Stelle, er hat aber auch Freude an Skalpierungen und dem Abziehen einzelner Hautpartien. Splatterfreunde kommen ordentlich auf ihre Kosten.

Die dürftige Geschichte dient dabei lediglich als Pausenfüller, da die Handlungsweisen überwiegend irrational ausfallen und selbst ein potenzielles Last-Woman-Standing von Tölpelhaftigkeit begleitet wird. Ein schwaches Timing kommt vor allem dem Finale in die Quere, wodurch selbiges trotz eines obligatorischen Twists kein Mitfiebern auslöst.
Eventuelle Fortsetzungen, die womöglich abermals vierzig Jahre benötigen, mögen uns in diesem Kontext erspart bleiben.

So dümpeln die gerade einmal 80 Minuten weitgehend spannungsfrei vor sich hin, die in Sachen Dramaturgie, Schauspiel und Tempo unterdurchschnittlich ausfallen. Die zahlreichen Gewalteinlagen kaschieren noch ein wenig, bilden jedoch kein ausreichendes Fundament, um die uninspirierte Story angemessen voran zu treiben.
4 von 10  

 

Details
Ähnliche Filme