Die Amsterdamer Richterin Bodil (Bracha van Doesburgh) und ihre Freundin Isabel (Elise Schaap) verbindet ein wohlgehütetes Geheimnis: beruflich erfolgreich und seit Jahren verheiratet genehmigen sich die beiden ab und zu ein gemeinsames Wochenende in einem Ferienhaus im begischen Oostende. Vorgeblich der Entspannung vom Berufsleben dienend nutzen die beiden Frauen Anfang Vierzig die freie Zeit jedoch für diverse außereheliche Seitensprünge.
So ist es auch an diesem Wochenende: Bodil hat Ehemann Milan (Nasrdin Dchar) und den jungen Sohn mit Karten für ein Match von Ajax Amsterdam versorgt und steigt in den Zug nach Oostende, wo sie Isabel bereits erwartet. Die hat herausgefunden, daß ihr Gatte Luuk (Gijs Naber) einen GPS-Tracker auf ihrem Handy installiert hat, weswegen sie Bodil bittet, dieses an sich zu nehmen und regelmäßig Fotos von deren geplantem künstlerischen Abend zu knipsen und zu schicken, während sie mit einem Ersatzhandy eigene Wege geht. Isabels Idee mit dem falschen Alibi scheint aufzugehen: die Freundin knipst fleißig, Luuk schöpft vorerst keinen Verdacht und Milan vertraut seiner Frau ohnehin. Bodil besucht später einen Vortrag eines derzeit angesagten Philosophen, den sie hinterher in ihr Ferienhaus einlädt, wo die beiden auch sofort im Bett landen und die Nacht miteinander verbringen.
Am nächsten Morgen - Bodil hat ihrem Bettgenossen gerade klargemacht, daß er nur ein One-Night-Stand just for fun bleiben wird, worauf sich dieser zurückzieht - ist Isabel noch nicht eingetroffen, da entdeckt Bodil Blut- und Kampfspuren im Hauseingang. Isabel ist auf ihrem Ersatzhandy nicht zu erreichen und zu allem Überfluss ruft deren Ehemann Luuk gerade an, daß er sich den Fuß gebrochen habe und Hilfe benötige, weswegen er Isabel eine Zugfahrkarte gebucht habe, damit diese früher zurückfährt. Bodil bleibt nichts anderes übrig, als die Polizei zu verständigen und zunächst Milan und später Luuk zu beichten, daß Isabel gar nicht bei ihr ist. Als auf Isabels zurückgelassenem Handy dann noch ein Bild auftaucht, auf dem sie erdrosselt zu sehen ist, nimmt der Fall eine ganz unerwartete Wendung...
Frauenfilme sind derzeit groß angesagt, und so beschäftigt sich auch die niederländische Netflix-Produktion Faithfully Yours mit zwei wohlsituierten Damen, deren regelmäßige und als normal angesehene Seitensprünge diesmal jedoch in einen Thriller münden. Obgleich sich die erste halbe Stunde durchaus spannend gestaltet, baut das Drama um die verschwundene und offensichtlich ermordete Isabel in der Folge jedoch merklich ab, da dann die beiden Ehemänner näher charakterisiert werden und diese - erwartungsgemäß - eine Mitschuld an der ganzen Sache trifft. Immerhin interessant zu verfolgen ist die Rolle der Bodil, die immer nur scheibchenweise die Wahrheit preisgibt, was sie in den Augen der Polizei dann selbst zu einer Verdächtigen macht.
Während die beiden Ehemänner (der eine ein treudoofer(?) Familienmensch, der nie an seiner Frau - Bodil - zweifelt, der andere ein komplexbeladener Schriftsteller, der grundsätzlich mißtrauisch auftritt) keinerlei Sympathiewerte verbuchen können, wirken auch die beiden Frauen nicht unbedingt vertrauenseinflößend, da sie ihre jeweiligen Gatten recht ungeniert und regelmäßig hintergehen, ohne daß dies durch besondere Vorkommnisse/Ereignisse begründet wird. Fremdficken, so suggeriert es Faithfully Yours, ist so normal wie Nägel lackieren.
Leider driftet der Streifen in der zweiten Filmhälfte dann zu sehr ins Unrealistisch-Phantastische ab, bemüht einen geheimnisvollen Auftragskiller aus dem sagenumwobenen Darknet (ähm?) und gipfelt in einem grotesk-lächerlichen Mord mit einem Hackebeilchen im Wasser, den die seltsamerweise die Fronten wechselnde Kommissarin dann im Handumdrehen als Selbstverteidigung klassifiziert (wtf?), um am Ende einen für die Hauptdarstellerinnen günstigen Plot-Twist zu servieren, den man freilich schon meilenweit zuvor erahnen kann.
Fazit: nach halbwegs vielversprechendem Beginn, der zwei vorgeblich emanzipierte moderne Frauen featured (und zwei Vollpfosten als Ehemänner) läßt Faithfully Yours in der Folge dann stark nach und versandet in (frauen-)gefälligen Allgemeinplätzen. 4 Punkte.