iHaveCNit: May December (2024) – Todd Haynes – Wild Bunch International
Deutscher Kinostart: 30.05.2024
gesehen am 27.06.2024
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema – Petit – Reihe 1, Platz 5 – 20:45 Uhr
Endlich mit viel Verzögerung konnte ich den Mai 2024 für mich im Kino abschließen und endlich den von mir sehr heiß erwarteten, aber auch aufgeschobenen „May December“ sehen. Vor allem bei der Besetzung von Natalie Portman und Julianne Moore und auch gerade weil Todd Haynes letzter Film „Dark Waters“ beziehungsweise „Vergiftete Wahrheit“ richtig bei mir eingeschlagen ist. Aber auch das Thema von „May December“ ist sehr interessant und brisant.
Die Schauspielerin Elizabeth Berry reist für die Vorbereitung zu einem neuen Filmprojekt nach Savannah, Georgia. Dort besucht sie das Paar Gracie Atherton-Yoo und Joe Yoo, die ein beschauliches Leben verheiratet und mit ihren Kindern an einem Haus am See führen. Das was Gracie und Joe einst vor 23 Jahren zusammengeführt hat, war damals ein brisanter, öffentlichkeitswirksamer Skandal, dessen Hintergründe Elizabeth untersuchen möchte, um ein möglichst genaues Porträt von Gracie zu spielen – ohne zu ahnen, was sie bei den Vorbereitungen erwarten wird.
„May December“ ist ein komplexer, vielschichtiger Film, der uns viel über Schauspiel, Verführung, Manipulation, Obsession und auch Reflektion, Spiegelung, Identität erzählt und sich hier einem sehr brisanten Thema annimmt – der Beziehung zwischen erwachsenen Frauen und minderjährigen Jungen, inspiriert von unter anderem dem prominenten Fall um Mary Kay Laterneau – den Umgang der Öffentlichkeit mit diesem Thema und die Folgen für alle Beteiligten. Da bekommen wir in diesem Film zwar nicht unbedingt so etwas wie eine strukturelle Ordnung, eher mehr eine Vielzahl an kleinen, feinen und sehr prägnant starken Momenten, die einem beim Entschlüsseln und bei der Meinungsbildung zum Skandal und zum allgemeinen Thema anregen. Nicht zu vergessen, dass vor allem das Trio aus Natalie Portman, Julianne Moore und Charles Melton unfassbar gut ist. Dazu ist der Look des Films mit seiner Kamera sehr interessant gewählt und auch die Wahl der starken, sehr konterkarierenden Musik macht durchaus Laune bei diesem auch in seiner Komplexität sehr konterkarierend mit den Erwartungen spielender Film, der ein kleines Highlight meines Filmjahres ist.
„May December“ - My First Look – 9/10 Punkte