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Die Goldene Palme für den besten Film, der Oscar für das beste Drehbuch sowie zahlreiche weitere Auszeichnungen für ein knapp zweieinhalbstündiges zweisprachiges Gerichtsdrama: Was ist das Besondere an diesem Film und hat er seine Preise verdient? 

Um es klar zu sagen, gibt es packendere Dramen und intelligentere Kriminalfälle. Der Film ist weder besonders clever konstruiert noch besonders tiefschürfend in der Erkundung menschlicher Beziehungen. 

Was er jedoch schafft, ist, Klischees zu vermeiden, die andere Filme dieser Gattung uns regelmäßig vorsetzen und Menschen mit vielschichtigen Persönlichkeiten und widersprüchlichen Eigenschaften darzustellen, die uns nicht zu Ende erklärt werden und die nicht rein funktional zum Auflösen eines Falles ins Drehbuch geschrieben wurden. 

Sandra Hüller portraitiert die Hauptfigur gekonnt, authentisch, mit Brüchen und Ungereimtheiten. Nichtsdestotrotz ist der Film von Anfang an so eng an ihrer Seite, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann als ihr zu glauben, insbesondere da der Staatsanwalt viel zu plakativ als manipulativer Ignorant gezeigt wird. 

Von daher ist ANATOMIE D’UN CHUTE (dessen französischer Originaltitel ironischerweise gegenüber dem englischen und deutschen Titel an Doppeldeutigkeit verliert) sehenswertes Schauspielkino, das sein Spannungspotenzial (möglicherweise bewusst) nicht voll ausschöpft.

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