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Gefühlt neigten englische Könige schon immer dazu, unliebsame Ehefrauen rüpelhaft aus dem Weg zu räumen. Verschwörungstheorien zufolge reicht das bis ins Jahr 1997. Ein besonders misogyner Zeitgenosse muss Henry VIII gewesen sein, der wenigstens zwei seiner sechs Ehefrauen hinrichten ließ. Der brasilianische Regisseur  Karim Aïnouz fokussiert sich bei seinem Historiendrama auf die Situation von Katherine Parr, seine letzte Ehegattin.

1546: Als König Henry (Jude Law) von einem Feldzug in die Heimat zurückkehrt, ist er bereits von einer Infektion gezeichnet. Während seine Frau Katherine (Alicia Vikander) um Aufklärung bemüht ist und sich zwischenzeitlich mit vermeintlichen Ketzern abgibt, schmiedet Henry insgeheim Pläne, seine Gattin loszuwerden…

Im Zeitalter von „Game of Thrones“ ist es ein beinahe tollkühnes Unterfangen, die Geschichte betont unaufgeregt zu erzählen und sich zunächst nicht nur um die Figurenkonstellationen, sondern das stille Belauern der Hauptfiguren zu kümmern.
Daraus entwickelt sich zwar eine gewisse Grundanspannung und es gibt natürlich einige kleine Intrigen und Machtspielchen, doch lange Zeit ereignen sich Dinge so beiläufig, dass die Chose weitgehend emotionslos vor sich hinplätschert.

Zwar stechen hier und da einige Bildkompositionen positiv ins Auge und der eher zurückhaltend eingesetzte Score vermag stets die treffende Atmosphäre zu untermalen, doch trotz starker Ausstattung der Kostüme und Requisiten und der generell treffenden Besetzung will sich kein Mitfiebern einstellen. Da ist man schon beinahe ein wenig erzürnt, wenn Henry am Tisch seine Frau bloßzustellen versucht, indem er eine fremde Holde aus der Gruppe der Anwesenden hervorhebt.

Erst im finalen Part wird eine Art Wettlauf gegen die Zeit angekündigt. Henrys Zustand verschlechtert sich zusehends und gleichzeitig versuchen seine Vertrauten, Beweise für die vermeintliche Schuld Katherines zusammen zu tragen. Gegen Finale weicht die Geschichte zwar eklatant von den realen Fakten ab, doch immerhin gibt es hier und da ein paar emotionale Regungen.

Insofern plätschern die 120 Minuten relativ unspektakulär vor sich hin und obgleich Jude Law mit Mut zur Hässlichkeit eine starke Leistung abliefert und Vikander in ihrer Zurückhaltung nicht minder überzeugend performt, will der Funke zu keiner Zeit überspringen.
Die weibliche Sicht auf die Tudor-Ära hätte letztlich gewiss mehr Potenzial geboten, als ein paar gelungene Bilder und ein wenig Machtgerangel.
5,5 von 10

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