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Nach ihrer Militärkarriere, bei der sie mit einigen dubiosen Waffenschiebern und Menschenhändlern ins Geschäft kam, ist eine zwischendurch als Profikillerin arbeitende Spezialistin (Jennifer Lopez) schwanger geworden. Die bewußte Vorbereitung auf ihre Mutterrolle wird jedoch von ebenjenen früheren Spießgesellen gestört, deren lukrative Tätigkeiten sie ans FBI verraten hatte. Einen Mordanschlag kann die Hochschwangere gerade noch überstehen, doch nach der Geburt ihrer Tochter sieht sie sich gezwungen, das Mädchen zur Adoption freizugeben - sie selbst taucht im fernen Alaska unter.
12 Jahre später erhält sie vertrauliche Hinweise, daß die Killer ihre Tochter bei deren Pflegeltern ins Visier genommen haben - da entschließt sich die immer noch durchtrainierte Frau, in die Staaten zurückzukehren und die ehemaligen Geschäftspartner zum Wohle ihrer Tochter endgültig beiseite zu räumen...

Popstar Jennifer Lopez, die Ende der 1990er Jahre ganze Stadien zu füllen vermochte, hat schon mehrere Anläufe im Filmbusiness unternommen - mit durchaus wechselndem Erfolg. Inzwischen ist "Dschäi-Loh" 53 Jahre alt und kooperiert mit Netflix über gleich eine ganze Reihe von Filmen und Serien zum Thema Frauen - der Streifen The Mother macht dabei den Anfang: ein im höchsten Maße generisches Filmchen über eine ex-Killerin, die aus dem selbstgewählten Exil in die Zivilisation zurückkehrt, um dort herzergreifend schießwütig ihre 12-jährige Tochter vor bösen Männern zu beschützen.

Angefangen vom einfallslosen Titel über die völlige Vorhersehbarkeit des Plots bis hin zu den sattsam bekannten Resultaten plastischer Chirurgie, die Stars von einst immer noch vermeintlich taufrisch zu erhalten vorgeben löst der auf ein weibliches Zielpublkum zugeschnitte Actioner schon nach kurzer Zeit das große Gähnen aus: zu treffsicher ballert sich JLO durch Parkhaus, Kinderspielplatz und Gangster-Residenz, nie wird sie selbst getroffen und die vielen (natürlich männlichen) Leichen, die sie dabei hinterläßt, interessieren auch niemanden.
Ihre Gegenspieler Hector (Gael Garcia Bernal) und Adrian (Joseph Fiennes, mit Brandnarben über dem halben Gesicht richtig schön böse) erfüllen optisch fast jedes Klischee (ohne freilich auch nur im Mindesten backgroundmäßig vorgestellt zu werden), und deren Heerscharen an Handlangern (zum Schluß sogar bestens ausgerüstet mit Motorschlitten) erledigt die Filmheldin ganz beiläufig wie in einem Computerspiel.

Gleichwohl die Produktionswerte des in Kanada und Gran Canaria gedrehten Streifens stellenweise durchaus ordentlich sind (z.B. der finale Showdown in schneebedeckter Wildnis) beinhaltet die dröge Handlung nur einen einzigen, kurzen Disput zwischen Mutter und Tochter, nämlich dann, als Zoe (Lucy Paez) erst überzeugt werden muß, daß sie tatsächlich in Gefahr ist. Doch der in 2 Minuten abgehandelte Widerspruch erschöpft sich in altklugen Weisheiten über Essen allgmein, das JLOs Meinung nach stets "mit Gewalt" erzeugt wird - wtf? Zoe immerhin ist davon so beeindruckt(?), daß sie sich dann gleich das Autofahren und den Gebrauch von Waffen beibringen läßt.

Einige Unsauberkeiten und Kontinuitätsfehler fallen anhand des jederzeit vorhersehbaren Geschehens dann gar nicht mehr sonderlich auf: ein auf dem flachen Land schnell fahrendes Auto wird urplötzlich an einer Kreuzung von rechts gerammt, was dessen Fahrer unmöglich übersehen haben kann. Noch besser dann die kaum ramponierte rechte Seite des gestoppten Fahrzeugs (dem Zoe übrigens unverletzt entsteigt), während der Rammwagen entsprechend schwer verbeult aussieht - normalerweise wäre es genau umgekehrt.
Auch der abgestellte, gammelige Pickup in der Parkgarage, durch dessen mit der Hand eingedrückten rostigen Boden JLO ins Innere klettert, um dort sofort und problemlos dessen Motor zu starten und im Rückwärtsgang einen erstaunlich reaktionsschwachen Killer zu erledigen (Sprit war wohl auch noch genug vorhanden, ja sicher doch!) gehört zu diesen wenig durchdachten Randerscheinungen. Ungeklärt bleibt auch, wie Adrian den Flammen entkam, welche die den ganzen Film über namenlos bleibende Titelheldin entzündet hatte. Da stellt man sich dann auch gar nicht mehr die Frage, wer denn eigentlich der Vater von Zoe war oder ist - Männer sind in diesem Frauenfilm von Regisseurin Niki Caro nahezu ausschließlich Kanonenfutter.

Fazit: The Mother ist ein eintönig-monotoner, von Beginn an überraschungs- und ideenfrei schnurgerade in eine einzige Richtung laufender Actioner, der bestenfalls für Fans der Sängerin eine Sichtung begründet, ansonsten jedoch der Kategorie überflüssig zuzuordnen ist: 2 Punkte.

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