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 "Was sie noch nie über Kannibalismus wissen wollten, aber nun gezwungen sind, zu erfahren" - offiziell bekannt als "Man-Eater - Der Menschenfresser kehrt zurück" ist nach Andreas Schnaas' Neuverfilmung von 99 das zweite Remake der Ballade um den kannibalistischen Schiffsbrüchigen Nikos Karamanlis und gleichzeitig auch nicht: der am Ende des Originals verstorbene Nikos kehrt mitnichten zurück und das Dargebotenen Scharmützel ist soweit von der See entfernt, wie es den Machern nur möglich war und insgesamt mit "Fallout meet Texas Chainsaw Massacre" wesentlich passender beschrieben, was die Motivation des namenlosen Killers angeht.

An der Stelle 1:0 für Schnaasi-Hasi in Sachen Werktreue, auch wenn der Film hier seinen jämmerlich Remakeversuch gnadenlos an die Wand spielt. Aber denn dein Gegner Andreas Schnaas ist, der wandelnde Witz des deutschen Horrorfilme, brauchst du dir halt auch ehrlicherweise nicht viel Mühe geben.Weder effektmäßig noch hinter der Kamera, geschweige denn beim Verfassen des Drehbuches, wobei ich betonen muss, dass das, was Dario Germani hier abliefert durchaus okay ist. Trifft halt nur nicht meinen Geschmack, der Gute.

Der Atombunker, der zu Filmbeginn einer Horde biestiger Studentinnen als Austragungsort lästiger Forschungsarbeiten dienen soll und dessen Hausmeister ein sinistrer Woody Allen-Doppelgänger ist, trifft ebenfalls niemandes Geschmacks außer dem des Untermieters, der in den Eingeweiden der Anlage seine Privatfleischerei betreibt. Die Story erklärt sich von selbst, oder?

Gedärmefressen? Check! Postnatale Abtreibung mitsamt Leichen Verwertung? Check! Motiv? Naja, bevor man seine Fleischerskills, die man irgendwann dem Nachwuchs vermitteln will flöten gehen muss man ja im Training bleiben. Und da liegt der Hase im Pfeffer: "Man Eater - Der Menschenfresser kehrt zurück" ist eine Anklage des traditionszerfressenen Horrorgenres, des konservativen italienischen Kulturbetriebes UND des Konzeptes der Tradition als solcher, ha! Glaubt mir keiner? Gut, ich auch nicht. Heißt aber nicht, dass einige Genreseitenhiebe hier nicht beabsichtigt sind, die die Damen vom Stapel lassen.

Wie gesagt, handwerklich ist das alles hier okay, aber ehrlicherweise nicht meine Tasse Tee, weil hier trotz Bunkersettings alles bis auf die Splattereffekte zu sauber aussieht, inklusive der Maske des Menschenfressers, der nun eher dem bleichen Opa aus "Blutgerichtt in Texas" als OG - Menschenfresser George Eastman ähnelt. Das hatte ich zu gerne gesehen und hatte mir als Verbeugung vor dem Original schon gereicht. Ein vertrautes Element, dass es von der gothisch anmutenden Vorratskammerinsel in die Industrial-Strahlenpunk-Szenerie rubergeschafft hat sozusagen. Naja, immerhin hat Germani mit seinen Mitstreitern den Van Sand'scheb Fehler eines Shot for Shot-Remakes vermieden. Aber wozu dann der Titel, wenn keinerlei Bezug besteht?

Der Film ist kurzweilig, technisch auf dem aktuellen Stand und traut sich neue Wege. Der Name führt nur leider die wenigen Fans, die der Ur-Anthropophagous dieser Tage noch hat, vollkommen in die Irre. Von daher bin ich mal gespannt, wie sich das direkte Sequel gestaltet, dass nunmehr auf de. Markt ist und wieder zu alten Drehorten zurückführt. Bis dahin ist dieser Film nicht vollkommen verkehrt, aber wohl eher als Fanfiction denn als ernsthaftes Reboot zu betrachten. 

Ich habe gehört, dass es diverse Effekttools gibt, mit denen sich auf auf modernen Fernsehern bequem 80er - mäßige Laufstreifen, Bildschnee und andere tolle Begleiterscheinungen ausgenudelter Bänder simulieren lassen. Wer sowas hat kann den Film vielleicht auf acht steigern, aber ohne sehe ich hier eher Viererpotenzial mit Tendenz zu Stern 5. Lobende Erwähnung mit Spoilerwarnung: der"Mama, ich hab' Hunger"-Gag am Ende. Genau meine miserable Art von Humor! 

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