Review

Feuer & Flamme, Wasser & Hasser

Mein Gedanke, als ich vor ein paar Monaten die ersten bewegten Bilder und Handlungsschnipsel las: „Echt jetzt, Pixar? Die Elemente? Das kann doch nicht euer Anspruch sein, das macht jedes zweite Videospiel, hat schon jede dritte Kinderserie abgearbeitet. Das ist die einfachste Metapher der Welt.“. Nach Spielzeug, Gefühlen und Seelen (!) war mir das einfach zu wenig, zu plump, zu basic. Umso grandioser ist, dass ich jetzt krachend zugeben muss: auch aus dieser Prämisse kann man einen tollen Film machen. Und Pixar liefert genau das. Nahezu das Maximum, was man daraus basteln kann. Und für meinen Geschmack auch wieder fast altes Niveau, nach nun einigen eher suboptimalen Outings. Erzählt wird im ganz bezaubernden „Elemental“ von einem aufbrausenden Feuermädchen und einem wortwörtlich nah am Wasser gebauten Jungen, die sich kennen und lieben lernen. Allerdings in einer Stadt der vier Elemente, wo Feuer, Wasser, Wind und Erde eigentlich jeweils unter sich bleiben, erst recht wenn es um Beziehungen geht. Es ist nunmal gefährlich bis unmöglich etwa zwischen Feuer und Wasser eine Verbindung zu schaffen. Aber unsere zwei gegensätzlichen Protagonisten beweisen eindrucksvoll und absolut herzlich, glaubhaft, wegweisend das Gegenteil…

Es ist einfach, hier Parallelen zu „Zootopia“ und „Romeo & Julia“ zu ziehen, aber insgesamt macht „Elemental“ zum Glück viel mehr sein eigenes Ding, als es jegliche Vergleiche und Vorurteile ahnen hätten können. Ich hatte eine ausgesprochen farbenfrohe, fröhliche und famose Zeit im Kino. Selten habe ich strahlender eine aufkeimende Liebe verfolgt. Der Score ist treibend und fast experimentell, definitiv urban, exotisch und besonders. Fast näher an sowas wie dem animierten „Spiderverse“ als an klassischen Disney-Sounds. Die gezeichnete Welt ist bunt, liebevoll und überbordernd in all seinen Details, gesellschaftlichen Metaphern und optischen Spielereien. Nur zu gerne hätte ich auch von den Windigen und Erdigen mehr gesehen. Dennoch bin ich zufrieden mit der Konzentration auf Ember und Wade. Sehr zufrieden. Starke Persönlichkeiten. Ein tolles Paar. Eine glaubhafte Beziehung bzw. Kennenlernphase. Kulturelle Unterschiede, Hürden und Vorurteile haben keine Chance gegen die Liebe. Die Figuren sind glaubhaft und haben sensationelle Kräfte zugleich. Ohne direkt an Superheldengefilden zu kratzen. Wasser wurde selten besser animiert. An jeder Ecke gibt es Wortwitze, Easter Eggs und Anspielungen auf echte Religionen, Rassen, Gesellschaftsschichten. Und Elemental City ist ein dermaßen traumhafter und magischer Ort (ohne perfekt oder problemlos zu sein!), dass ich es kaum erwarten kann zurückzukehren. Eine richtig positive und viel kreativer, eigener als gedachte Überraschung. Kein Copycat, keine Sozialmetapher auf Grundschulniveau. Zumindest nicht nur. Und wenn, dann in seiner ausgereiftesten und lebendigsten Form. 

Fazit: „Elemental“ scheint konzeptuell zuerst nicht auf gewünscht hohem Pixarniveau. Aber schnell merkt man: es ist einer der süßesten und romantischsten Animationsfilme seit vielen Jahren! 

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