Eine blutige Zwiebel
Schon „12 Angry Men“ lieferte außerhalb des Genres erste Anzeichen und Muster, wie spannend und reizend der „Es sind im Grund nur diskutierende Leute in einem Raum“-Ansatz sein kann. Reichert man diesen mit ein paar Toten, einigen dunklen Geheimnissen und ein wenig „Menschenjagd“ an, befindet man sich in den Gefilden dieses Paramount+-Krimis aus Mexiko, wo wir einer Gruppe von gekidnappten Leuten durch verschiedene Räume folgen, in denen sie jeweils entscheiden müssen wer stirbt. Und natürlich haben die Ahnungslosen dunkle Gemeinsamkeiten und Geheimnisse, die sie schnell weniger unschuldig wirken lassen als sie vorgeben zu sein…
Verdammt gut beginnt „Einer muss sterben“. Die Figuren sind eher klischeehaft, funktionieren und verhalten sich dennoch lange Zeit glaubhaft, clever und effektiv. Die wenigen Räume und Orte sind solide ausgestattet und es gibt immer etwas zu gucken. Es gibt ein bisschen Klassenkampf und gesellschaftliche Ellenbogen, Unten gegen Oben - das kennt man vom spanischsprachigen Kino nicht erst seit „Die Platform“. Und es ist wohl eine menschliche Ursünde, gerne dabei zuzugucken, wie die schmutzige Wäsche anderer aufgewühlt wird und den Probanden in die Gesichter fliegt. Leider bricht der Thriller in der zweiten Filmhälfte für mich deutlich in sich zusammen - da gehen die Ideen aus, da merkt man, dass hier vielleicht doch nicht alle allzu flott das Zeitliche segnen werden, da offenbart sich das One-Trick-Pony und die abgegriffene Art, von der man einfach schon zu viele Variationen kennt. Dass hier mit unter 90 Minuten der Bogen zum Glück nicht überspannt wird und man immerhin konsequent abschließt, versöhnt dann wieder etwas. „Death's Roulette“ (wie er im englischen Sprachraum vertrieben wird) kann sich bei seinem zeitlosen „Was würdest du tun?“-Setting bedanken - das geht nämlich immer!
Fazit: „Saw“ on a Budget? „Escape Room“ mit Erwachsenen? „Cube“ ohne Sci-Fi-Kreativität? „Squid Game“ in einfallslos? Vielleicht. Wer auf filmische Thrillermysteryspielchen mit einer Gruppe Fremder steht, der kommt eventuell zu Kurzweile und auf seine Kosten. An sich aber etwas belanglos.