Eine Handvoll schwäbischer Hinterwäldler hat ein Portal zur Hölle geöffnet und muss sich nun mit den Ausgeburten herumschlagen. Sichtlich angenervt entscheiden die Recken, dass diesem Zustand durch das Opfern von 666 Menschen ein Ende bereitet werden muss. Also beginnt die Menschenjagd.
Der deutsche Amateursplatter dürfte sich in das Herz vieler Fans eingebrannt haben. Undergroundpäpste wie Andreas Schnaas, die fast schon semi-professionellen Posterboys wie Ittenbach und Buttgereit, oder die späteren Vertreter wie Marius Thomsen konnten eine beachtliche Anhängerschaft aufbauen und mit ihren Werken, die zum Großteil im heimischen Wald abgedreht wurden, begeistern. Der hier zu besprechende „Hillbilly Holocaust“ wurde von „Madman Marv“ und seinem Label Fäkalocaust Produktion inszeniert und trägt die Fackel weiter.
Ohne Missgunst kann man sagen, dass die Stärken und Schwächen des Films quasi dieselben sind, die man auch bei den Violent Shit oder Knochenwald Filmen ausmachen konnte. Die Handlung ist eigentlich ein bloßer Aufhänger und entwickelt sich kaum bis gar nicht weiter. Die Schauspieler sind wohl allesamt Freunde und Verwandte, weswegen das Produkt auch sehr „kumpelhaft“ ausgefallen ist (wie so oft). Bei manch einem Film wurde gerade dieses Faktum auf peinlichste Spitzen getrieben, bei „Hillbilly Holocaust“ wirkt es aber noch dezent genug, um einen gewissen Charme zu versprühen.
Generell gerät man im hier vorliegenden Streifen Gott sei Dank nicht in die Sphären der troma-esken Albernheiten, obwohl man sich natürlich alles andere als ernst nimmt. Das Hillybilly-Gimmick wurde solide eingesetzt, wirkt aber (gerade im Zusammenhang mit dem schwäbischen Akzent) ein wenig deplatziert, was aber wohl beabsichtigt war. Dafür sind die Kostüme schick anzusehen und die allgemeine Qualität von Bild, Ton und Schnitt kann man wohl getrost als überdurchschnittlich bezeichnen – zumindest für einen deutschen no Budget Film. Hier muss natürlich der Metal bzw Grindsoundtrack Erwähnung finden, wobei auch Bands aus dem direkten Umfeld der Band zum Einsatz kamen. Das mag wohl nicht jeder, aber unpassend ist es sicherlich nicht.
Der eigentliche Star des Films sind natürlich die Splatterszenen, die in angenehmer Regelmäßigkeit auftreten. Hier bekommt der geneigte Zuschauer einiges geboten. Einschusslöcher, zermatschte Schädel, entfernte Gliedmaßen und literweise Blut versüßen dem Gorehound die (perfekt bemessenen) 60 Minuten Spielzeit und man kann auch nicht über zu wenig Abwechslung meckern. Die Effekte sind teilweise sehr gut gelungen (zB beim Pumpguneinschuss im Gesicht), wirken aber an anderen Stellen doch noch etwas nach Puppenkopf und Pappmachè. Das fährt aber wiederum den Trashfaktor hoch und Fotorealismus erwartet eh niemand. Schade bleibt dennoch, dass kein wirklicher Spannungsbogen zustande kommt und die Passagen zwischen Anfang und Ende eigentlich eine reine Aneinanderreihung von eher willkürlichen Mordszenen sind – auch wenn der ganz große Wow-Effekt auch nicht kommt. Da muss man schon von verschenktem Potential sprechen, obwohl man das schnelle Pacing und das Ausbleiben von Langeweile wiederum positiv hervorheben muss.
Fazit: „Hillybilly Holocaust“ ist ein sympathischer und unterhaltsamer Amateursplatter mit vielen Kills, netten Einfällen und wenig Handlung. Sicherlich hat man in diesem Bereich schon Ambitionierteres gesehen, allerdings bewegt sich Madman Marv qualitativ definitiv über dem heutigen Genredurchschnitt. Die Effekte passen weitestgehend und die regelmäßigen Metzeleinlagen halten einen bei Laune, weswegen man als Aficionado sicherlich wenig bis nichts falsch macht.
6,5 Punkte (aufgerundet auf 7)