Sie hat recht viel erreicht im Leben, die erfolgreiche Designerin Ella (Dianna Agron): prestigeträchtige Aufträge, keinerlei finanzielle Sorgen und ein gleichaltriger Ehemann mit einer gut dotierten Stelle als Chefarzt in einem Krankenhaus, der sie auf Händen trägt. Doch eines wurmt die 37-Jährige schon einige Zeit: sie hat einfach keine Lust auf Nachwuchs. Und dieser Widerwille wird umso stärker, je mehr ihr soziales Umfeld sie dazu drängt, doch nun endlich Schritte in diese Richtung zu unternehmen. Sie mag schon gar nicht mehr zuhören, wenn ihre besten Freundinnen ständig nur über Kinder quatschen, besonders wenn die nach einigen Umständen doch endlich schwangere Shauna ihren runden Bauch präsentiert - Ella fühlt sich einfach noch nicht bereit für die Mutterrolle.
Einem Tipp ihrer Frauenärztin folgend begibt sich die nach außen hin selbstbewußte Ella dann in eine spezielle Klinik, in welcher gerade eine aktuelle Studie läuft, in der Frauen wie ihr geholfen werden soll. Deren Leiterin Dr. Elizabeth Simmons (Melora Hardin) verspricht ihr beim Aufnahmegespräch, ihre metaphorische (und titelgebende) innere Uhr (Clock), die offenbar nicht richtig funktioniert, wieder zu reparieren. Basierend auf einem Rorschachtest wird die neue Patientin von der sehr dominant auftretenden Leiterin eingestuft und erhält während des 10-tägigen Klinik-Aufenthalts Tabletten, die sie später in wechselnder Dosierung weiter einnehmen muß. Doch der kurze Aufenthalt in der einsam gelegenen, sehr sterilen Klinik verändert Ella, die zunehmend unter Wahnvorstellungen leidet...
Was sich nach einem typischen Frauenfilm mit Frauenthemen anhört, entpuppt sich in weiterer Folge als raffinierter Psychothriller, der seine Gesellschaftskritik an der Frau als reiner Reproduktionsmaschine hinter einigen kunstvollen Bildsequenzen verbirgt, die zwischenzeitlich für etwas Verwirrung sorgen und erst ganz zum Schluß (buchstäblich mit der letzten Szene) für einen logischen Zusammenhang sorgen.
Während man lange Zeit darüber rätseln mag, wieso sich die mit beiden Beinen fest im Leben stehende Ella dem gesellschaftlichen Druck beugt und dem Klinik-Aufenthalt zuliebe, von dem sie niemandem erzählt, sogar einen lukrativen Auftrag absagt, obwohl sie zuvor ihre Meinung, zumindest jetzt noch keine Kinder haben zu wollen, nach allen Seiten vehement verteidigt, ist dieser - gegen die eigene Überzeugung - getroffene Entschluß Dreh- und Angelpunkt der ganzen Handlung. Denn das permanente, oberflächliche Geschwätz der Freundinnen, für die sie deren geplantes, künftiges Kinderzimmer gestalten soll, der ihr gegenüber stets verständnisvoll auftretende Frauenversteher, Traum-Schwiegersohn und Ideal-Ehemann Aidan, der ihre derzeitige Aversion gegen den Nachwuchs selbstverständlich akzeptiert, wie auch ihr jeden Besuch bei ihm mit einem unverhohlenen Kinderwunsch garnierender Vater Joseph, der dies mit seiner Herkunft als Holocaust-Überlebender begründet und nicht zuletzt die sehr resolut argumentierende Klinik-Leiterin Dr. Simmons bringen Ella dann doch soweit, ihre eigene, wohlbegründete Meinung hintanzustellen und sich gegen ihre eigene Überzeugung nur ihrem Umfeld zuliebe therapieren zu lassen. Eine Entscheidung, die weitreichende Folgen nach sich zieht.
Regisseurin Alexis Jacknow beweist dabei in ihrem Langfilmdebut ein feines Händchen für eine sehr pointierte Bildführung, indem sie mit Farbfiltern spielt, überdeutliche Symboliken verwendet und mit wohldosiertem Einsatz einiger weniger Horror-Elemente eine bisweilen gruselige Atmosphäre heraufbeschwört. Doch gerade der Einsatz Letzterer, der bedauerlicherweise nicht ohne Jump Scares auskommt, mag den einen oder anderen mit dem Etikett Horror angelockten Genrefreund dann restlos zu enttäuschen, handelt es sich bei den verwendeten Komponenten (neben diversen harmlosen Spinnen auch eine geheimnisvolle große dunkle Figur und - als drastischer Höhepunkt - ein aus dem Uterus heraushängender Fötus als metaphorisches Pendel der titelgebenden, tickenden Uhr) jedoch schlicht um visuelle Effekte zur Beschreibung der völlig durcheinder geratenen Psyche der Hauptdarstellerin, die ihre Rolle übrigens mit Bravour bewältigt.
Während der Film über weite Strecken ein eher gemächliches Tempo vorlegt, was der etwas unheimlichen Aura und damit dem Spannungsaufbau zugutekommt, erfolgt der finale Plot Twist mit seinen Thriller-Elementen dann deutlich zu schnell, um seine volle Wirkung entfalten zu können - die Symbolik der letzten Szene kann auch nur begreifen, wer dem Streifen sehr aufmerksam gefolgt ist, denn der entsprechende Hinweis wird nur ein einziges Mal - und dort auch nur beiläufig - erwähnt.
Dennoch ist Clock ein insgesamt gelungener Psychothriller geworden, dessen Zielrichtung und Aussage sich freilich lange Zeit hinter surrealen Bildern und Handlungen versteckt, die ein wenig(er) geduldiges Publikum vorzeitig aufgeben lassen könnten. Für die vielen leisen, aber umso eindringlicheren Töne (wie beispielsweise die Sitzanordnung in der Klinik und die Ausgestaltung der Räume) von mir 7 Punkte.