kurz angerissen*
Forscher haben mitnichten herausgefunden, dass sich die Sprungkraft weißer Männer in den letzten 30 Jahren um durchschnittlich einen Zentimeter pro Jahr verbessert hat. Wenn sie damals nicht springen konnten, können sie es immer noch nicht. Die Evolution ist da doch eher Igel als Hase. Deswegen muss das Remake einer immer noch charmanten Ron-Shelton-Sportkomödie der 90er weiterhin den Titel „White Men Can't Jump“ tragen - obwohl es eigentlich Gegenteiliges propagiert.
Dass es Weiße auf dem Basketballplatz, beim Rap-Battle oder in einer sonstigen schwarzen Domäne nicht bringen würden, sei nämlich ein längst überholtes Vorurteil, an das in der heutigen Zeit des bunten Miteinanders ohnehin keiner mehr glaube. An diese These jedenfalls klammert sich die Neuauflage, indem sie einen ausgelatschten Story-Schuh unter neuen Bedingungen noch einmal aufträgt und versucht, ihm zu neuem Glanz zu verhelfen. Klingt theoretisch einleuchtend. Dumm nur: Wenn sich ja ohnehin niemand mehr von der Rookie-Montur des Weißbrots aufs Glatteis führen lässt, kann man das ganze Originalkonzept im Grunde in die Tonne kloppen.
Der mit allerhand Rappern, Tänzern und Models vollgestopfte und mit kiloweise Outsider-Mode dekorierte Turnierfilm hat jedenfalls enorme Schwierigkeiten damit, die Gesetze der Straße von 1992 auf das Jahr 2023 abzubilden. Wo Ron Shelton dank der blendenden Chemie zwischen Woody Harrelson und Wesley Snipes ein ungemein lockerer Streifen von der Hand ging, der jenseits des Platzes auch mal ganz schön kantig wurde, verkrampft das Remake schon bei dem Gedanken an handfeste Konflikte, so dass er eigentlich permanent in der 2-Punkte-Komfortzone verharrt.
An der Hauptbesetzung liegt es nicht unbedingt; gerade Jack Harlow hätte sich als Nachfolger Harrelsons mächtig in die Nesseln setzen können, zumal der hauptberufliche Rapper eher am Anfang seiner Schauspielkarriere steht. Er meistert den schmalen Grat zwischen linkischem und abgezocktem Auftreten aber unerwartet souverän und weiß sogar individuelle Eigenarten in die Rolle einzubringen, die sie von etwaigen Klischees wegtreiben. Doch bereits Sinqua Walls, der grundsätzlich ebenfalls solide agiert, leidet unter den kläglichen Versuchen, Reibungen ins Skript einfließen zu lassen, indem ihm ein Aggressionsproblem unterstellt wird, das dann aber nicht etwa sorgsam aufgearbeitet wird, sondern eher in den Pointen eines flachen Gags für die Quote versandet. Noch viel schlimmer hat es die Damen getroffen: Während Tyra Ferrell und vor allem Rosie Perez im Original dafür sorgten, dass man das Dilemma der Basketballer zwischen Spiel und Liebe schmerzhaft zu spüren bekam, kommen Teyana Taylor und Laura Harrier kaum über dekorative Zwecke hinaus. Und wegen Lance Reddick in einer seiner letzten Rollen muss man auch nicht zwingend einschalten, bleibt er doch wie die Damen ohne wirklichen Impact auf den Ausgang der Geschichte.
Sicher, die Matches sind dynamisch gefilmt (besonders die letzten während des Turniers), bei der traumhaften Kulisse möchte man auf der Stelle Urlaub in Kalifornien machen und jedes einzelne der getragenen Shirts und Hoodies hinterlässt einen fetten Print auf der Netzhaut, aber das ist ja genau das Problem mit ablenkenden Oberflächen: Sie sagen noch lange nichts darüber aus, was sich hinter ihnen verbirgt. Bei Woody und Wesley war es eben mehr, hier ist es weniger.
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