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Chinese Blue Cheese

„Meg“ hat mich vor fünf Jahren deutlich enttäuscht, da hatte ich damals echt wenig Spaß mit im Kino. Nun darf Kultregisseur Ben Wheatley (!) das unausweichliche Sequel inszenieren - in dem es natürlich wieder dumme Wissenschaftler, noch mehr Chinesen und gierige Millionäre auf einer futuristischen Unterwasserstation mit riesigen Megalodons zu tun bekommen. Blöd nur, dass sich zu den Monsterhaien noch nicht herumgesprochen hat, dass auch Jason Statham auf sie wartet…

Jason Statham bleibt an der Spitze der Nahrungskette

Ben Wheatley hat bisher eher sperrige und kleine Indie-Genre-Perlen gedreht. Mein erster Gedanke bei „Meg 2: The Trench“ war definitiv nicht er auf dem Regiestuhl. Aber Hollywood geht manchmal seltsame Wege. Erst recht in solchen Big Budget-Koproduktionen mit China, die in den letzten Jahren boomen. Kein Wunder, bei einem Land im wirtschaftlichen Aufschwung mit über einer Milliarde Menschen riecht die Traumfabrik Geld wie Haie Blut. Leider ist aber auch „Meg 2“ kein Argument mehr Bock auf solche China-Käseplatten zu bekommen. Und Wheatleys Stil kann man durch all die Schichten an Quatsch, CGI-Seelenlosigkeit, Langeweile, Stathams Sprüchen und artifizieller Kaijuaction eh nicht mehr ansatzweise erkennen. Schade. Denn „Meg 2“ macht durchaus ein paar Dinge dezent besser als sein Vorgänger, der damals alle Flöße davonschwimmen ließ und keine Chance verwandelte. „Meg 2“ ist deutlich härter, gefräßiger, trashiger und augenzwinkernder. Das sind zumindest Schritte in die richtige Richtung. Oder eher Ansätze. Denn im Grunde ist der Trailer mal wieder unterhaltsamer und knackiger als das gesamte Endprodukt, außerdem ganz klar ein Highlightreel. Viel mehr ist hier auf fast zwei Stunden auch nicht verteilt. Es ist erstaunlich, wie lange es dauert bis der hauptsächliche Meg mal Hunger bekommt und in Rage gerät. Fast eine Stunde braucht man da gefühlt Geduld. Dafür gibt’s bis dahin „Reise zum Mittelpunkt der Erde“-Vibes, viele andere Unterwasserfabelwesen und ein gar nicht mal so übler Look. Zumindest wenn man bedenkt, dass „Meg 2“ eine der wenigen Grossproduktionen diesen Sommer ist, die ihr Budget (maximal 150 Mio. $) halbwegs unter Kontrolle hatten. Statham hat auch in solchen Anti-Prestige-Projekten sympathischerweise noch nicht in den Autopilot geschaltet, im letzten Drittel schmaust der Hai dann doch noch genüsslich und gigantisch, zwischendurch werden ein paar Pophits aufgetischt und eine einigermaßen oberflächlich-solide Monstersushiplatte bekommt man serviert. Zumindest wenn man alles nicht zu ernst nimmt und an dem Tag nicht zu streng ist. Dennoch würde ich ohne zu zögern natürlich lieber zum 27. Mal „Deep Blue Sea“ gucken als den hier zum zweiten Mal. Ich denke, dass sagt alles

Fazit: ein kleiner Fortschritt zum ersten Teil, insgesamt jedoch auf dessen niedrigem Niveau, mit zu wenig Splatter, zu wenig Haiaction, zu wenig Spaß an der bescheuerten Sache. Und natürlich mit unangenehm viel chinesischem Einfluss. Beijingblockbuster mit Haifischflossensuppe aus dem Computer. 

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