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Nach dem Ersten Weltkrieg kehrt Ernest Burkhart in die USA zurück und landet auf der Ranch seines Onkels William Hale. Das Land gehört zwar dem Stamm der Osage, doch trachten die weißen Siedler nach dem Reichtum der amerikanischen Ureinwohner. Ölvorkommen wurden dort entdeckt und um die Kontrolle zu erlangen, stellte man die dadurch wohlhabenden Osage unter Vormundschaft.
Nur ein Puzzlestück des entwürdigenden und gierigen Verhaltens, das Martin Scorsese in seinem Epos beschreibt, welches sich mit den Osage-Morden beschäftigt, die im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts verübt wurden.

Ausufernd ist Scorseses Bebilderung dieser historischen Ereignisse mit knapp dreieinhalb Stunden geraten. Die Länge merkt man ihm allerdings nur manchmal an. Überwiegend ruhig erzählt und selten aufgeregt oder so aufregend, wie man es ob der Thematik und ihrer Bedeutung hätte erwarten dürfen. Überraschend nüchtern bleiben die Beobachtungen sowie das Ergebnis und bleibt das Interesse auch erhalten, so packt einen das Werk nie so ganz. Dies mag auch an der Vorlage liegen, David Granns Sachbuch über die Morde stand eventuell der gewohnten filmischen Dramaturgie und somit auch den emotionalen Mechanismen im Wege. Was nicht heißt, dass einen das hier kalt lässt. Doch erfährt man trotz all der Zeit relativ wenig über zum Beispiel die Osage selbst und durch die vielen kleinen eingewobenen Zeitsprünge bleibt immer das Gefühl, hier nur ausschnittsweise bedient zu werden.

Die Besetzung ist klangvoll, doch nicht vollends überzeugend. Leonardo DiCaprio verpasst seinem nicht allzu hellen Ernest mit fortschreitender Spielzeit nur noch einen Gesichtsausdruck. Seine Ambivalenz wird zwar nicht verschwiegen, aber es wäre genug Zeit gewesen, hier noch mehr aus der Figur rauszuholen. Ein Robert De Niro wirkt mit seiner Schurkenrolle nicht gerade überfordert, sein William Hale ist manipulativ, seine Motivation recht schnell offen sichtbar und einfach. Charismatisches Highlight ist dafür Lily Gladstone, die auch mit wenig exaltiertem Spiel Ausdruck erzeugt, später allerdings recht wenig zu tun bekommt. Jesse Plemons, Brendan Fraser und John Lithgow tauchen noch auf, hinterlassen aber keine großen Spuren.
Das Design ist dafür ansprechend, an der Ausstattung, der Kamera und der musikalischen Untermalung gibt es nicht viel zu kritisieren.

In epischer Länge, dafür weniger in ebensolcher Breite, schildert Scorsese die Morde an der indigenen Bevölkerung der Osage als True-Crime-Drama mit unerwartet leiser Dramatik und doch nicht ohne Nachdruck. Das Einschleichen in eine und das Verdrängen dieser Kultur wird in ansprechende Bilder gekleidet, für seine Dringlichkeit insgesamt aber zu wenig eindringlich erzählt.

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