iHaveCNit: Killers Of The Flower Moon (2023) – Martin Scorsese – Paramount
Deutscher Kinostart: 19.10.2023
gesehen am 21.10.2023
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 3 – Reihe 9, Platz 15 – 17:00 Uhr
Knapp 3,5 Stunden. Mit genauer gesagt 206 Minuten ist Martin Scorseses „Killers Of The Flower Moon“ für dieses Filmjahr definitiv der von seiner Laufzeit her längste Film des Jahres. Jedoch bin ich hier durch viele andere auch lange knapp dreistündige Filme sitzfleischerprobt, womit für mich auch die Entscheidung hin zu einer Sichtung von Scorseses Werk keine Frage gewesen ist. Und so habe ich mich trotz späterem Release auf Apple TV+ für eine Sichtung des Filmes im Kino entschieden.
Nachdem der indigene Stamm der Osage in ihrem County in Oklahoma auf Öl gestoßen ist, wurde aus den Osage über Nacht das reichste Volk der Welt mit dem höchsten Pro-Kopf-Vermögen. Natürlich bleibt dieser Reichtum nicht unbemerkt und auch andere Personen haben Interesse daran an diesem Reichtum zu partizipieren. So auch der Geschäftsmann und Wohltäter William Hale, dessen Neffe Ernest Burkhart nun in den 20er-Jahren aus dem Krieg zurückgekehrt ist und Beide den Plan entwickeln, dass Ernest in Kontakt mit Molly tritt um sich familiär an Molly und ihre Linie innerhalb des Stamms der Osage zu binden, damit schrittweise über gezielte Manipulation und auch Mord am Reichtum der Familie von Molly partizipiert werden kann.
Basierend auf dem gleichnamigen Sachbuch von David Grann, für das ich mich danach durchaus interessieren könnte, hat Martin Scorsese ein interessante Mischung inszeniert. Weniger mit dem Fokus auf die Ermittlungen der Mordserie legt er hier mehr den Fokus auf die Täter- und auch auf die Opferseite, bei dem über den gesamten Verlauf des Films spürbar ist, wie authentisch und mit dem gebührenden Respekt und Ernsthaftigkeit Wert auf die Darstellung des indigenen Stamms der Osage gelegt worden ist, damit sie die Plattform bekommen, dass auch ihre Seite der Geschichte dargestellt wird. Wir bekommen hier eine Mischung aus True-Crime-Epos, ein intimes Liebesdrama und auch eine biografische Aufarbeitung eines sehr perfiden Kolonialverbrechens am indigenen Stamm der Osage geboten, für dass die Laufzeit des Films durchaus angemessen sein könnte. Von seiner gesamten Ausstattung und audiovisuellen Inszenierung ist Scorseses Film großartig gelungen. Darstellerisch kann sich Martin Scorsese auch natürlich auf seine Stammschauspieler Leonardo DiCaprio und Robert DeNiro verlassen, die großartig sind, aber hier doch relativ undankbar gezeichnete Rollen spielen und darstellen müssen. So gut beide hier sein mögen, für mich ist der große darstellerische Pluspunkt im Film Lily Gladstone, der ich an dieser Stelle für die kommende Saison der Preisverleihungen bereits viel Erfolg wünschen möchte. Ihren Stolz, ihre Erhabenheit, ihre Ruhe und auch ihre Emotionalität in gewissen Momenten auf der Leinwand erleben zu können ist großartig. Ihr vielschichtiger Charakter ist in der Kombination mit DiCaprios eher einfältigen, leichtgläubigen, aber charmanten Charakter eine spannende Komponente, die im intimen Liebesdrama durchaus ein interessantes Spannungsfeld zu bieten hat, aus dem der Film schöpfen kann. Auch wenn Scorseses Inszenierung routiniert und gar spannungsarm rüber kommt, konnte der Film mich durchaus faszinieren und fesseln.
„Killers Of The Flower Moon“ - My First Look – 9/10 Punkte.