Nett. Ein eher unscheinbares Adjektiv mit vier Buchstaben. Anstelle von nett könnte man auch gefällig, sympathisch, ansehnlich, ordentlich, angenehm oder dufte verwenden. Nett sagt unzweifelhaft etwas Gutes über jemand oder etwas aus (außer man gebraucht es sarkastisch), ist also eindeutig positiv konnotiert, bleibt aber gleichzeitig reserviert, kühl und höflich zurückhaltend. Die Bedienung im Café war heute wieder mal nett. Gut und schön, aber das erwartet man ja auch von einer Bedienung, oder nicht? Womit wir bei Shrieker wären. Shrieker ist ein netter Film. Er ist sehr kurzweilig, er tut niemandem weh, er unterhält recht ordentlich, er macht bis zu einem gewissen Grad Spaß. Ja, er ist einfach nett. Und da er nur nett ist und nicht mehr, ist er kurze Zeit, nachdem man ihn gesehen hat, auch schon wieder vergessen. Filmischer Fast-Food. Während man ihn konsumiert, mundet er gut und sättigt für ein, zwei Stunden. Ideal als Abwechslung zum üblichen Trott, schmackhaftes Futter für zwischendurch. Ein Nachschlag muß aber echt nicht sein, da winkt man dann dankend ab. Aber ein paar Wochen später könnte man doch wieder Lust darauf bekommen. Vielleicht.
Charles Bands Firma Full Moon Pictures/Features hat sich auf Filme dieser Art spezialisiert. Anspruchslose, preiswert produzierte und leicht bekömmliche Direct-to-Video-Genreware ohne große Ecken oder schroffe Kanten, mit ein bißchen Würze, aber niemals zu scharf gewürzt. Viele Full Moon-Filme entstehen nach dem einfachen, ewig gleichen Rezept. Eine schöne Location, eine Handvoll Teenager oder Twens, hübsche Mädels, ein routinierter Regisseur, eine lockere Grundstimmung, ein häßliches, recht originelles Monster (gerne auch eine oder mehrere fiese Puppen) und ein klein wenig Blut. Bei einem Full Moon-Streifen weiß man in der Regel, was einen erwartet. Shrieker funktioniert exakt nach dieser Masche. Sieben Studenten, Zak (Jamie Gannon, Final Stab), David (Parry Shen, Hatchet), Tanya (Alison Cuffe, Revenge of the Unhappy Campers), Mike (Chris Boyd), Elaine (Jenya Lano), Robert (Thomas R. Martin) und Clark (Tanya Dempsey, Deathbed) nisten sich im leerstehenden Greenhaven Krankenhaus ein, um dort in Ruhe ihren Studien nachgehen zu können und um sich die teure Miete zu sparen. Dann taucht auf einmal ein grausames Monster - der Shrieker (Rick Buono) - auf und beginnt damit, sie einen nach dem anderen zu töten.
Shrieker ist ein so durchschnittliches wie zahmes Monster-Movie, über das es nicht viel zu sagen gibt. Hinter dem Pseudonym Victoria Sloan versteckt sich David DeCoteau (Creepozoids, Dr. Alien, Puppet Master III, u. v. w.), dem einige atmosphärische Szenen gelingen und der das spannungslos dahindümpelnde Geschehen routiniert über die kurze Runde (der Streifen läuft nur etwa siebzig Minuten) bringt. Drehbuchautor Neal Marshall Stevens (aka Benjamin Carr), der sich mit seinem Skript unverfroren am Jacques Tourneur-Klassiker Night of the Demon orientiert, peppt das unspektakuläre Szenario ein wenig auf, indem er dem Plot ein Whodunit-Element hinzufügt. Der Shrieker erscheint ja nicht einfach so zur Gaudi; jemand mit finsteren Absichten hat ihn beschworen. Sein Markenzeichen, das durch Mark und Bein gehende Kreischen, ist eine gute Idee, aus der man jedoch zu wenig gemacht hat. Die Protagonisten sind nicht besonders sympathisch, ergo ist es dem Zuseher ziemlich egal, wer wann wo stirbt. Die Monsterfratzen (das Ding hat zwei aneinander gewachsene Köpfe) sind gut gelungen, aber leider nur in einigen wenigen Augenblicken zu sehen. Auf nackte weibliche Tatsachen muß man ebenso verzichten wie auf deftiges Gekröse; ein paar zerkratzte Gesichter und eine Schußwunde, mehr bekommt man diesbezüglich nicht geboten. Womit wir wieder beim Anfang sind. Shrieker ist weder besonders gut, noch ist er besonders schlecht. Er ist einfach nur... nett. Ein wenig mehr hätte es aber schon gerne sein dürfen.