In einer unfertigen Wüstenstadt im Nevada der 50er, an der Einschlagstelle eines Meteoriten, treffen aufeinander:
1. Die Familien (u. a. Jason Schwartzman, Scarlet Johansson, Tom Hanks) der hochbegabten
1.1 „Space Cadets and Star Gazers“ (u. a. Sophia Lillis), die hier für ihre Erfindungen ausgezeichnet werden,
2. eine Handvoll Cowboys (u. a. Rupert Friend, Jarvis Cocker, Seu Jorge), die sich für Songeinlagen und Alienaufklärung als zuständig erweisen,
3. das Militär (u. a. Jeffrey Wright), das aufgrund einer überraschenden (und süß animierten) Alienlandung auf den Plan gerufen wird und alles unter Quarantäne stellt,
4. die Wissenschaftler/innen (u. a. Tilda Swinton), die den Himmel inkl. Aliens beobachten sowie
5. das Personal vor Ort (u. a. Steve Carell, Matt Dillon), das merkwürdige Autodefekte feststellt und die Versorgung der Bewohner dem gut sortierten Automatenangebot überlässt (Cocktails, Snacks, Real Estate).
Wer Wes Andersons Filme kennt und schätzt, weiß, worauf er sich einlässt und ASTEROID CITY ist ein wirklich besonders schönes Schmuckstück in Andersons filmischer Schatztruhe, insbesondere nach dem etwas zu artifiziellen THE FRENCH DISPATCH.
Inhaltlich bekommt der Fan eine Art „Best of Wes“, mit einer zaghaften Lovestory zwischen zwei Nerdkids (MOONLIGHT KINGDOM) und distanzierten familiären Beziehungen (THE ROYAL TENENBAUMS) und auch formal arbeitet Anderson wieder mit seinem beliebten „Box-in-Box“-Prinzip, das verschiedene Metaebenen öffnet.
Denn ASTEROID CITY ist nicht einfach ein Film, es ist die filmische Umsetzung eines Theaterstücks (Formatwechsel: 4:3 und s/w) eines bekannten Autors (Edward Norton) und Regisseurs (Adrien Brody), das im Stil des 50er-Jahre-Trends für das Fernsehen aufbereitet wird (Moderator: Bryan Cranston). Die damit einhergehenden Irritationen sind durchaus beabsichtigt, man muss als Zuschauer schon dranbleiben, die Dialoge sind schnell und trocken wie der Wüstensand, und beim Sprung zwischen den Ebenen scheinen selbst die Schauspieler manchmal nicht ganz mitzukommen. Doch die Mühe lohnt.
ASTEROID CITY ist ein Wunderwerk an Bildgestaltung, Timing und subtilem Humor, die Bildausschnitte und Kamerafahrten lassen jedem Cineasten das Herz höher schlagen, wie Anderson hier mit dem Vokabular des Kinos spielt, ist meisterhaft. Dazu ist der Film vollgestopft mit Genrezitaten, von alten SciFi-Filmen bis zu Chuck Jones’ Roadrunner-Cartoons, so dass man den gesamten Film über ein breites Grinsen im Gesicht hat und das Ganze nach dem Abspann am liebsten gleich nochmal sehen möchte.