Review

iHaveCNit: The Zone Of Interest (2024) – Jonathan Glazer – A24

Deutscher Kinostart: 29.02.2024

gesehen am 02.03.2024

Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema – Lumiere – Reihe 7, Platz 17 – 20:15 Uhr

An diesem aktuellen Wochenende werden wir von richtig guten Filmen verwöhnt. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen neben „Dune Part Two“ an diesem Wochenende auch den neuen, in der Awardsaison ebenfalls eine Rolle spielenden „The Zone of Interest“ von Jonathan Glazer anzusehen, der ein weiteres großes Highlight des Jahres 2024 ist.

Rudolf und Hedwig Höß leben mit ihren Kindern ein normales, spießbürgerliches Leben in einem großen Anwesen mit Haus und Garten, für den vor allem Hedwig eine Leidenschaft hegt. Ihr Leben scheint sehr idyllisch und banal sein, wäre Rudolf Höß nicht der Leiter des Konzentrationslagers in Auschwitz, das direkt an ihrem Anwesen grenzt.

Ist „The Zone Of Interest“ ein weiterer Film über den bereits sehr oft filmisch aufgearbeiteten Holocaust ? Nicht nur ! Ist „The Zone Of Interest“ eine filmische Biographie über Rudolf und Hedwig Höß ? Nicht nur ! „The Zone Of Interest“ ist eine freie Verfilmung des gleichnamigen Romans von Martin Amis und eine experimentelle, voyeuristische, herausfordernde, dokumentarische, zur Selbstreflexion mahnende Kino-Erfahrung. Vordergründig präsentiert uns der Film ja das idyllische, banale, spießbürgerliche Leben der Familie Höß, dem wir als stiller Beobachter folgen. Würden wir nur den Blick und unseren Fokus darauf legen, wäre das Filmerlebnis doch ein recht nüchternes, biederes und langweiliges, weil ja grundsätzlich nichts passiert. Aber das ist der ganz große wirkungsvolle Effekt des Films. Das Bild der Familie Höß eingerahmt in das Setting des Holocausts direkt angrenzend an den Horror des Holocausts im Konzentrationslager Auschwitz ergibt durch viele kleine feine Momente und auch Bemerkungen in den Gesprächen im Hause und Leben der Familie Höß, bei denen vor allem Sandra Hüller und Christian Friedel exzellent aufspielen, sowie einem herausragenden Sounddesign und auch hier vielen kleinen visuellen Elementen einen extrem effektiven Horrorfilm, bei dem der Horror im Kopf entsteht und dafür nicht viel braucht. Und genau das ergibt sich aus „The Zone Of Interest“, wenn man genauer hinsieht und hinhört und sich nicht nur auf das vordergründig Präsentierte fokussiert. Damit ist „The Zone Of Interest“ nicht nur ein Film, der allgemeingültig aufgrund seines Settings auf den Holocaust anzuwenden ist, sondern auch auf viele weitere Verbrechen der Menschheit, vor denen man gerne durch vordergründig Präsentiertes nicht den Fokus darauf legt, genau hinhört und eine Spur Ignoranz und Distanz dazu entwickelt. Der Film ist eine mahnende Selbstreflexion alles im Blick zu haben und genau hinzusehen und hinzuhören. Und genau dahingehend könnte man selbst wenn die Phrase und der Begriff abgedroschen wirkt, bei „The Zone Of Interest“ von einem unfassbar wichtigen Film sprechen, der sich sicherlich einen Namen in der Filmgeschichte machen wird.

„The Zone Of Interest“ - My First Look – 10/10 Punkte





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