Review

Endzeit im kleinen Rahmen liefert der in Estland geborene Regisseur Tanel Toom. Mit der Konzentration auf nur vier Protagonisten und einem recht überschaubaren Handlungsraum kristallisiert sich sein Stoff als Charakterstudie in Form eines Kammerspiels heraus.

Das Jahr 2063: Die Erde ist weitgehend überflutet und es bestehen nur noch zwei Kontinente, die gegeneinander Krieg führen. Auf einer Plattform mitten im Meer harren seit zwei Jahren Cass (Kate Bosworth), Sullivan (Lucien Laviscount), Sergeant Hendrichs (Thomas Kretschmann) und Baines (Martin McCann) aus, die just auf ihre Ablösung warten. Als ein Schiff auf sie zusteuert, entpuppt sich dieses ohne Besatzung, - ist dort draußen überhaupt noch jemand?...

Der Einstieg suggeriert eine andere Marschrichtung als der Stoff letztlich einschlägt, als ein Regensturm auf die Besatzung niederprasselt und in Windeseile Netze eingeholt werden müssen, welche bestenfalls brauchbares Treibgut beinhalten. Denn in Sachen Action liefert die Geschichte eher wenig und fokussiert sich stattdessen auf die vier doch recht unterschiedlichen Charaktere, die aufgrund nachvollziehbaren Lagerkollers auch schon mal Tendenzen von Paranoia offenbaren.

Während Cass in ihrer zurückhaltend spröden Art eher unnahbar bleibt und Hendrichs als stoischer Chef von vornherein als dubios einzuordnen ist, kann allenfalls Sullivan als Sympathieträger durchgehen, der nebenher ein wenig töffelig daherkommt, aber dennoch den Durchblick zu behalten scheint. Ebenfalls eher unberechenbar erscheint der Techniker Baines, welcher unter Einfluss von Alkohol zu irrationalen Aktionen zu neigen scheint.
Bei alledem stellt sich die Frage, ob jemand innerhalb des Quartetts ein falsches Spiel treiben könnte.

Folgerichtig gibt es keinen weiteren äußeren Einfluss, keine Rückblenden, aber auch nur vage Hintergründe der dystopisch anmutenden Situation. In nur kurzen Momenten berichten die Figuren über etwaige Erinnerungen, was etwas zu wenig ist, um jeweilige Handlungsmotive zu untermauern. Überdies stellt sich nach geraumer Zeit eine gewisse Eintönigkeit ein, was zweifelsohne die prekäre Gesamtsituation der vier unterstreicht, fürs geneigte Publikum jedoch etwas zu wenig Abwechslung bietet.

Entwicklungen gehen langsam vonstatten und erst im letzten Drittel gerät die Situation prekär, zumal eventuell noch eine Enthüllung im Raum steht. Von Hochspannung kann allerdings auch in dieser Phase keine Rede sein, obgleich das Tempo gegen Ende ein wenig angezogen wird. Das ist vor allem hinsichtlich der durchweg soliden darstellerischen Leistungen und der  beklemmenden Grundatmosphäre schade, wenn die Erwartungen auf eine wuchtige Pointe eventuell enttäuscht werden.

Dennoch vermag der Stoff, der sich unterm Strich als Psychodrama in Sci-Fi-Hülle entpuppt über weite Teile in Beschlag nehmen, zumal produktionstechnisch als auch handwerklich kaum Abstriche zu machen sind. Jedoch gerät die Erzählung mit rund 117 Minuten deutlich zu lang und auch das Konfliktpotenzial entfaltet am Ende nicht die erhoffte Dynamik.
Da hätte sich aus Gemütszuständen wie Einsamkeit, Isolation und eventueller Paranoia deutlich mehr machen lassen können.
6 von 10

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