I Want To Be Swede
Ein schwedischer Ufofilm mit Nostalgie, etwas Augenzwinkern und scheinbar sehr solidem Budget - „Ufo Sweden“ hat genug Charakter um kein reiner Retro-Cashgrab, sondern ein grundsympathischer Genremix zu sein, der sich vielleicht etwas zu viel Zeit lässt, insgesamt jedoch erfreulich klein und charmant daherkommt. Es geht um ein junges Mädchen, die auf der Suche nach ihrem für tot erklärten Vater unbekannten Flugobjekten hinterherjagt, um die Wahrheit über dessen Verschwinden herauszufinden…
USFO
Höhepunkte und visuelles Spektakel sind rar, zwei Stunden sind sehr lang, vieles wirkt etwas derivatig zu großen Hollywoodhits - und dennoch ist „Ufo Sweden“ seine Zeit doch irgendwie wert? Ja, ich würde das schon so behaupten. Denn er hat eine schwedische Coolness und Frische, die Gesichter sind allesamt ebenso unverbraucht, der Look ist auf internationalem Topniveau, der Score ist durchgehend retrotastisch und wer ein Faible für Ufosichtungen und nie vollends ernst gemeinte Verschwörungstheorien hat, kommt solide auf seine Kosten. Zudem wird erstaunlich viel Zeit für die Figuren und Charakterentwicklungen gelassen, sodass einem hier niemand egal ist. Das ist bei Produkten aus der Traumfabrik ja bei weitem nicht immer so. Da merkt man die skandinavischen Vibes und mehr Tiefe, Intimität, Details. Vor allem die junge Hauptdarstellerin macht einen klasse Job. Klar, wie gesagt, ein paar mehr Ufos, Aliens, Explosionen und Actionsequenzen hätte man sich versprochen. Böse Zungen könnten von zwei Stunden fast ausschließlich mit Füllmaterial reden. Aber die Protagonisten und Synthies, die Mysterien und hochgehaltene Spannung, das dann doch Gas gebende letzte Drittel und die skurrilen Sidekicks halten mich recht weit weg von einer schwachen Wertung. Mit sowas will und kann ich einfach nicht zu streng sein. Zwischen Gameboys, Polarlichtern und Windows 95. Das setzt einem automatisch eine nice rosarot getönte Brille auf und lässt einen die ein oder andere Länge überstehen.
Nerdig und nett
Fazit: höhepunktarmer, aber mögenswerter Schweden-Mix aus „Stranger Things“, „Interstellar“, „Twister“ und „Akte X“. Retro, sympathisch, nordisch. Vielleicht eher teeny. Einsteigergenrefutter. Nichts Besonderes, aber auch nichts Schlechtes. Vielleicht bleibt er ein wenig zu lang. Ansonsten nicht nur für Ufo-Freaks ein ungefährlicher Abendvertreib.