Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (27)
MEGAQUAKE – KALIFORNIEN AM ABGRUND
(20.0 MEGAQUAKE)
Jared Cohn, USA 2022
Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!
Einen Moment lang habe ich mich gefreut, als mir vorgestern diese Asylum-Produktion über den Weg lief, weil ich dachte, dass ich im laufenden und doch schon recht weit vorangeschrittenen Jahr sträflicherweise noch immer keinen einzigen Film aus David Michael Latts Irrenhaus angeschaut habe. Falsch: Ich habe in diesem Jahr sehr wohl schon einen Film aus David Michael Latts Irrenhaus angeschaut, und zwar Jared Cohns Weltvereisungskatastrophenheuler Ice Storm. Dass ich mich daran nicht gleich erinnern konnte, ist allerdings kein auf vorzeitige Demenz hindeutendes Alarmsignal, sondern eher ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass ich Ice Storm und den Kontext, in dem dieser Film eingebettet ist, erfolgreich verdrängt hatte. Dieser Kontext ist eine von Jared Cohn verbrochene Katastrophentrash-Trilogie rund um die Superwissenschaftlerin Dr. Molly Martin, zu der neben dem bereits miserablen Ice Storm auch der noch grässlichere Super Volcano gehört, den ich im vergangenen Jahr angesehen habe. Megaquake – Kalifornien am Abgrund (im Original tollkühn 20.0 Megaquake, im Folgenden nur noch Megaquake) ist nun der Mittelteil dieser Trilogie, der gestern seine deutsche TV-Erstausstrahlung feiern durfte. Um meine Feierstimmung war es hingegen schlecht bestellt – nicht umsonst hatte ich am Ende meiner Notizen zu Ice Storm vermerkt, dass ich dankbar wäre, wenn mich das Schicksal vor dem vorliegenden Machwerk verschont. Aber nein, das hat es nicht, das Schicksal. Und so musste ich in treuer Komplettistenpflichterfüllung einen weiteren Abend mit der unsäglichen Dr. Molly Martin, ihrer lästigen Familie und ihrem Team verbringen.
Megaquake startet mit einem Erdbeben in Kalifornien, das zwar nur die Stärke 4.2 haben soll (ich gehe einmal davon aus, dass hier die Richter-Skala verwendet wird), aber doch einen gewaltigen Erdrutsch auslöst und auch darüber hinaus beträchtliche Zerstörungen hervorruft, was uns durch eine Reihe von CGI-Katastrophenbildern auf unterstem Asylum-Niveau verdeutlicht wird. Natürlich erfährt das auch Dr. Molly Martin, die mit ihren Leuten gerade per Flugzeug vom Hawaii-Einsatz (siehe Super Volcano) zurückkehrt – und sofort nach der Landung das Gebiet des Erdrutsches inspiziert.
Von nun an wird viel Wirres über Tiefen und Stärken von Erdbeben geredet, und auch für eine ellenlange Streiterei zwischen Molly und ihrem langjährigen Widersacher, dem milliardenschweren Unternehmer Griffin, bleibt genügend Zeit. Molly zeigt sich darin sehr nachtragend und scheint zu verkennen, dass der inzwischen geläuterte Griffin ihre gesamte Arbeit finanziert und auch dank seiner Beziehungen zur Wirtschaft immer wieder eine unentbehrliche Hilfe ist. Auch mit dem rücksichtslosen Senator Carlson und der leitenden FEMA-Mitarbeiterin Natasha darf noch ein wenig herumgestritten werden, bis endlich ein neues, aber immer noch relativ kleines Beben für etwas Entspannung sorgt und Molly zu neuen wissenschaftlichen Glanztaten zwingt.
Eine solche Glanztat ist die „Foresight-Software“, die in Windeseile vom REACT-Team (so nennt sich Mollys Truppe, zu der noch die Wissenschaftler David, Yolanda und Sven sowie Mollys hyperbegabte Endteeniekinder Clay und Chrissy gehören) entwickelt wurde und sich gleich spektakulär einführt – sie zeigt ein unmittelbar bevorstehendes Erdbeben der Stärke 8.3 an. Das ist allerdings kein Problem, solange es Superwissenschaftlerin Molly gibt, denn die hat schon knapp zwei Zehntelsekunden nach der Prognose eine Lösung parat: Man muss einen „seismischen Mantel“ basteln, sprich 138 Schächte (echt jetzt) in den kalifornischen Boden bohren, die den horizontalen seismischen Wellen die Kraft nehmen und das Beben auf eine Stärke von 5.5 abschwächen. Gleichzeitig gilt es, die bedrohten Teile der Bevölkerung zu evakuieren – was selbstredend nicht geschieht, weil die zuständigen Behörden keinen Grund zur Aufregung sehen.
Dank der Beziehungen und des Vermögens von Griffin können tatsächlich ruck, zuck die 138 benötigten Löcher gebohrt werden, doch dann gibt es auch schon das nächste Beben. Es ist noch nicht verheerend, lässt aber Teile einer Brücke einstürzen, auf der sich gerade Chrissy und Clay befinden. Die beiden bleiben jedoch (beinahe hätte ich leider gesagt ...) unbeschadet und können daher sofort damit beginnen, anderen Menschen zu helfen, obwohl ihr eigenes Leben auf der akut vom vollständigen Einsturz bedrohten Brücke in höchster Gefahr ist. Aber so sind sie nun mal, die Martins: Retten, wo und wann immer es geht, und wenn’s mal nicht die Welt ist, dann wenigstens eine verletzte junge Lehrerin – die holt Clay nämlich aus ihrem verunglückten Schulbus heraus und bewahrt sie kurz darauf davor, durch ein Loch im Brückenbelag in die Tiefe zu stürzen. So baumelt sie erst einmal an seinen Händen über dem Abgrund.
Anderenorts ist Molly schon wieder am Rechnen: Nachdem sie eine Vernetzung irgendwelcher Verwerfungslinien mit der San-Andreas-Verwerfung festgestellt hat, ermittelt sie spontan im Kopf, dass in Kalifornien ein Erdbeben der Stärke 20.0 (!!!) ansteht! (!!!) Der Originaltitel hat dies ja eigentlich schon telegrafiert, aber dem wollte man natürlich nicht trauen. Nun aber, ohne Quatsch, geht’s um ein Erdbeben der Stärke 20.0, in Worten zwanzig komma null (man beachte das „komma null“!). Da wagt sich „The Asylum“ wirklich sehr weit vor – es gibt wohl einen TV-Katastrophenfilm, der ein Beben der Stärke 10.5 behandelt (schon das ist Unfug), aber 20.0 ... Hut ab. Ich denke nicht, dass Skriptautor Marc Gottlieb wusste, wovon er spricht – wenn ich’s mal mollymäßig kurz im Kopf überschlage, dann ergibt sich ohne Berücksichtigung des Sättigungsphänomens, dass unser hier anstehender Zwanziger-Erdstoß rund 36 Billiarden Mal so viel Energie freisetzen wird wie das Fukushima-Beben. Das sollte eigentlich sogar den Jupiter noch aus seiner Bahn werfen.
Aber so weit wird’s schon nicht kommen, denn wir haben ja Molly, die eigenen Aussagen zufolge „einen Doktor in Geophysik, einen Master in Klimatologie und einen Bachelor in statistischen Wissenschaften“ besitzt (lange nicht so gelacht)! Diese Molly also eilt mit ihrem Kollegen David erneut zu Natasha von der FEMA (Federal Emergency Management Agency, übrigens) und verlangt dringend die Evakuierung des gesamten Staates Kalifornien (Kalifornien wird nicht reichen, Molly ...). Auch jetzt stößt sie bei Natasha und erst recht beim kurz per Bildschirm zugeschalteten Senator Carlson auf Granit, aber sie alle haben ganz schnell andere Sorgen: Das nächste Beben bebt.
Ein Zwanziger ist es nicht, aber es richtet weitere Schäden an. Zum Beispiel an der Brücke, auf der Chrissy und Clay weiter wie wild am Retten sind. Nach dem erneuten Geruckel baumelt allerdings die verletzte junge Lehrerin nicht mehr an Clays Händen ... sie ist nun doch in die Tiefe gestürzt. Clay ist außer sich, findet aber zumindest momentan Ablenkung in einer weiteren Heldentat – so will er jetzt die kleine Ava retten, die zur Schulklasse der soeben dahingeschiedenen Lehrerin gehört. Das Mädchen muss nur noch gefunden werden, denn im allgemeinen Chaos ist es verschwunden. Also macht sich Clay auf die Suche nach Ava, auch wenn um ihn herum nicht nur die Brücke, sondern auch weite Teile des Umlands dabei sind, sich zu verabschieden.
Zu allem Überfluss trifft nun auch noch ein gewaltiger Tsunami auf die Küste ... was wiederum besonders für Molly und David sowie Natasha und deren Kollegen interessant wird, denn das ganze FEMA-Hochhaus wird aus dem Fundament gerissen und treibt nun (schön aufrecht ...) im Wasser herum (!!). Das ist der Startschuss für eine weitere Rettungsmission: Molly und David beginnen ohne Rücksicht aufs eigene Wohlergehen verletzte oder eingeschlossene FEMA-Mitarbeiter zu retten, wobei sie nach einer Weile Hilfe von Griffin bekommen, der mit dem REACT-Truck weggespült wurde und sich im FEMA-Gebäude in Sicherheit bringen konnte. Na ja, sagen wir in vorläufige und relative Sicherheit, da dem durch die Gegend schwimmenden Hochhaus keine lange Zukunft beschieden sein sollte. Tatsächlich treibt es auch schon genau auf die Brücke zu, die noch immer Schauplatz der verzweifelten Suche Clays nach der kleinen Ava ist ...
Damit wird es Zeit, dass sich auch einmal jemand um die Rettung all unserer Retter kümmert, und diese Aufgabe übernimmt fast schon traditionell Mollys Noch-Ehemann Eric, dem ein geräumiger Hubschrauber zur Verfügung gestellt wurde. Bis der sein Ziel erreicht hat, können wir aber noch ein wenig zwischen den beiden Hauptrettungsfronten hin und her switchen – auf der zerbröckelnden Brücke ist Clay noch immer wahnhaft auf der Suche nach Ava (man neigt dazu, das für eine dumme Idee zu halten ...) und im schwimmenden FEMA-Hochhaus können Molly und ihre Begleiter dem einen oder anderen Verschütteten helfen. Molly und Griffin finden sogar Zeit, während der dicksten Katastrophe in einem nicht enden wollenden Privatgespräch ihr Verhältnis zueinander ein wenig zu glätten.
Derweil findet Clay nun endlich die verloren gegangene Ava, aber die ... will gar nicht gerettet werden! Jedenfalls nicht von ihm, denn er hätte schließlich ihre geliebte Lehrerin fallen lassen. Das ist wirklich bitter für Clay – um sich so etwas anhören zu müssen, hat er sein Leben riskiert. Man möchte jetzt eigentlich gern „Tschüss, Ava!“ rufen, aber schon kommt Chrissy vorbei, die natürlich ebenfalls noch todesmutig am Herumretten ist, und ihr vertraut das Kind.
Derweil können Eric und sein Pilot Goldstone mit dem Hubschrauber schon mal die Leute aus dem schwimmenden FEMA-Hochhaus an Bord nehmen und fliegen dann zur Brücke, um Mollys Kinder, ihre Kollegen Sven und Yolanda, die sich auch noch dort herumtreiben, und natürlich Ava einzuladen. Fatalerweise ist der Hubschrauber nun aber zu schwer beladen und will nicht mehr abheben ... woraufhin sich Sven spontan opfert und in die Tiefe springt. Großes Drama!
Zum Glück war sein Heldentod nicht umsonst, denn nun kann sich der Hubschrauber in die Lüfte schwingen und Molly findet die zwei Sekunden Muße, die sie für das Ersinnen eines neuen genialen Plans benötigt – schließlich will ja auch noch ganz Kalifornien (samt umliegender Kontinente ...) vor einem Zwanziger-Beben gerettet werden, und das ist ähnlich wichtig wie Ava. Molly setzt noch einmal bei der Vernetzung von bestimmten Verwerfungslinien mit der San-Andreas-Verwerfung an und führt aus, dass es genau fünf Punkte gibt, an denen sich Verwerfungslinien kreuzen. Diese „Zugangspunkte“ sollen nun gesprengt werden, um die Verwerfungslinien zu entlasten – und damit die große Katastrophe zu verhindern (oder so ähnlich ... wir wollen nicht darüber nachdenken). Also werden an den Zugangspunkten umgehend fünf Bomben in exakt 133 Meter Tiefe versenkt und gezündet – und schon kehrt eine himmlische geophysikalische Ruhe ein. Kalifornien ist gerettet, und die Welt vermutlich gleich mit – inklusive unserer lediglich um den aufopferungsvollen Sven dezimierten Heldentruppe. Und Ava. Ava ist natürlich auch gerettet.
Nicht zuletzt aber ist obendrein der Zuschauer gerettet, so er hier tatsächlich bis zum Ende dabei war – viel länger als die gegebenen 88 Minuten würde hier nämlich selbst ein stabiles Gehirn nicht mitspielen. Megaquake krankt erwartungsgemäß an den gleichen Mängeln wie seine beiden Rahmenfilme Super Volcano und Ice Storm, und einer der entscheidenden heißt Dr. Molly Martin beziehungsweise McKenzie Westmore, denn die spielt Dr. Molly Martin. Man möchte Asylum-Chef David Michael Latt und seinen Leuten fast für die Kühnheit applaudieren, mit einer solchen Darstellerin anzurücken und sie dem Publikum als Superwissenschaftlerin zu verkaufen, denn der botoxoptimierten McKenzie Westmore (da wiederhole ich mich mit Blick auf meine Bemerkungen zu Ice Storm und Super Volcano gern noch einmal) nimmt man möglicherweise eine Dschungelcampteilnehmerin, aber in tausend Jahren keine hoch gebildete Akademikerin ab. Zusätzlich verschärft wird dieses Problem durch die erneut grausige deutsche Synchronisation – vor allem die immer im gleichen Tonfall heruntergeleierten und wie abgelesen wirkenden „Fach“-Monologe Mollys sind wirklich eine Zumutung, aber auch Griffins schläfriges und unbeteiligtes Sprechen kann bisweilen regelrecht verstören (oder in den Schlaf wiegen). Da fällt kaum noch ins Gewicht, dass Lippensynchronität offenbar völlig dem Zufall überlassen wurde und generell wieder fleißig mit dem Präteritum gearbeitet wird. Auch hier gilt jedoch: In der Originalfassung hört sich das deutlich besser an.
Nun mag es zwar schlimm sein, wie hier gesprochen wird, aber noch schlimmer ist, was hier gesprochen wird: Die Dialoge unterliegen wie der gesamte Streifen einem harten Tempodiktat, und so wird drauflosgeschwatzt, als gäbe es kein Morgen mehr (okay, das gibt es ja vielleicht tatsächlich nicht mehr ...) – und ohne jede Rücksicht auf den Zuschauer, der so massiv mit physikalischen und technischen „Fachbegriffen“ zugeschwafelt wird, dass es hilfreich wäre, wenn er selbst einen Doktor in Geophysik, einen Master in Klimatologie und einen Bachelor in statistischen Wissenschaften hätte. Das ist zwar insofern kein Grund zur Verzweiflung, als dass hier ohnehin nur hanebüchener Unsinn dahergeredet wird, aber dass man dem Skript vollkommen gleichgültig ist, fühlt sich doch etwas, ähm ... unhöflich an.
Dabei soll gern eingeräumt werden, dass ein paar Sätze und Aussagen aus der Ferne gehört relativ plausibel klingen (plausibler zumindest als das übliche Blech aus dem Hause Asylum), aber nachprüfen möchte man das natürlich nicht. Es wäre ohnehin vertane Liebesmüh, sich über die Physik dieses Streifens Gedanken zu machen, denn spätestens mit der Postulierung eines 20.0-Bebens verabschiedet sich Megaquake auch vom letzten Funken Verstand.
Verstand sucht oder erwartet man indes von vornherein nicht in einem Asylum-Film, und so könnte man sich eigentlich recht entspannt über hirnrissige Ideen wie 138 zu bohrende Schächte oder in genau 133 Meter Tiefe zu zündende Bomben amüsieren, wenn man eben nicht so arg von einigen Leuten genervt würde, die hier mit bisweilen frappierender Humorlosigkeit durch die Gegend springen – womit noch einmal ganz ausdrücklich Mollys Superkinder Chrissy und Clay angesprochen werden sollen. Skript-Genie Marc Gottlieb hat’s übrigens mit genauen Zahlen: In Super Volcano mussten 32 Sprengungen vorgenommen und 87 Eisbohrer eingesetzt werden, und später stand der gleichzeitige Ausbruch von 129 Vulkanen in Aussicht (Himmel, was für einen Schwachsinn sehe ich mir da eigentlich an ...?). Das klingt nun alles wieder einmal ziemlich unerfreulich, aber zum Glück kann Megaquake auch ein paar Pluspünktchen einsammeln – gerade genug, um den Kopf noch über Wasser und den Trash-Liebhaber leidlich bei Laune halten zu können: Zunächst erlaubt sich der Streifen eine weit über dem allgemeinen Asylum-Niveau liegende Anzahl von Katastrophenszenen, die zwar sehr kurz ausfallen, aber regelmäßig mit nicht zu großem Abstand eingestreut werden, und dann geht es eben gelegentlich auch schön over the top – allein die 20.0-Beben-Maßgabe ist historisch haarsträubend (ich kann mich da wirklich nicht beruhigen), aber auch das durch die Gegend treibende FEMA-Hochhaus erweist sich als echter Brüller (und dies erst recht, wenn man in Betracht zieht, dass es nicht heiter gemeint sein könnte). So mag man seinen Trash der Woche.
Optisch gefällt Megaquake mit sauberen Breitwandbildern aus dem sonnigen Kalifornien – und mit grausigen Trickeffekten aus dem Rechner, wenn man denn grausige Trickeffekte aus dem Rechner mag. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit man sich in David Michael Latts Ramschbude auf diesem Gebiet jedem Fortschritt beziehungsweise jedem Bemühen um eine Qualitätssteigerung verweigert: Die CGI-Katastrophenbebilderung ist in Megaquake genauso peinlich wie in zwanzig Jahre früher entstandenen hauseigenen Produktionen, sprich unter aller Kanone. Angesichts unscharf und halb transparent einstürzender Häuser, eines Tsunamis aus zwanzig Meter großen Wasserspritzern, lächerlicher CGI-Fahrzeuge und anderer Missgriffe (der Absturz der Lehrerin ist auch nicht von Pappe ...) kann man sich hier selbst als erfahrener Trash-Liebhaber und Asylum-Kenner des Öfteren wahlweise entsetzt oder erheitert an den Kopf fassen – und wird mit einer steinzeitlich anmutenden Greenscreen-Einstellung verabschiedet. Am besten kommt bei alledem noch das durch die Gegend schwimmende FEMA-Hochhaus weg, das in zwei oder drei Szenen recht ordentlich, also wirklich halbwegs schwimmend aussieht.
Bei den Darstellern ist hingegen gar nichts zu retten – im Grunde genommen reicht schon McKenzie Westmores gesichtschirurgisch unterstrichener C-Promi-Charme aus, um als Dr. (!) Molly Martin den ganzen Film schauspielerisch in den tiefsten Keller zu ziehen, obwohl sie unter besseren Bedingungen (Originalstimme oder vernünftige Synchro, passende Rolle, Botox weg) nicht zwingend zum Totalausfall geraten müsste und auch eine gewisse Erfahrung mitbringt (beispielsweise war sie in allerlei Enterprise-Episoden unterwegs). Hier aber sind die Bedingungen denkbar schlecht. Tyler Christopher wirkt derweil als Griffin etwas munterer oder weniger hypnotisiert als in den beiden anderen Trilogiefilmen, lässt aber immer noch jederzeit fürchten, dass er beim Reden oder Herumstehen einschläft. Tori (hier: Tory) Griffith nervt als Chrissy deutlich weniger als vor allem in Super Volcano, was jedoch in erster Linie daran liegt, dass sie auch deutlich weniger Screentime hat als dort, Jessie B. Evans hat als Clay weniger klug zu sein als üblich, weil er vornehmlich mit schweren seelischen Problemen zu kämpfen hat (ein altes Erdbebentrauma ist schon vorhanden, und dann kommt noch das frisch eingefangene Lehrerinnentrauma hinzu), und Grant Bowler ist als Mollys Noch-Ehemann Eric erneut der angenehmste Mitwirkende.
Den größten Namen bringt William Baldwin mit, aber dessen prominente Nennung auf Plakaten oder Covern erweist sich als geradezu mustergültige Mogelpackung: In der Rolle des Senators Carlson kommt Baldwin gerade zweimal per Bildschirm zu Wort (während einer Videozuschaltung und eines TV-Auftritts) und macht dabei keinen besonders lebendigen Eindruck. Leicht verdientes Geld für den täglichen Whiskey, möchte man meinen, aber bei Asylums wird’s nicht viel gewesen sein. Als David ist weiterhin der gut erträgliche Adam H. Marchand zu sehen, Tola Lawal bleibt als Yolanda unauffällig (was hier positiv konnotiert ist), Asylum-Stammgast Paul Logan kann als Goldstone vor Kraft und Muskeln kaum laufen, Mica Javier ist als Natasha vermutlich unsympathischer als im wahren Leben und Juliet Angelina Hernandez-Mark muss als Ava ein paarmal entsetzt in die Kamera blicken – wenn sie sich nicht gerade suchen lassen darf. Als unbedeutende Randnotiz sei noch hinzugefügt, dass die verdiente Asylum-Mitarbeiterin Tammi Klein wieder einmal in einer kleinen Nebenrolle auftauchen soll (hier als „Judge Taylor“), ich mich aber nicht daran erinnern kann, sie gesehen zu haben. Es lässt sich verschmerzen. Der Score wurde schließlich wie bei Super Volcano im Alleingang von Mikel Shane Prather verbrochen (wahrscheinlich ist’s der gleiche ...) und nervt gleich auf zweierlei Weise: Zunächst handelt es sich um ein typisch uninspiriertes Billigfilm-Dauergedudel, wie man es aus jedem einskommazweiten Asylum-Streifen kennt, und dann (dafür kann er freilich nichts) wird er auch noch unangemessen laut über jede Szene, also auch über jeden noch so banalen Dialog gelegt – das geht einem schon nach fünf Minuten extrem auf die Nerven, selbst wenn es die Dialoge in der Regel nicht wert sind, auch wirklich gehört zu werden.
Der ganze Film, nun ... der geht einem auch auf die Nerven, aber wenigstens nicht ganz so sehr wie zu befürchten war. Da die Messlatte hierbei in Bodennähe herumdümpelt, ist Megaquake freilich noch lange nicht mehr als ein billiger, dialogreicher, unangenehm ironiefreier, dabei aber haarsträubend blödsinniger, hektischer, mies erzählter, noch mieser getrickster und noch mieser gespielter TV-Katastrophentrashheuler. Immerhin hat er seinen Mängeln ein paar durchaus aufmunternde beziehungsweise unfreiwillig heitere Momente entgegenzusetzen, sodass man zumindest als Trash-Enthusiast und Asylum-Komplettist noch mit einem blauen Auge davonkommt. Schönreden will ich hier allerdings nichts – also sagen wir lieber mit zwei blauen Augen. Ich für meinen Teil bin nun vor allem darüber erleichtert, dass ich Molly Martin samt Familie und Kollegen (vorerst?) vom Hals habe, aber nach der nunmehr vollständig ertragenen Cohn’schen Katastrophentrashtrilogie hat man im Hause Asylum langsam etwas bei mir gutzumachen.
PS: Die Horrorvision eines vierten Dr.-(!)-Molly-Martin-Streifens, der sich ja am Ende von Ice Storm kategorisch angekündigt hatte, scheint nach Lage der Dinge keine Realität zu werden: Jared Cohn hat sich inzwischen mit allerlei anderen Projekten beschäftigt. Man darf vorsichtig aufatmen.
(7/24)
3 von 10 Punkten.